Natur und Mensch nehmen junges Auenland in Besitz

Botaniker untersuchen Entwicklung ums Hochwasserrückhaltebecken

Gut gelaunte Teilnehmer der Exkursion in Mengede.

Gut gelaunte Teilnehmer der Exkursion in Mengede.

 

Im Auenland der Emscher wird es zunehmend grüner, bunter und lebendiger. Das in Jahren aufwändiger Arbeit geschaffene Landschafts-Relief mit dem umständlich klingenden Namen „Hochwasserrückhaltebecken“ wird mehr und mehr von der Natur und den Menschen vereinnahmt. Davon überzeugten sich jetzt Mitglieder der Botanik AG Ruhrgebiet-Ost bei einer Exkursion durch das Gelände zwischen Mengede und Ickern.

Der Dortmunder Botaniker Dietrich Büscher vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Biogeograph Dr. Götz Heinrich Loos führten die Teilnehmer, unter ihnen der neue Dortmunder NABU-Vorsitzende Dr. Kristof Hennies und eine Vertreterin der Emschergenossenschaft, durch das inzwischen relativ dicht bewachsene Gelände. Bei näherer Betrachtung der Tierwelt zeigten sich bereits viele positive Ergebnisse, wie das Vorhandensein seltener Vögel, darunter gefährdete Bodenbrüter, sowie Greifvögel und Amphibien. Auch zunehmend bedrohte Insekten ließen sich blicken. Allein zehn Libellenarten wurden registriert.

Blumenwiese

Die bunte Blumenwiese stammt aus der Samentüte.

Untypisch für Dortmund aber hübsch: Überraschung aus der Samentüte

Was die Botanik selbst angeht, so war noch nicht viel Besonderes zu vermelden. Auffallend sei, dass ein Teil der Pflanzen, die aus einer in früheren Jahren von der Emschergenossenschaft vorgenommenen Wildblumen-Aussaat stammten, sich bis jetzt im aufgeschütteten Boden am oberen Beckenrand behaupten konnten, meint Dietrich Büscher. Meist verschwinden die in gängigen Saatgut-Mischungen enthaltenen Blütenpflanzen nach ein oder zwei Jahren. Die hübscheste Überraschung dabei war die rote Heidenelke, eine normalerweise auf sauren Sandböden in Deutschland vorkommende, hochgradig gefährdete Art.

Heidenelken, streng geschützt, blühen am trockenen Wiesenrand.

Heidenelken, streng geschützt, blühen am trockenen Wiesenrand.

In einzelnen Exemplaren ließ sich die früher als Ackerunkraut bekannte und heute vom Aussterben bedrohte Kornrade mit großen rosaroten Blüten blicken. Blauer Wiesensalbei und diverse Steinkleearten in Weiß und Gelb vervollständigen den Eindruck einer Blumenwiese, die es in der Dortmunder Natur von allein kaum geben würde.

Exkursion 2

Am Uferrand entdeckt: junge Bäume.

Baumnachwuchs am Ufer bereitet Naturschützern Sorge

Was aus Sicht der weiteren Entwicklung des Geländes problematisch werden könnte, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, sei die bereits beginnende Besiedlung mit geschwind wachsenden Gehölzen im Uferbereich der Becken, kritisierten die Exkursionsteilnehmer. Silberweiden, Pappeln und Erlen, die wechselfeuchte Böden lieben, wurzeln dort. Diese müssten schnellstens entfernt werden, um eine baldige Verschattung des Uferbereiches zu vermeiden. Bei Pappeln ist deswegen höchste Dringlichkeit geboten, weil es nicht reicht, sie einfach abzuschneiden. Sie treiben aus ihren Wurzeln neu aus. Regelmäßige Pflege sei für den Erhalt der Brut- und Laichplätze nötig, betont Büscher.

Ansehnliches Unkraut von früher: die Kornrade.

Ansehnliches Unkraut von früher: die Kornrade.

Der sonnige Tag lockte etliche Spaziergänger und Radfahrer in das Gelände. Zum wiederholten Male fielen Hundebesitzer auf, die ihre Vierbeiner trotz der Hinweisschilder „Brutgebiet“ fröhlich herumstreunen ließen. Die Mitglieder der Botanik AG wünschen sich mehr Rücksichtnahme und mehr Herz für alle Tiere. Ihr Appell: Nehmt eure Hunde an die Leine!

Größte Stauanlage der Emscherregion liegt in Dortmunds Nordwesten

Das Hochwasserrückhaltebecken ist mit 33 Hektar Fläche und 1,1 Millionen Kubikmetern Volumen die größte Stauanlage der Emscherregion, doppelt so groß wie der Phoenix-See. Noch ist das Projekt nicht ganz fertig. Erst wenn der Abwasserkanal vollendet ist, werden alle Dämme entfernt und eine saubere Emscher sich durch eine Auenlandschaft mit insgesamt drei Wasserflächen schlängeln. Dass diese künstlich geschaffen wurde, kann man dann höchstens noch erahnen.

Ein Teil des Hochwasserrückhaltebeckens.

Ein Teil des Hochwasserrückhaltebeckens.

Kunst spielt dennoch vor allem in diesem Jahr eine Rolle entlang des Flusses. Am 4. Juni wurde die 100 Tage dauernde Ausstellung „Emscherkunst 2016“ eröffnet, zu der auch ein unübersehbar großes Werk im Mengeder/Castroper Raum gehört. Bereits im März wurde die Installation „Wellenbrecher“ von Nevin Aladaĝ entlang der Betriebswege aufgestellt. 60 Stahlbeton-Tetrapoden, jeweils 2,20 Meter breit und lang sowie sechs Tonnen schwer wurden nach Anleitung der Künstlerin platziert und formen ein Riesenobjekt in der Landschaft.

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