Handwerk auf Zeitreise ins Mittelalter

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Schmiede, Korbmacher und Mode für Marketenderinnen

Hier macht es sich allerlei Volk bequem.

 

Sommerhitze ist kein Grund, auf ein echtes Gaudium zu verzichten: Auch am Samstagnachmittag machten sich außer leger angezogenen Menschen des 21. Jahrhunderts wieder Landsknechte, Ritter, Burgherrinnen und Marketenderinnen auf den Weg zum Volksgarten. Das Mittelalter-Spektakel ging am Sonntag weiter mit Vergnügungen, die nie aus der Mode kommen: buntes, häufig kostümiertes Publikum jeden Alters, Programm mit Musik, Essen – und Einkaufen!

Cannabis – viel mehr als nur für einen Rausch gut

Hier gibt’s was aus Hanf – aber nur zu essen…

Was bedeutet die Fahne mit der markanten Blattsilhouette an diesem Stand? Kein Zweifel – es zeigt ein Hanfblatt. Werden hier etwa illegal Zutaten für einen Drogenrausch angeboten? Keineswegs. Heute ist fast in Vergessenheit geraten, dass Cannabis sativa – so nennt man Hanf botanisch korrekt – eine uralte Nutzpflanze mit hervorragenden Eigenschaften ist.

Sie eignet sich sowohl für die Faser- wie auch die Nahrungsmittelproduktion. Nudeln oder Gebäck aus Hanfmehl versprechen kulinarische Genüsse besonderer Art; Stoffe aus Hanffaser Tragekomfort und lange Haltbarkeit. An diesem Stand lockten essbare Spezialitäten BesucherInnen an.

Weidenkorb statt Plastiktüte

Körbe kommen nie aus der Mode.

 

Plastiktüten für den Einkauf? Spätestens seit Fridays for Future total out. Wie wäre es stattdessen mit einem Korb aus Weidengeflecht? Hält länger und sieht netter aus.

Dass er darüber hinaus ein ökologisch unbedenkliches Naturprodukt ist, in Handarbeit entsteht, kompostiert oder verbrannt werden kann, macht diese uralte Technik noch sympathischer.

Körbe gehörten schon im Mittelalter zu den wichtigsten Aufbewahrungs- und Transportutensilien in Haus und Garten.

 

Kerzen erleuchteten den Abend auf der Burg.

Wachskerzen zauberten romantisches Licht

Was machten die Menschen damals, um im Dunkeln ihr Heim auszuleuchten? Sie zündeten Kerzen an. In reicheren Haushalten waren sie aus Bienenwachs gezogen, ein teures Material.

Für die ärmere Bevölkerung gab es Licht aus Talgkerzen, wozu Hammel- oder andere tierische Fette genutzt wurden. Deren Geruch war natürlich weit weniger angenehm. Die Kerzenmacherin hier im Bild mit ihrer kleinen Helferin hatte da Edleres anzubieten. Nicht nur angenehm duftend, auch ansehnlich gefärbt.

Die Demonstrationen dieser wie auch anderer traditioneller Handwerkstechniken lockten viele Zuschauer an.

Bernstein schmückte schon Burgherrinnen

Schöner Silberschmuck fand schon immer Liebhaberinnen.

Horst Steffen, Silberschmied aus Lüdenscheid, bot individuell gefassten Schmuck aus Silber mit farbigen Natursteinen und Bernstein an. Letzterer war im Mittelalter ein wichtiges Handelsgut.

Das fossile Baumharz sei gemahlen auch als Puder für die Hautpflege eingesetzt worden und habe als medizinisch wirksam gegolten, betont Steffen.

Als Schmuckstein für einen Ring oder an einer Halskette macht das Harz der Bernsteinkiefer aber auch so Freude. Da braucht man kein ganzes „Bernsteinzimmer“ wie das seit dem zweiten Weltkrieg verschwundene…

 

Eisen schmieden war geschätzte Kunst

Seine Kunst war schon für das Rittertum unentbehrlich.

 

Dieser junge Schmied, Marvin von Nagroon, zeigte sein im Mittelalter vor allem von Rittern hochgeschätztes Handwerk. Immerhin stellten die Meister dieser Kunst Rüstungen und Waffen für alle her, die ihren Herrschaftsanspruch notfalls mit Gewalt durchsetzen wollten.

Das Rittertum ist zwar aus der Mode gekommen – die Schmiedekunst aber nicht. Wer die Verarbeitung des Werkstoffes Eisen ausprobieren wollte, konnte dies bei Marvin von Nagroon versuchen. Und das erste eigene Werkstück mit nach Hause nehmen.

Damals gab’s mehr Wölfe als Hunde

Sehen aus wie Wölfe, sind aber Hunde.

 

Nanu, hat da jemand zwei Wölfe an die Leine gelegt, um sie auf die Zeitreise zurück ins Mittelalter zu schicken? Immerhin war Canis lupus damals in Deutschland noch weit verbreitet.

Keine Sorge, die beiden Grauen hier sind keine echten Isegrims, sondern tschechische Wolfshunde. Die haben nur einen kleinen Anteil Wolfsgene und präsentierten sich eher von der schüchternen, bescheidenen Seite.

 

Bier oder Met – das war die Frage

Ob Landsknecht oder Marketenderin – es gab keine Berührungsängste mit der Neuzeit.

 

Marketenderin, Vogt oder Landsknecht in Kostümen des 15. Jahrhunderts zeigten keine Scheu vor ZeitgenossInnen im Freizeit-Outfit von 2019.

 

Die Erfrischungen stammten ebenfalls aus verschiedenen Epochen. Neben modernem Bier wurde auch historischer Met konsumiert.

Fotos: Monika Zybon-Biermann

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