Tierliebe ja gern, aber nicht immer?

Ein Versuch, allzu menschliche Widersprüche darzustellen

Ein flauschiges Kiebitzküken, das auf dem Boden herumläuft – für Hunde leichte Beute. Foto: NABU

Wie kommt es nur, dass erklärte Tierfreunde ihre Zuneigung manchmal so selektiv verteilen? Klar, es gibt Katzenliebhaber, die können keine Hunde leiden und umgekehrt. Viele mögen beide und leben auch mit beiden. Andere beteuern, im Prinzip Tiere allgemein gern zu haben. Ausnahmen gibt es, zum Beispiel Zecken, Stechmücken oder Ratten im Gartenhaus. Da hört die Liebe auf. Der mit wissenschaftlicher Akribie geplante Giftmord solcher Spezies wird öffentlich begründet – Proteste sind nicht vernehmbar. Manchmal überrascht der individuelle Blick auf die Fauna jedoch. Ein Beispiel lässt sich alltäglich am „Mengeder Meer“, den Regenrückhaltebecken der neuen Emscher, beobachten.

Große Schilder verkünden, dass man sich hier in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, in dem seltene Vögel brüten, darunter Arten, die ihre Nester am Boden anlegen. Hunde sollten bitte an der Leine geführt werden. Auch der NABU Dortmund hat auf seiner Webseite (www.nabu-dortmund.de) einen „Aufruf an alle Hundebesitzer“ veröffentlicht. Die Naturschützer appellieren: Bitte lasst in diesem Gebiet, in dem u.a. der extrem bedrohte Kiebitz und der Flussregenpfeifer anzutreffen sind, die eigenen Vierbeiner nicht einfach so herumlaufen!

Freiheit für den Hund: Dagegen sind nur Spaßverderber

Der bisherige Effekt? Gefühlt mindestens die Hälfte der Besitzer hat die Leine über die eigene Schulter geworfen, gerollt unter den Fahrradgepäckträger geklemmt oder sonst irgendwo aufbewahrt. Ihr bester Freund erkundet trabend und galoppierend das Gelände, schnüffelt, wo und woran er will, genießt die ungehemmte Freiheit. Ihm dieses Vergnügen rauben? Nur notorische Spaßverderber können so etwas verlangen.

„Mein Hund würde nie ein anderes Tier töten,“ versichert die Eigentümerin eines knapp sieben Kilo leichten Zwergrüden. Dass die Rasse früher vorwiegend Ratten bekämpfte und daher oft noch einen ausgeprägten Jagdtrieb besitzt, mag sie für ihren Liebling nicht glauben. Außerdem – ist er nicht ein hübscher Kerl? Was so niedlich ist, kann unmöglich Schlimmes anrichten. Zwar hat er daheim schon mal ein Mäusenest ausgegraben, doch das ist ihm nicht anzukreiden, eher hoch anzurechnen. Aber ein Kiebitzküken zu killen, das auf seine Art genau so niedlich anzusehen ist, wie ein Hundewelpe, eine solche Gemeinheit wäre ihm nicht zuzutrauen.

Ein wuscheliger Welpe: Noch verfügt der tapsige Youngster nicht über die Fähigkeiten, erfolgreich auf Jagd zu gehen. In ein paar Monaten sieht das schon anders aus. Foto/Grafik: privat

Dass unsere bevorzugten vierbeinigen Hausgenossen der Gattungen Canis (Hunde) und Felidae (Katzen, ja auch sie gehören dazu) andere Spezies aus gutem Grund in Angst und Schrecken versetzen, lässt sich nicht leugnen. Die frische Fährte einer potentiellen Beute kann unversehens den Wolf im Schäferhund wecken, was kein Zeichen für bösartigen Charakter ist. Trotzdem bedauerlich, falls der unschuldige Täter ausgerechnet den Nachwuchs einer vom Aussterben bedrohten Art erwischt hätte.

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