Baudenkmäler im Stadtbezirk (16)

| Keine Kommentare

Wie halten wir es mit den Baudenkmälern im Stadtbezirk Mengede (Folge 16)

Heute: Siegenstr. 6

Die Denkmalliste der Stadt Dortmund umfasst im Stadtbezirk Mengede 79 Baudenkmäler, darunter 21 Wohnhäuser, Villen oder Wohnsiedlungen und landwirtschaftliche Gebäude, 16 Wohn- und Geschäftshäuser, fünf öffentliche Gebäude und Kleindenkmäler, drei Sakralbauten und Industrieanlagen, zwei Adelssitze sowie einen Friedhof, ein Geschäftshaus und eine Verkehrsanlage. Absicht dieser Serie ist es, über die Baudenkmäler im Stadtbezirk Mengede zu informieren.
Ein manchmal nicht ganz einfaches Unterfangen, weil es sich häufig um private Entscheidungen handelt, wie man mit einem Denkmal umgeht. Aber: Es gibt auch ein Denkmalschutzgesetz. Unsere Beiträge, die wir in loser Folge einstellen, sollen es dem Leser ermöglichen, die Regelungen dieses Gesetzes mit der Realität vor Ort zu vergleichen.
Und noch eine weitere Vorbemerkung: Baudenkmäler zu erhalten, ist in dieser Gesellschaft nicht einfach. Kapitalisten, Anarcho-Linke, Bürgerliche und vor allem Behörden sind gleichermaßen gefragt und stehen in der Verantwortung, eine dem Denkmal, und damit einer Kultur des Stadtbezirks dienende Lösung zu finden.

Ein historischer Spaziergang durch das industrielle Mengede *)

Zwischen Burgring und Mengeder Straße entstanden an der Siegenstraße am Anfang des 20. Jahrhunderts mehrstöckige Gebäude. Die Bauherrenwählten ein jeweils individuelle Architekturmischung aus Historismus, Heimatstil und Jugendstil.. So bezeugen die reichen Stuckarbeiten am Wohn- und Geschäftshaus mit der Hausnummer 6 von 1905 die Hinwendung zum gerade beginnenden Jugendstil, während im oberen Teil der Fassade der überkragende Schmuckgiebel mit Fachwerk sowie die Kopfgedeckte Haube über einem Erkerturm im sogenannten Heimatstil, einem Phänomen des Späthistorismus auffallen.

 

Begründung für die Eintragung in die Denkmalliste des Gebäudes Siegenstr. 6 **)

Bei dem Objekt Siegener. 6 handelt es sich um ein Wohn- und Geschäftshaus, das sich der damalige Besitzer Louis Stein im Jahre 1905 von dem Architekten Schröder entwerfen ließ.

Es ist ein viergeschossiger Putzbau von drei Achsen, tief in das Grundstück gebaut, dessen Jugendstilfassade in einer Mischung von Historismus und Heimatstil entworfen wurde.

Im Erdgeschoss ist rechts ein rundbogiges Einfahrtstor, daneben ein Ladenlokal mit mittlerem Zugang. Über dem einfach gestalteten Erdgeschoss sind die zwei Obergeschosse vertikal durch Stuckbänder gegliedert, mit korbbogigen Fenstern im 1. OG., rechteckigen Fensterpaaren im 2. OG. und reichen Stückarbeiten an den Fensterbrüstungen zwischen den Geschossen. In der rechten Achse kragt ein dreigeschossiger, polygonaler Erker aus der Straßenflucht, in der linken Achse reicht reicht das Dach tief ins 3. OG. hinunter und gibt den Blick auf einen schmucken ERkerturm frei frei mit einer kupfergedeckten Welschen Haube. Der Heimatstil kommt in dem oberen Teil der Fassade zum Ausdruck mit seinem auf Zuerkannten überkragendem Schmuckgiebel in farbigem Fachwerk, der Dachausbildung mit seinen zahlreichen Verfallungen und den geschweiften Knickgiebeln zu den Nachbargrundstücken hin.

  

Dieses prachtvolle Gebäude stellt ein Baudenkmal dar mit besonderer Bedeutung für die gesuchte der Menschen in Mengede, wobei für seine Erhaltung und Nutzung wissenschaftlich, künstlerische und vor allem städtebauliche Gründe sprechen.

Mit seiner Reichhaltigkeit der Fassadenelemente und der Harmonie seiner Gestaltung ist dieses Haus ein Dokument der Architektur und des Schmuckbedürfnisses seiner Entstehungszeit und zugleich Zeugnis der Entwicklungsgeschichte Mengedes vom historischen Kirchdorf zum modernen Industrievorort. An optisch wirkungsvoller stelle gelegen prägt es zusammen mit einer Gruppe historischen Bauten den Bereich der zentralen Siegenstraße und das Ortsbild von Mengede.

Hinweise:
*) Flyer aus dem Jahr 2012 „Ein historischer Spaziergang durch das industrielle Mengede“. Hrsg. Arbeitskreis „Archäologie und Denkmalpflege“ im historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark und Heimatverein Mengede.
**) nach Aktenlage des Denkmalamtes der Stadt Dortmund
Fotonachweis:
Die Farbfotos sind aus jüngster Zeit. Das schwarz-weiß Foto könnte um Mitte 1950 entstanden sein. Es wurde freundlicherweise von Heinrich Veuhoff zur Verfügung gestellt.
Im EG gab es damals ein Lebensmittelgeschäft: „Mary“ Mevenkamp, die ihr Geschäft später auf die Ecke Adalmundstraße verlegte.
Damals war im Haus Siegenstraße 4 eine „Edel-Trinkhalle“, die etwas abfällig „Schnaps Erna“ benannt wurde, und aus der man als Kind leckere Bonbons und Haribo kaufen konnte. Haribo hatte 1952 die Geschäftsidee  entwickelt , kleine Tütchen mit Lakritz und mit Fotos der Spieler und Betreuer der damaligen Oberliga-West zu verkaufen; dazu gab es dann ein passendes Album.
Im Haus Siegenstraße 2 gab es etwa zu der Zeit, aus der das Fotos stammen müsste, eine Lotto-Annahmestelle.

 

Create PDF    Send article as PDF   

Schreibe einen Kommentar