Wie fangen wir den Pokémon?

 

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Auf der Suche nach Pokémon in einer Seitenstraße der KÖ am 2.8.16 in D’dorf

Pokémon GO oder Geocaching?

Als die USA im Jahre 1973 den ersten Satelliten in den Orbit schossen und damit begannen, ihr Satelliten-Navigationssystem GPS (Global Positioning System) zu installieren, war zunächst ausschließlich eine militärische Nutzung vorgesehen. Niemand hätte damals voraussehen mögen, dass heute bereits jeder Teenager mit seinem Smartphone eine zuverlässige Ortsbestimmung bis hin zu wenigen Metern Genauigkeit erreichen kann.

Ein Spiel, was derzeit alle jugendlichen Computer-Freaks fasziniert, ist das „Pokémon GO“, bei dem per GPS die Standortdaten des Akteurs ermittelt werden. Unter Verwendung des Kartenmaterials von Google werden die Position des Spielers auf der Display-Landkarte virtuell eingeblendet und seine Aktionen, die in der Regel im Freien stattfinden, aktuell angezeigt.

Nach seiner Registrierung erstellt der Spieler zunächst einen „Avatar“ und weist diesem Attribute wie Geschlecht, Haut-, Haar- und Augenfarbe sowie Bekleidung zu. Der „Avatar“ ist auf der virtuellen Landkarte des Spiels stets abhängig vom realen Standort des Spielers platziert. Um den „Avatar“ in der Spielwelt zu manipulieren, muss der Spieler die entsprechende Bewegung in der realen Welt ausführen.

Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Pokémons, das sind die vom Spielserver per Zufallsprinzip in die Landkarte eingeblendeten Monster, mit dem „Pokéball“ einzufangen. Das Einfangen wilder Pokémon wird mit Bonbons und Sternenstaub belohnt, die für das „Hochleveln“ erforderlich sind.
Das Spiel selbst ist über die beiden am meisten verbreiteten Smartphone-Betriebssysteme Android von Alphabet und iOS von Apple kostenlos downloadbar. Einen wirtschaftlichen Nutzen zieht der Hersteller, die japanische Firma Nintendo, jedoch durch ebenfalls angebotene In-App-Käufe, wie zusätzliche Inhalte, Abonnements oder spezielle Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände.

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Cartoon: Mario Lars

Bei dem Hype um Pokémon Go, das erst seit einigen Wochen auf dem Markt ist, ist das Geocaching, ein auch auf die Satelliten-Navigation basierendes Spiel, aktuell ein wenig in den Hintergrund geraten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Monsterjagd recht bald uninteressant wird. Spätestens dann, wenn alle Monster gefangen worden sind.

Hurra – eine Schatzkiste

Geocaching hingegen hat eine seit Jahren wachsende Fangemeinde, die Spaß daran hat, in der Natur unterwegs zu sein. Es lässt sich am besten als eine Art Schnitzeljagd mit modernen Hilfsgeräten beschreiben. Hierbei verstecken Mitspieler irgendwo Dosen oder Schatzkistchen voller Krimskrams sowie einem Logbuch und veröffentlichen das Versteck in Form von geographischen Koordinaten und lustigen Beschreibungen im Internet. Dies lesen andere und nutzen ihr GPS-Gerät, um die“ Schätze“ zu finden. Dann besteht die Möglichkeit, eine Kleinigkeit aus dem Inhalt auszutauschen, der Besuch wird geloggt und die Dose wieder an derselben Stelle versteckt – für den Nächsten…

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EinMikro getarnt unter einem Holzstapel

Es gibt unterschiedlichste Cache-Arten, vom einfachen Cache, bei dem man praktisch fast mit dem Auto vorfahren kann über Caches, die nur mit speziellem Equipment erreichbar sind (z.B. mit Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung) bis hin zu Rätselcaches, die vor Ort oder sogar schon im Vorfeld Recherche und erhebliche Knobelei erfordern.
Aber eine Gemeinsamkeit gibt es immer: Der mit dem Geocaching verbundene Spaß, in der Natur unterwegs zu sein. Spaß an der Suche und der Knobelei. Spaß an der Aufgabe. Und Spaß am Austausch mit anderen Geocachern – über die Logbucheinträge, über die einschlägigen Websites oder Foren oder auch bei der gemeinsamen Suche oder organisierten Treffen, den sogenannten Event-Caches.

Dieser Nano-Fiesling hatte keine Chance

Die Faszination des Geocaching ist schwer auf den Punkt zu bringen, denn so unterschiedlich wie die Cachetypen, so abwechslungsreich wie die Landschaften, in denen Caches versteckt sind, so verschieden sind auch die Geocacher-Typen: Während die einen Geocaching als Zusatzanreiz beim sportlichen Wandern betreiben, nutzen andere den Reiz der Schatzsuche einfach, um ihre Kinder oder sich selbst zu Ausflügen zu bewegen.

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Die einen reizt besonders die Knobelei und das Suchen, andere hassen genau dies, denn für sie liegt der Spaß eher darin, sich durch unwegsames Gelände zu kämpfen oder einfach nur schöne Touren zu machen und die reine Schatzsuche dabei nur als kleine Nebenfreude mitzunehmen. Und man glaubt gar nicht, wie oft man selbst in bekannter Umgebung staunt, was es alles abseits des Weges zu entdecken gibt.

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Das Logbuch liegt im Spinnenbauch

Originelle Wohnung für einen Geocache

Es gibt Caches in unterschiedlichsten Größen. Von „nano“, das ist gerade einmal ein Fingerhut, über mikro (Filmdose), bis hin zu „groß“ (Eimer) oder „extrem groß“ ist alles möglich.
Auch an der Bezeichnung des Caches kann man schon gut erkennen, was man erwarten darf. Zu den einfachsten Formen gehört der „Tradi“, bei dem die Koordinaten zielgenau zum Versteck führen und der „Drive-In“, bei dem man sogar mit dem Auto dicht heranfahren kann.

Mehr „Gehirnschmalz“ benötigt der „Multi“, bei dem die Koordinaten nur zum Startpunkt führen und von dort nur durch die Lösung von Aufgaben oder Rätseln die nächsten Zwischenstationen erreicht werden kann.

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Getarnt, aber nicht gut genug

Ganz schwierig kann es bei einem „Mystery“, das ist ein Rätsel-Cache, oder einem „Mathe-/Physikcache“ werden. Hier werden in der Ausschreibung nur ungefähre Koordinaten angegeben, die lediglich in die nähere Umgebung führen. Erst nach der Auflösung des Rätsels erhält man die genauen Koordinaten. Ob man mit seiner Lösung richtig liegt, kann man oft vorweg mittels eines „Geo-Checkers“ überprüfen.

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Hoffentlich keine Spinne

Die der mit der Suche nach einem Cache verbundene Schwierigkeit wird vom „Owner“ (das ist die Person, die für das Versteck verantwortlich ist) in Stufen von 1 – 5 angegeben. Gleiches gilt für das Gelände, in dem der Cache liegt. Anfängern sei angeraten, zunächst mit den „Tradis“ in einfachem Gelände zu beginnen. Der Spaß wächst mit dem Spiel und spätestens nach den ersten 100 erfolgreichen Funden wagt man sich auch an die schwierigeren Verstecke.

Geocaches gibt es auf der ganzen Welt, in allen Erdteilen, im

30 m Kette bis zur Dose

Hochgebirge und in der Wüste. So natürlich auch in unseren Regionen. Ein Spaziergang durch Mengede gewinnt an Erlebniswert, wenn man unterwegs den einen oder anderen Fund machen kann. Aufpassen muss man hingegen dabei auf „Muggels“, das sind die neugierigen Laien, die den Geo-Cacher bei seiner Suche beobachten. Es gibt „Fenstermuggels“ und „ Hundemuggels“.
Sie merken schon liebe Leserinnen und Leser, bei meinem Vergleich zwischen „Pokémon Go“ und Geocaching gibt es einen eindeutigen Sympathiebeweis für das Geocaching.

Deshalb hier auch der bekannte Cachergruß: „Happy Hunting!“

Auch eine Gummiratte kann nicht abschrecken

Hinweis: Zur Vergrößerung der Fotos diese bitte anklicken!
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