Engagierte Bürger/innen belebten die BV-Einwohnerfragestunde
Von Cawi Schmälter
Früher nannte man sie „Die Rennpferde des kleinen Mannes“. Jeder wusste, dass damit die Brieftauben gemeint waren, die die vielen Bergleute als einzigen Ausgleich zu ihrer Schufterei unter Tage hegten und pflegten. Sie schickten die Vögel meist zum Wochenende in die Ferne, damit sie dann von dort zu einem Wettflug zum heimischen Taubenschlag aufgelassen wurden. Dem Besitzer der schnellsten Vögel winkten dann Preise oder Pokale.
Alle Brieftauben, die auf dem Heimflug durch widrige Umstände nicht zu ihrer Heimat zurückkehrten, sind heute ein Ärgernis für viele Zeitgenossen. In Mengede haben sich viele von ihnen „verabredet“ das Turmgebäude am Mengeder Marktplatz als Nistplatz zu besetzen. Da damit natürlich eine Verkotung des oberen Turmbereichs verbunden ist, hatte die Bezirksvertretung geplant, den Bürgerbeschwerden nachzukommen und einen Taubenabwehrservice zu kontaktieren.
Ivonne Mucha von dem Verein „Ruhrpottmöwen“ nutzte die Einwohnersprechstunde, um die Mitglieder der BV Mengede auf den Tierschutz bei möglichen Abwehrmaßnahmen hinzuweisen. Sie erreichte mit ihrem Appell das grüne Gewissen des Bezirksbürgermeisters Axel Kunstmann, der ihr versprach, in nächster Zeit bei einer gemeinsamen Turmbesteigung die notwendigen Maßnahmen in Augenschein zu nehmen.
In einer hervorragenden Internet-Präsentation unter https://www.ruhrpottmoewen.de/Verein/UnserVerein.php
unterrichtet der Verein über mögliche Aktionen (u.a. dem sog. „Erfurter Modell“), die tierschonend möglich sind.
Über ein weiteres Ärgernis berichtete Sahra Lauer aus Bodelschwingh, wo der Schulhof der Grundschule Am Kellerkamp als Spielplatz außerhalb der Schulstunden nicht mehr den Kindern zur Verfügung steht. Beschwerden der Anlieger über die Lautstärke der spielenden Kinder und Jugendlichen, darüber hinaus ein Steinwurf gegen ein Fenster in Nähe des Schulgeländes seien der Grund dafür gewesen, warum das Schulhoftor vom zuständigen Hausmeister abgeschlossen wird. Da halfen bisher gegen diese Maßnahme gerichtete 200 gesammelte Unterschriften und die Unterstützung der Schulleitung nicht, den Kindern ihren Schulhof wieder zur Verfügung zu stellen. Tanja Flur (CDU) bestätigte, dass in der Nähe keine größeren Spielmöglichkeiten bestünden und Sylvia Dettke (SPD) meinte sogar, dass ein Rechtsanspruch für die Kinder bestehe.
Jörg Rupprecht, bei den Mengedern besser bekannt als „der Heidebäcker“, beklagte ein Wasserproblem vor seinem Geschäft in der Siegenstraße 121, wo nach Regenfällen eine Riesenpfütze seine Kundschaft behindere. Eine auf dieser Fläche im Winter sich bildende Eisschicht sei zudem nicht ungefährlich. Ihm wurde zugesagt, dass seine Mängelrüge dem Tiefbauamt zugeleitet werde. Ob dabei auch der vollkommen zerstörte Randstein in diesem Bereich erneuert werde. läge im Ermessen des zuständigen Bautrupps.
Und dann war da noch wie bereits in den letzten BV-Sitzungen Nenad Nemarnik, der Vertreter der Interessengemeinschaft „Am Kreuzloh/Langenacker“. Er bedankte sich für den Einsatz der Bezirksvertretung, insbesondere im Ortstermin am 25.03 dieses Jahres. Dass die zuvor aufgestellten amtlichen Verbotsschilder jedoch bereits 5 Minuten nach der Besprechung eigenmächtig von der Firma Hagedorn für die Durchfahrt der 40-Tonner weggeräumt wurden, sei typisch für die Ignoranz der Bauverantwortlichen. Bezirksbürgermeister Kunstmann versprach ihm, den Städt. Baudezernenten Rybicki zu diesem Thema zu kontaktieren.
Resümierend bleibt festzuhalten, dass die Einwohnerfragestunde ein wichtiges Element der BV-Sitzung ist und dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind, den Schwächeren der Gesellschaft mit demokratischen Mitteln zu helfen und so dem ausufernden zivilen Egoismus die Stirn zu bieten.






