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An der kanadischen Grenze in Minnesota lebt die 14-jährige Linda. Riesige Wälder, eine Seenlandschaft, tiefe Winter, heiße Sommer – die Sehnsucht nach reiner, unberührter Natur treibt die beiden zentralen Familien um.

Das sind Lindas Kleinfamilie, der Rest einer Aussteigerkommune fernab der nächsten Stadt wohnend, und gegenüber des nächsten Sees die Gardners, ein Ehepaar mit Kleinkind.

Linda, in ihrer Schule eine Außenseiterin, ein Freak, beginnt auf den kleinen Paul aufzupassen. Doch Paul verhält sich anders als Kinder seines Alters, verstörend, ein untergründiges Ringen um Vorherrschaft bestimmt das Verhältnis der beiden genauso wie Neugier und Zuneigung.

Der Vater ist zumeist abwesend, bleibt rätselhaft. Eine Mischung aus Heiterkeit und Unheimlichkeit, Bedrückung und Leichtigkeit prägt die Verhältnisse in dieser verborgenen Welt. Auch Lindas Alltag zuhause und in der Schule ist von einer exakt ausbalancierten Uneindeutigkeit geprägt. Die Mutter opfert sich für eine abstrakte Idee auf. Oder benutzt sie ihre Familie nur? Ein Lehrer begehrt seine Schülerin. Oder ist es umgekehrt?

Gesellschaftliche Utopie oder sektiererischer Glaube verblenden ihre Anhänger. Linda ist in ihrer Sehnsucht nach Wärme und Anerkennung blind, orientierungslos. Zu jung und zu distanzlos verdrängt sie alle Alarmzeichen. Trotz Schauerelementen muss ein tödlich endender Roman kein Krimi sein. Der Leser folgt Lindas beobachtender Stimme gebannt. Faszinierend, rätselhaft, ein Unikat.

Hella Koch – Buchhandlung am Amtshaus
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