„Tag des denk mal offen“

„Werbedes, dein Hosenstall ist offen“

Eine Kolumne von Heinrich Werbedes

Prost Stammtischbrüder!
Bin ja für alles offen. Las neulich in einem kleinen Büchlein, dass die Stadt Dortmund den Tag des offenen Denkmals veranstaltet. Der Stadtbezirk Mengede sei auch involviert. Bei dem, was ich so an verschiedenen Tresen im Umkreis von meinem Heimatort höre, wäre mir ein „Tag des denk mal offen“ lieber gewesen. Nun denn! In der Hoffnung, nach der Abschlussveranstaltung in der evgl. Remigiuskirche beim Heimatverein noch ein köstliches Kaltgetränk zu erwischen, machte ich mich auf den Weg. Mit meiner besseren Hälfte natürlich.

Unterwegs, in Höhe des früheren Burgring, trafen wir meinen alten Kumpel Manni. Manni und ich kennen uns schon seit unserer Schulzeit. „Werbedes, dein Hosenstall ist offen“, begann er das Gespräch. Ich schaute an mir herunter und stellte fest, dass er Recht hatte. Jetzt habe ich ja so meine Macken. Strubbelige Haare, Fluse im Bauchnabel und manchmal vergesse ich meinen Reißverschluss zu schließen. Meine punkige Frisur kommt bestimmt daher, dass ich mich manchmal mit dem Hammer kämme. Warum ich ständig mit einer Fluse im Bauchnabel zu kämpfen habe, ist mir schleierhaft. Besorgte Leser kann ich beruhigen: Ich wasche mich, dusche und bade regelmäßig. Geht ja schließlich auf Weihnachten zu. So`nen alten Stinker will ja niemand unter dem Weihnachtsbaum haben. Obwohl Manni und ich aus einer Zeit stammen, als ein „anständiger“ Mann noch nach Bier und Schweiß roch.

Das mit dem offenen Hosenschlitz ist schon schwieriger zu erklären und mir auch manchmal peinlich. Bin ja kein Typ wie Großkreutz, der es nicht mehr bis zur Toilette schafft, den Schlitz schon vorher öffnet und dann verzweifelt in die Hotellobby pinkelt.

Gott sei Dank hatte ich einen meiner wenigen genialen Momente und erklärte Manni folgendes: „Alter Junge, heut ist Tag des offenen Denkmals. Kann doch wohl, bei drei gezeugten Kindern, meinem Denkmal etwas frische Luft gönnen? Du darfst das natürlich
nicht. Hast dich zwar immer rührend um deine Stiefkinder gekümmert, aber eigene Kinder hast du nicht!“

Der saß. Meine Frau meinte: „Ich geh dann schon mal vor“ und verabschiedete sich.
Manni ist mir sehr selten böse. Gehört wohl auch zu der Klientel, die mich nicht ernst nehmen.

Wir blödelten noch eine Weile herum und nickten stumm und wissend den an uns vorbei gehenden Männern zu. Nur denen mit geöffneter Hose.

Plötzlich tauchte meine Frau wieder auf. Sie saß auf dem Beifahrersitz im Auto meines Sohnes. Wir cancelten den Besuch beim Heimatverein und fuhren zum Haus meines Sohnes. Manni setzten wir an der nächsten Kneipe ab. Ich ging nicht mit, da ich noch etwas historisch Großes plante. Endlich wollte ich meinen Enkelkindern die Lieder und Gedichte meiner Kindheit beibringen.

Überraschenderweise freuten die Kinder sich uns zu sehen. Ich ging mit ihnen ins Kinderzimmer. Hab´ es nicht so gerne, wenn die Eltern und meine Frau bei kulturellen Ereignissen dabei sind. Anfangs wies ich sie darauf hin, dass auf MENGEDE:InTakt!
schon viele lustige Gedichte von Herbert Flönz veröffentlich worden sind.

Dann gab ich das Lieblingsgedicht unseres damaligen Friseurs Ede, den wir Kinder heimlich nur den Zwicker nannten, zum Besten. In entschärfter Form natürlich:
„Der kleine Fritz wollt pinkeln gehn, doch die Klotür war verschlossen,
da sah er eine Leiter stehn und zielte auf die Sprossen.“

Mein Enkelsohn war begeistert. Meine Enkeltochter weniger.

Nun widmeten wir uns weiter dem damaligen Liedgut. Ich erklärte den Kindern, dass wir viele Lieder umgedichtet haben. Der folgende Text ist auf den alten Hank Williams Song „Jambalaya“ zu singen:
„In Peru, in Peru, in den Anden,
fliegt ‘ne Kuh, fliegt ‘ne Kuh, kann nicht landen.
Über Nacht, über Nacht kamen Diebe,
klau´n der Kuh, klau´n der Kuh das Getriebe.“
Refrain: „Jambalaya …..“

Mit diesem Lied konnten beide nicht viel anfangen. Dada-Texte waren wohl nicht ihr Ding.
Hatte aber noch einen großen Pfeil im Köcher. Mein Lieblingsendloskinderlied:
„Scheint die Sonne so warm,
klemm dir Papier untern Arm.
Scheint die Sonne so heiß,
geh inne Ecke und schei—-nt die Sonne so warm, klemm dir Papier usw.“
Die Kinder waren begeistert. Sie sangen sofort mit. Ich hätte Stage-Diving machen können. Beide hätten mich aufgefangen.

Leider betrat kurz darauf meine Schwiegertochter das Kinderzimmer. Na ja, Kultur ist nicht einfach zu vermitteln. Ein Trost blieb mir aber doch. Wie man so aus kulturellen Kreisen hört, soll in einem Kindergarten und einer Schule in Mengede, ein neues Lied der absolute Hit sein.

In diesem Sinne, Prost!

Euer Heinrich Werbedes!

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