Farbige Gärten – für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge

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Bedrohlicher Artenrückgang und was jeder dagegen tun kann

Dass auch Zierpflanzen wie Rosen Honigbienen einen gedeckten Tisch bieten können, zeigt diese Rosa “Mundi”.

Artenrückgang bei Insekten? Für den einen mag das eine Schreckensnachricht sein, für den anderen klingt das keineswegs so bedrohlich: Sind es nicht vor allem Insekten, die an unseren Nutz- und Zierpflanzen knabbern, sie schädigen, sogar Ernten beeinträchtigen können? Dass es um die Gesundheit der für uns nützlichen Honigbienen nicht gut bestellt ist, hat sich aber herumgesprochen. Sie sind bisher noch Hauptbestäuber von 80 % unserer Nutzpflanzen. Außer Getreide und Nüssen, deren Pollen vom Wind verbreitet werden, sind alle Obst- und Gemüsearten auf die Unterstützung fliegender Sechsbeiner angewiesen. Ernten würden sonst ganz oder zumindest viel spärlicher ausfallen.

Korbblütler wie diese Färberkamille sind Nahrungsquelle für winzige Wildbienen.

Neben der Honigbiene übernehmen Wildbienen und Hummeln, Schmetterlinge oder auch Motten diese Aufgabe. Wenn sie zunehmend verschwinden, was dann? Schon seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es in der chinesischen Provinz Sichuan mit großflächigem Obstanbau keine Bienen mehr. Menschen bestäuben dort mit der Hand blühende Obstbäume, eine schlecht bezahlte Arbeit. Man stelle sich so etwas in Europa vor – der frische Apfel, eine Handvoll Kirschen würden für Durchschnittsverdiener zum kaum bezahlbaren Luxus.

Schockierendes Phänomen: Über Nacht verschwindet ganzes Volk

Besonders schockierend für betroffene Imker ist ein Phänomen, das vor allem zu Anfang des neuen Jahrtausends hauptsächlich in den USA, aber auch weniger dramatisch in Europa gemeldet wurde: das plötzliche, komplette Verschwinden aller Arbeiterinnen eines Stockes; lediglich Königinnen, Brut und junge Bienen waren noch übrig. Der damit verbundene völlige Zusammenbruch des Volkes wurde „Colony Collapse Disorder“ genannt. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Erste Fälle wurden allerdings bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts gemeldet. Allgemein stehen heute Pflanzengifte, vor allem die als Saatgutbeizmittel verwendeten Neonicotinoide unter Verdacht. Auch das geringere Nahrungsmittelangebot durch die industrielle Landwirtschaft mit ihrer geringen Artenvielfalt und riesigen Monokulturflächen könnte eine Rolle spielen. Hinzu kommen Klimawandel und eingeschleppte Erreger wie die Varroa-Milbe. Diese kann zwar medikamentös behandelt werden kann, schwächt aber die Bienen zusätzlich.

Hummeln sind Schwergewichte. Sie schaffen es, selbst “verschlossene” Blüten zu öffnen, wie hier den Acanthus.

Allerdings läuft die Entwicklung nicht in allen Ländern der Erde nach dem gleichen Schema ab. In China und Indien seien beispielsweise in letzter Zeit die Zahlen der Bienenvölker wieder gestiegen, wird in Medien und Veröffentlichungen von Verbänden und Berufsorganisationen berichtet. Auch in Nordamerika und Europa seien nicht alle Regionen gleichermaßen vom Rückgang betroffen.

Neben der westlichen Honigbiene Apis mellifera spielen Wildbienen und Hummeln (die zu den Wildbienen gehören) ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bestäubung der Blütenpflanzen. Fliegen und Schmetterlinge tragen gleichermaßen ihren Teil dazu bei. Doch auch ihre Zahl scheint jetzt abzunehmen, warnen Umweltverbände wie der Naturschutzbund (NABU) Deutschland. Damit könnte vielen Pflanzenarten die Existenzgrundlage entzogen werden, nicht nur Vögeln oder Kleinsäugern, die vorwiegend Insekten fressen.

Diese Schönheit hat sich ins Haus verflogen. Das Tagpfauenauge braucht ein bisschen Unordnung (Brennnesseln) im Garten.

Was ist zu tun, um den Negativ-Trend zu stoppen und lebendige Vielfalt zu sichern? Gerade in Städten sind Initiativen gefragt und möglich. Neben den Gärten an Eigenheimen bieten Balkone, Terrassen, Dachflächen und Höfe Raum für grüne Experimente. Wählt man die richtigen Arten blühender Pflanzen und die in ihren Wuchseigenschaften geeigneten Sorten dafür aus, finden auch Insekten und Vögel eine Heimat im urbanen Umfeld. Rat und Unterstützung bieten die Vereinigungen der Imker, Naturschutzverbände und sogar engagierte Einzelpersonen an.

Diese Fachleute geben Tipps für Eigeninitiativen

In Dortmund finden sich Beispiele dafür: Hermann Hunfeld ist Kenner und Förderer der kaum bekannten Wildbienen. Die heute noch 560 Arten dieser Gattung in Deutschland stehen alle unter Naturschutz, zu 50 Prozent aber bereits auf der Roten Liste. In seinem Hörder Garten finden sich nicht nur viele Blütenpflanzen, die den kleinen Helfern ein breites Nahrungsspektrum bieten, sondern auch Insektenhotels der Fünf-Sterne-Kategorie. Er bietet Vorträge und Kurse zum Selberbauen solcher Unterkünfte an. Näheres findet sich auf seiner Homepage www.wildbien.de

Staudenwicke in Magenta plus Zitronenfalter – ein lebhafter Farbkontrast, aber die zwei mögen einander trotzdem.

Der Stadtverband Dortmund des NABU veranstaltet Informationstage zu Wild- und Honigbienen sowie Hummeln in seinem Schaugarten in der Gartenanlage Dortmund-Nord, Eberstr. 46. 2017 fand dies am 8. Juli statt. Am 27. Juni gab es dort eine Schmetterlings-Zählaktion. Zitronenfalter und Tagpfauenauge freuen sich auch über geeignete Futterpflanzen. Vielleicht kann sich mancher Gartenfreund, der eigentlich einen „aufgeräumten“ Garten bevorzugt, dazu durchringen, in irgendeiner schattigen Ecke ein Büschel Brennnesseln stehen zu lassen, wenn er an die traumhaft schönen Tagpfauenaugen denkt, deren Raupen darauf angewiesen sind? Infos und Veranstaltungstermine zu allen Themen rund um den Naturschutz finden sich auf der Webseite www.nabu-dortmund.de

Viele Aktivitäten und Informationen für alle, die Spaß an Bienenhaltung haben, bieten die Kreisimkervereine Dortmund und Castrop-Rauxel e.V. an. Unter www.dortmunder-imkervereine.de stellen sich die sechs dazugehörigen Ortsvereine mit ihren Terminen und Projekten vor. Der Dortmunder Kreisimkerverein betreibt übrigens auch den Lehrbienenstand im Botanischen Garten Rombergpark. Bei Veranstaltungsterminen wie Kräuter- oder Heidemarkt kann man dort ganz unverbindlich erfahrenen Bienenfreunden über die Schulter schauen.

Fotos: Zybon-Biermann

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