Der Wahlsieg von Donald Trump

Und was ist nun?

Für Viele war es eine Überraschung – der Wahlsieg von Donald Trump. Was ist jetzt zu tun? Dazu hat der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow, in dessen Wahlkreis auch der Stadtbezirk Mengede liegt, eine erste Analyse vorgelegt, die wir nachfolgend abdrucken.Wir drucken aber auch einen Beitrag aus der Wochenzeitung “Die Zeit” vom 28.7.2016 ab. In diesem Beitrag mit der Überschrift “Das ist der nächste Präsident” nennt Michael Moore Fünf Gründe, warum Donald Trump gewinnen wird. Und es ist eine Analyse, die mehr erklärt, als die unterschiedlichen Erklärungsversuche des heutigen Tages.
MICHAEL MOORE ist Amerikas bekanntester linker Filmemacher. Für den Dokumentarfilm Bowling for Columbine über einen Amoklauf erhielt er 2004 den Oscar.

Marco Bülow:
Trumpisierung – Die Zeit des kleineren Übels ist vorbei

„Auch wenn der erste Reflex uns Flucht signalisiert, müssen wir genau das Gegenteil tun. Die Antwort ist: ‘Jetzt erst recht. Bekommt endlich den Arsch hoch und kämpft für eure Welt. Aufklärung, Vielfalt, Freiheit, Gleichheit. Egal, wo ihr aktiv werdet, Schluss mit wegducken, ignorieren oder Selbstmitleid’.
Auch wir sind nicht so weit weg von der „Trumpisierung“ der Gesellschaft.

Aber nicht Trump ist das Problem, sondern dass er so viele Menschen gewinnen kann und ihm so wenig entgegengesetzt wird. Trump hat vor allem gewonnen, weil die Menschen die Schnauze voll haben vom Establishment, das keine so maßgeschneidert vertreten hat wie Clinton. Viele Menschen trauen den Politprofis nicht mehr. Dies zeigt sich auch in Europa. Auch hier wächst die Ungleichheit, konzentriert sich die Macht und schmilzt die Mittelschicht.

Als erstes sollten wir uns also auch an die eigene Nase fassen und nicht auf die angeblich so „blöden“ Wählerinnen und Wähler schimpfen. Wer so intransparent Politik macht, wer die Ungleichheit auf solche Höhen treibt und die Chancengleichheit untergräbt, der weckt Ängste und Abneigung. Wenn dann noch die Sitten verrohen und mit einem Medienspektakel der Fokus auf die Populisten und deren Thesen gelegt wird, dann gewinnt nicht mehr unbedingt das kleinere Übel.

Natürlich muss man das Ergebnis differenziert analysieren. Aber wann lernen wir endlich, dass hier der Bauch gewonnen hat? Sanders hätte Bauch und Kopf angesprochen. Das müssen wir auch tun, aber nicht halbherzig. Reden wir Tacheles und handeln auch so. Es müssen wirkliche Alternativen her. Bekämpfen wir extreme Ungleichheit endlich und reparieren nicht nur, brechen wir Lobbyismus und die Machteliten auf und kuscheln nicht mit ihnen. Das geht nur ZUSAMMEN und nicht durch kleinliches Gezanke über Halbsätze. Wir brauchen eine neue soziale Bewegung.“

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Michael Moore:

Das ist der nächste Präsident
Fünf Gründe, warum Donald Trump gewinnen wird

gelesen in:DIE ZEIT Nr. 32/2016 vom 28. Juli 2016

Freunde, es tut mir leid, dass ich derjenige bin, der euch die schlechte Nachricht überbringt, aber ich habe euch schon vergangenen Sommer reinen Wein eingeschenkt, als ich erklärte, dass Donald Trump Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird. Jetzt habe ich noch schlimmere, niederschmetterndere Nachrichten für euch: Donald J. Trump wird im November gewinnen. Dieser jämmerliche, ignorante und gefährliche Teilzeitclown und Vollzeitpsychopath wird unser nächster Präsident werden. Präsident Trump. Na los, sprecht es ruhig einmal laut aus, denn ihr werdet es die nächsten vier Jahre oft genug sagen müssen: “Präsident Trump”.

Stellt euch der Möglichkeit, von der ihr tief im Inneren wisst, dass sie sehr, sehr real ist. Wenn ihr versucht, euch mit tröstlichen Fakten zu beruhigen (“77 Prozent der Wählerschaft sind Frauen, Nichtweiße, Jungwähler unter 35, und bei keiner dieser Gruppen kann Trump eine Mehrheit holen”) oder mit Logik (“Die Menschen werden doch keine Knallcharge wählen”), dann ist das nur die Art und Weise, wie euer Gehirn euch vor einem Trauma bewahren will. Das ist so, als ob ihr einen lauten Knall auf der Straße hört und denkt: “Oh, da ist ein Reifen geplatzt!”, oder: “Wer spielt denn da mit Böllern?” Dass dort möglicherweise gerade jemand erschossen wurde, mögt ihr euch lieber nicht vorstellen.

Tja, Leute, wir reden hier nicht über einen Unfall. Wenn ihr meint, Hillary Clinton wird Trump schon mit Fakten und Cleverness und Logik in die Knie zwingen, dann habt ihr ganz offensichtlich das ganze vergangene Jahr verschlafen, denn diese Methode haben bereits 16 republikanische Kandidaten in 56 Vorwahlen versucht.
Versteht mich bitte nicht falsch: Ich setze große Hoffnung in dieses Land. Die Dinge sind besser geworden. Die Linke hat die Kulturkämpfe gewonnen. Schwule und Lesben können heiraten. Eine Mehrheit der Amerikaner nimmt mittlerweile bei nahezu allen zentralen Fragen eine liberale Haltung ein. Gleiche Bezahlung für Frauen? Check. Abtreibung sollte legal sein? Check. Strengere Umweltschutzgesetze? Check. Strengere Waffengesetze? Check. Marihuana legalisieren? Check. Ein gewaltiger Umschwung hat stattgefunden – fragen Sie nur den Sozialisten, der dieses Jahr in 22 Bundesstaaten gewonnen hat. Und wenn die Menschen von ihrem Sofa aus per Xbox wählen könnten, würde Hillary erdrutschartig gewinnen, davon bin ich überzeugt.

Aber so funktioniert Amerika nicht. Die Menschen müssen das Haus verlassen und sich vor dem Wahllokal in die Schlange einreihen. Und wenn sie in einer armen, schwarzen oder hispanischen Nachbarschaft wohnen, ist ihre Schlange nicht nur länger, es werden sogar Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit sie gar nicht erst ihre Stimme abgeben. Meistens ist es so schon schwierig genug, auch nur 50 Prozent der Menschen an die Wahlurnen zu bringen. Und genau da liegt das Problem im November: Wer wird die am stärksten motivierten Wähler haben, die am stärksten inspirierten? Ihr kennt die Antwort. Wer ist der Kandidat mit den leidenschaftlichsten Anhängern? Wessen verrückte Fans werden am Wahltag morgens um fünf auf den Beinen sein und dafür sorgen, dass bis zum letzten Mann auch ja jeder seine Stimme abgibt? Exakt. Und das ist die große Gefahr, in der wir stecken.

Wenn Sie die fünf Gründe interessieren, weshalb Trump nach Ansicht von Michael Moore gewinnen wird, dann gehen Sie direkt auf den Beitrag vom 28.7.2016:

http://www.zeit.de/2016/32/donald-trump-us-wahl-michael-moore

 

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