Ideen für Westerfildes Problemviertel gesucht

Raumplanungs-StudentInnen aus Detmold nehmen Stadtteil in den Fokus

Wie kann es gelingen, den Westerfilder Ortskern wieder ins Gleichgewicht zu bringen? Neue Ideen dazu könnten 12 Studentinnen und Studenten der Raumplanung an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe Detmold einbringen. Sie sollen im Rahmen ihrer Bachelorthesis (Abschlussarbeit ihres Studiums) innerhalb von zehn Wochen Vorschläge erarbeiten, wie der zentrale Wohn- und Lebensraum des nordwestlichen Stadtteils attraktiver werden kann.

Gemeinsam mit Prof. Martin Hoelscher, ihrer Betreuerin Veronika Howe, Eberhard Weisse und Tanja Reunert vom Amt für Stadterneuerung, Guido Geretshauser von der Emschergenossenschaft sowie Quartiersmanagerin Juliane Hagen unternahmen sie am Dienstagmorgen einen ersten Rundgang durch die „Problemviertel“.

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Studierende der Hochschule Ostwestfalen-Lippe Detmold beim Rundgang durch Westerfilde

Diese wurden bei der Vorstellung des Projektes von Eberhard Weisse deutlich eingegrenzt: „Es sind vor allem die Großwohnungsanlagen der 60er und 70er Jahre, die den Stadtbezirk ins Trudeln gebracht haben.“ Eigentümerwechsel, Leerstände, Renovierungsstau und wenig geglückte Zusammensetzung der Mieter waren Gründe für den Niedergang eines noch vor Jahren lebendigen Nebenzentrums im Stadtbezirk Mengede. Die Folgen waren Verwahrlosung, Verödung des Ortskernes und soziale Destabilisierung.

Was ist gegen weiteren Niedergang zu tun?

Zehn hypothetische Fragen sind zu beantworten

Professor Martin Hölscher stellte zehn hypothetischen Fragen an die angehenden Raumplaner vor, für die Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden sollen: Alle beginnen mit „Was wäre, wenn…“

…Dortmund nicht nur wegen der aktuellen Flüchtlingssituation, sondern auch wegen seiner Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort weiter wachsen würde?

…Teile der Großsiedlungen oder Teile der Siedlungen aus den 30er bis 50er Jahren durch neuen Wohnungsbau ersetzt würden?

…wenn die bestehenden Gebäude horizontal oder vertikal nachverdichtet würden?

…wenn das Gelände der ehemaligen Zeche Westhausen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes bebaut werden würde?

…wenn die gemeinschaftlichen Freiflächen in den Siedlungen durch einzelne Mietergruppen genutzt und angeeignet werden könnten?

…die öffentlichen Räume Westerfildes im Zuge der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ ein völlig neues Gesicht erhalten könnten?

…die Freiflächen in Westerfilde als Experimentalräume für die heterogene Bevölkerung des

Stadtteils genutzt werden könnten?

…die angrenzenden Landschaftsräume besser ins räumlich-funktionale Gefüge des Stadtteils integriert würden?

…die in Westerfilde wohnenden Menschen gemeinsam Verantwortung für die Nutzung, Pflege und Entwicklung ihres Stadtteils übernehmen würden?

…wenn all diese Optionen nur Theorie bleiben und sich Westerfilde nicht weiter entwickeln würde?

(Diese Liste schickte Prof. Hoelscher in einer E-Mail am 6. April an die Redaktion von Mengede in Takt)

Analysen, Pläne, Konzepte gibt es schon seit 2008
Bereits seit 2008 unternimmt die Stadt Anstrengungen, um die Schieflage in der Wohnsituation und Sozialstruktur der betroffenen Siedlungen zu verbessern: „Kleinräumige Quartiersanalyse“, „Aktionsplan soziale Stadt“, „Integriertes Handlungskonzept Westerfilde/Bodelschwingh“, „Inklusives Westerfilde“ sind Stationen des mühevollen Weges, der in den letzten Jahren gelegentlich ins Stocken geriet. Sind die jeweiligen Eigentümer nicht an langfristigen Lösungen, sondern nur an schnellem Gewinn interessiert, sind die Möglichkeiten der Behörden begrenzt.

Hoffnung gibt es in letzter Zeit, weil die Vonovia als neue Eigentümerin der Siedlungen Speckestraße/Rohdesdieck/Westerfilder Straße und Zum Luftschacht / Dortusstraße/Westerfilder Straße Entgegenkommen zeigte, die Renovierung eines Spielplatzes und die Säuberung sowie Renovierung der Außenanlagen in Angriff nahm und eine Wohnung für ein Freizeitangebot der „Falken“ für Jugendliche zur Verfügung stellte. Erste Verbesserungen sind sichtbar und machen Hoffnung: Die Außenanlagen sind deutlich sauberer geworden, das Grün gepflegt und zurechtgestutzt.

Weisses Kollegin Tanja Reunert stellte die noch in diesem Jahr geplanten weiteren Maßnahmen vor: Bereits am 18. April wird in der Sekundarschule der 5. Bürgerdialog zu verschiedenen Themen stattfinden. Unter anderem wird bei diesem Anlass auch über die Umgestaltung des derzeit zur reinen Parkfläche degradierten Marktplatzes informiert. Er soll wieder Zentrum mit Aufenthaltsqualität – und Ort für einen Wochenmarkt werden, wie früher.
Am 22. April wird er komplett autofrei sein: die Bürger bekommen dann Gelegenheit, Meinungen und Wünsche im Gespräch mit der Verwaltung zu äußern. Im Mai wird es noch einmal eine Ideenwerkstatt auf dem Platz geben. Die Ergebnisse werden mit in das Ausschreibungsverfahren für einen Gestaltungswettbewerb aufgenommen.

Reizvolle Aussichten: Wassergarten an der Speckestraße
Beim Rundgang an der Speckestraße nutzte Guido Geretshauser von der Emschergenossenschaft die Gelegenheit, den jungen Raumplanern die praktischen und optischen Auswirkungen der geplanten Regenwasser-Abkoppelung vor Augen zu führen. Es hat viele Vorteile, wenn sauberes Wasser von Gebäudedächern nicht mehr zusammen mit dem Abwasser in die Kanalisation geführt wird, nicht nur technische. Es bieten sich auch reizvolle Gestaltungen an, wie die Anlage offener Gewässer, kleiner Teiche, Bäche oder grüner Inseln, in denen das Wasser versickern kann. So etwas könne auch entlang der Speckestraße möglich sein, so Geretshauser. Lediglich unter Fahrbahnflächen müssten Strecken verrohrt werden.

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