TV Mengede: „Anne Tore – sind wir stark!“

Es sind noch dicke Bretter zu bohren

Im Rahmen des Pilotprojektes „Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“ im Land NRW wurde in enger Zusammenarbeit mit dem SSB Dortmund e. V. und dem Landessportbund NRW von und mit der Dortmunder Theaterpädagogin Anja Bechtel das Theaterstück „Anne, Tore – sind wir stark“ entwickelt.

Ein Theaterstück, dass mit Leichtigkeit und typischen Spielszenen Kinder im Alter von 8 -12 Jahren zum Thema „Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt im Sportverein“ sensibilisieren soll. Marion Schaper und Hans-Peter Goerke, die beiden Kinderschutzbeauftragten des TV Mengede, hatten zum 20. März Anja Bechtel und ihr Team nach Mengede eingeladen. Mit der Aufführung des Stücks in der Turnhalle der Jeanette-Wolff-Schule am Mengeder Markt verbanden sie die Hoffnung, möglichst viele Kinder und ihre Eltern ansprechen zu können.

Trotz intensiver Werbung über Tageszeitung, Vereinsmedien, Prospekte und Besuch der Trainingsgruppen war die Resonanz, gemessen an der Mitgliederzahl des TV Mengede  verbesserungswürdig. Vor allem von Seiten der ÜbungsleiterInnen hätte man sich eine intensivere Zuwendung zu diesem wichtigen Thema gewünscht.

Man mag dagegen halten, dass in den vielen vergangenen Jahren im TV Mengede erfreulicher Weise kein Vorfall dieser Art zu verzeichnen war. Glück, Zufall oder auch Nicht-entdeckt-worden-sein? Wie auch immer: Hans-Peter Goerke brachte es in seiner kurzen Eröffnungsrede auf den Punkt: „Wir wollen erreichen, dass kein Kind, das unserem Sportverein anvertraut wird, im Geringsten gefährdet wird. Die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder mit deren Feststellung, „mein Körper gehört mir!“ soll Mut machen, sich sofort zu melden, wenn Grenzüberschreitungen schon im Ansatz zu erkennen sind.“

Um das Thema Grenzverletzungen ging es dann auch in dem Theaterstück, bei dem die Kinder mit roten, gelben und grünen Karten ausgestattet wurden und parallel alle Szenen durch Aufzeigen der nach ihrer Einschätzung passenden Farbe kommentierten: „Rot heißt NEIN, lass das sein“, „Grün heißt JA, das ist doch klar“, Gelb, dann mag ich´s oder nicht, manchmal sagt das mein Gesicht!“

„Anne Tore – sind wir stark!“ Anja Bechtel spielte bezugnehmend auf den Titel in wechselnden Rollen die „Anne“, ihr Partner Hansi den „Tore“. Unterschiedliche Situationen im Sport wurden kinderverständlich präsentiert. Mal war es eine übertrieben berührungsintensive Umarmung bei einer Siegerehrung, mal ein angedeutetes widerliches Grabschen nach dem Schwimmtraining, mal ein Mobbing in der Umkleidekabine. Die Kleinen wussten zielgenau, ihr Kartenwerk einzusetzen.

Zur Aufarbeitung des Gesehenen wurden die Zuschauer in die drei Gruppen Mädchen, Jungen und Erwachsene aufgeteilt. Die Qualität des Vorgetragenen spiegelte sich in der Intensität der “Workshops“ wider. Der Erfahrungsaustausch der anwesenden Eltern war fruchtbar, und es festigte sich der Eindruck, dass Veranstaltungen dieser Art durchaus häufiger stattfinden sollten. Anja Bechtel brachte es auf den Punkt: „Nur wenn wir ständig erinnern, bleibt das Thema aktuell. Wir müssen dicke Bretter bohren!“

Im TV Mengede besteht ebenfalls kein Zweifel, dass der Kinderschutz ein den Sportbetrieb begleitendes Thema bleiben wird. Vorbildlich deshalb auch, dass inzwischen alle Übungsleiter/Innen und sogar die Mitglieder des Vereinsvorstands ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt haben.

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