Buchempfehlung: „Herausforderung Islam – Basis und Grenzen für einen notwenigen Dialog.“

Dr. Rolf Heiderich/Götz Schwarzrock:

Herausforderung Islam –
Basis und Grenzen für einen notwenigen Dialog

Seine ersten Begegnungen mit dem Islam hatte er in den 60-er Jahren. Damals arbeitete er als Steiger unter Tage auf der Mengeder Zeche „Adolf von Hansemann“.

Gastarbeiter aus der Türkei gehörten zu seiner Arbeitsgruppe, waren seine „Kumpels“. Danach unterrichtete der Mengeder Dr. Rolf Heiderich zehn Jahre die sogenannten „Auffangklassen“ an der Heinrich-Bußmann-Schule in Lünen. Ausschließlich Schüler ausländischer Herkunft, die meisten mit islamischer Glaubensausrichtung.

Seinen ersten deutschen Schüler neben vielen ausländischen hatte er dann erst im Dortmunder Norden. Als Schulleiter und Gründer der dortigen Anne-Frank-Gesamtschule arbeitete hier gut 20 Jahre, war dabei parallel auch mehrere Jahre in der Fortbildung für Lehrer in Klassen mit hohem Ausländeranteil tätig.

In diesen Tagen erschien ein Buch des inzwischen pensionierten Pädagogen mit dem Titel „Herausforderung Islam – Basis und Grenzen für einen notwenigen Dialog.“ Warum jetzt, zu diesem Zeitpunkt? Heiderich: „Weil ich eine qualitative Veränderung beobachtet habe, die mir Sorgen macht. Damals spielte die Religion eine untergeordnete Rolle, jeder lebte individuell in seinem Glauben, ohne organisierte Strukturen.“
In den letzten Jahren beobachte er die Entwicklung, dass die Individuen mehr und mehr von Organisationen gelenkt und vereinnahmt werden. Als Beispiel nennt er die DITIP (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) als mitgliederstärksten Dachverband von etwa 900 Vereinen. „Sie eine von der türkischen Regierung abhängige sunnitische Einrichtung. Die Imame und Religionslehrer werden von der türkischen Regierung nach Deutschland entsandt. In diesen Tagen erleben wir ja die Diskussion um mögliche Ausspähungen im Auftrag der türkischen Regierung.“

Nicht nur, dass die Fixierung auf die türkische Sprache ein Nachteil für die Integration sei. Bei der politischen Entwicklung in der Türkei befürchte er auch eine Einflussnahme auf die in Deutschland lebenden Türken und deren Demokratieverständnis.
So beklagt er, dass es auf Seiten dieser Personengruppen und ihrer Organisationen viel zu wenig eindeutige Bekenntnisse zu unserer Demokratie und unseren gesellschaftlichen Grundwerten gibt. „Wo blieb z.B. nach dem Terroranschlag von Berlin eine unmissverständliche Distanzierung und Ablehnung der furchtbaren Tat? Ich erwarte, dass die Menschen, die hier leben, vielleicht sogar schon seit Generationen, eindeutig Flagge zeigen und sich zu unseren Grundwerten bekennen.“

Knut Thamm (li) und Rolf Heiderich

Besonders der Einfluss von radikalen Gruppen und die daraus erwachsende Terrorgefahr bereitet ihm Sorgen. Diese Sorge teilt sein ehemaliger Kollege Knuth Thamm, mit dem er bei der gesamten Fragestellung auf einer Wellenlänge liegt. Thamm hat für das Buch einige Gedanken formuliert und eine Zeichnung beigesteuert, bei der er den Terrorismus als riesige Ratte darstellt, die in bedrohlicher Weise an unseren Grundwerten knabbert. Thamm hält, wie sein Kollege, eine erfolgreiche Integration für möglich: „Eigentlich waren wir damals in mancher Hinsicht schon weiter als heute. Wir erlebten viele freie und liberale Schüler, auch beim Sportunterricht, hatten den Eindruck von gelebter und erlebter Integration, und haben als Lehrer auch von unseren Schülern gelernt.“

Welche Zielrichtung hat das Buch? Heiderich: „Ich halte eine neue gesellschaftliche Diskussion über den Islam, den Islamismus und das Zusammenleben mit Muslimen für dringend erforderlich. Dieses Feld dürfen wir nicht auf der Basis von Vorurteilen und Rassismus den rechten Kräften überlassen.“

Ein rationaler Dialog sei aber nur mit ausreichendem Basiswissen zu führen. Dafür hat er fast vier Jahre recherchiert, u.a. deutsche Übersetzungen des Koran und der Hadithen studiert. Dabei hat er erstaunt festgestellt, wieviel nicht im Koran sondern nur in den Hadithen steht. „Die Beschneidung der Frauen (Anm.: weibliche Genitalverstümmelung) ist im Koran mit keinem Wort erwähnt.“

Seine Forschungsergebnisse hat er (zusammen mit Co Autor Götz Schwarzrock) in verständlicher Form zu Papier gebracht, strukturiert in 13 Kapiteln dargestellt, Bilder und Dokumente bei- und ein alphabetisch geordnetes Lexikon angefügt.
Herausgekommen ist ein kompaktes, in jeder Hinsicht lesenswertes Buch. Ich jedenfalls habe erst einmal einen begonnen Krimi beiseite gelegt und mich mit wachsendem Interesse dem Heiderichschen Werk zugewandt.

Info:
„Herausforderung Islam“ ist Rolf Heiderichs sechzehnte Buchveröffentlichung. Nach vielen pädagogischen Werken bezeichnet er dieses als das Schwierigste für ihn als Autor.
Es erscheint in allen deutschsprachigen Ländern als Hardcover-, Paperback- und E-book-Ausgabe. Die Paperback Version (ISBN 078-3-7345-8453-4) kostet 18,90 € und ist in der Buchhandlung am Amtshaus vorrätig.
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