„Willi, Deine Frau betrügt uns“

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Fußball-Anekdoten mit Ben Redelings

Es war ein Kulturerlebnis der leicht anderen Art. Zu einer Vortragsveranstaltung am 1. März hatte Michael Nau, der Inhaber der Mengeder „Buchhandlung am Amtshaus“, Ben Redelings eingeladen. Der gebürtige Bochumer Redelings hat sich als Autor und Filmemacher zur Aufgabe gemacht, Anekdoten aus dem Bereich des großen Fußball-Business zu sammeln und in Büchern und Vortragsabenden zum Besten zu geben.

Sein neuestes Werk: „ 55 Jahre Bundesliga – Das Jubiläumsbuch – Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten“ hatte er natürlich gleich mit im Gepäck.

Gute Laune war also vorprogrammiert. Die Frage, warum gerade 55 Jahre eine Jubiläumszahl sein soll, kam gar nicht auf. Stattdessen schwärmte Redelings gleich über den von ihm bei der Herfahrt beobachteten Vollmond, der ihn sogleich – na´, an was wohl? – einen Fußball erinnerte. Und zwar an den, den Uli Hoeneß im Elfmeterschießen im 1976er EM-Endspiel im Belgrader Himmel versenkte und damit die Tschechoslowakei zum Europameister machte. Übrigens: Der Ball sei bis heute noch nicht wiedergefunden worden. Er erzählte das so authentisch, als sei er dabei gewesen. Als damals gerade Einjähriger muss er wohl über eine phänomenale Erinnerungsgabe verfügen!

Die Protagonisten seiner Anekdoten sind allseits bekannt. Bewusst beschäftigte er sich im Wesentlichen mit den Akteuren aus dem Ruhrgebiet. So durfte die berühmte Geschichte des Oberhausener Schiedsrichters Wolf-Dieter Ahlenfelder aus dem Jahre 1975 nicht fehlen. Er hatte sich kurz vor dem von ihm zu leitenden Spiel von Werder Bremen gegen Hannover 96 einen fetten Gänsebraten mit Rotkohl einverleibt und musste notgedrungen mit viel Bier die ebenfalls genossenen Malteser-Schnäpse verdünnen. Um die Alkoholfahne zu überdecken, wurde Ahlenfelder, ehe er das Spielfeld betrat, vom Bremer Routinier Host-Dieter Höttges unter eine Dusche gestellt und mit Wick eingerieben. Ziemlich angeschickert pfiff der so präparierte Unparteiische die erste Halbzeit nach bereits 32 Minuten ab.
Erst auf massive Höttges-Proteste („Herr Schiedsrichter, mein Trikot ist noch ganz trocken“) und vehementes Gestikulieren der Linienrichter habe Ahlenfelder die Partie fortgesetzt. Ein „Ahlenfelder“ sei noch heute in jeder Bremer Gaststätte der Name für ein Gedeck aus einem Bier und einem Malteser-Schnaps.

Redelings erinnerte an den fernseh-bekannten Gourmand (franz. für „Vielfraß“) Reiner Calmund , der einmal bei einem Abendessen sage und schreibe 8 Portionen Crème brûlée verputzte und an den weltberühmten Schiedsrichter Walter Eschweiler, der bei der 82er WM in Spanien im Spiel Italien gegen Peru vom Peruaner Velásquez über den Haufen gerannt wurde, dabei einen Zahn verlor aber nach kurzer Ohnmacht mit einem Pfiff sofort weitermachte. Eschweiler nannte den Spieler in späteren Erinnerungen nur noch „Gorilla“. Die Kumpelhaftigkeit Eschweilers sei aber legendär. So habe er sich einmal bei dem Spieler Wilhelm („Ente“) Lippens kurz vor der Ausführung eines Eckstoßes in der Endphase eines Spiels nach dem Wohlergehen dessen Familie erkundet oder ein anderes Mal dem gleichen Akteur zugeraunt: „Willi, Deine Frau betrügt uns!“

Als Bochumer Junge hatte Redelings natürlich auch die Spieler seines VfL auf dem Schirm. Genüsslich sezierte er die Sprüche von Thorsten Legat. Hier eine kleine Auswahl:
Nach Legats Wechsel zum VfB Stuttgart wurde dieser gefragt, ob er auch Spätzle esse. Antwort: Die hab ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel!“
„Wie bist Du zum Bodybuilding gekommen?“ Legat: „Immer die Castroper Straße rauf.“
„Wo hast Du Dir Deine Warze wegmachen lassen?“ „In Gelsenkirchen!“
Typisch auch eine Begebenheit aus dem Wartezimmer des bekannten Münchener Superdocs. Müller-Wohlfahrt. Legat saß verletzt im Wartezimmer, als der bekannte Schauspieler Pierre Brice („Winnetou“) wegen schlimmer Schmerzen in die Praxis kam. Auf die Frage, ob er wegen seines Hexenschusses vorgelassen werde, soll ihm Legat entgegnet haben: “Nee. …….außerdem dachte ich, ein Indianer kennt keinen Schmerz!“

Redelings Anekdoten zu dem als „Eisenfuß“ bekannten und somit härtesten deutschen Abwehrspieler Uli Borowka kamen beim Publikum ebenfalls gut an. Andreas Möller soll sich einmal beim Gang aus den Katakomben des Weserstadions beschwert haben, dass der Weg hinaus zum Rasen so weit sei. Borowka nahm Möller in den Arm, lächelte den Dortmunder liebevoll an und erwiderte: “Keine Sorge, Andy, zurück wirst du getragen!”

Oder eine Begebenheit aus einem Spiel in Leverkusen. Original Borowka: „Beim Spiel in Leverkusen haut mich Ulf Kirsten in der ersten Minute mit Karacho über die Bande. Ich denk, was ist jetzt los und sag zu Ulf: Sag mal, spinnst du? Ich habe doch noch überhaupt nix gemacht?! Da schaut der Ulf mich lächelnd an und meint: Das ist noch fürs letzte Mal, Uli!”

So ging es weiter. Auch viele andere Fußballer bekamen ihr Fett weg. In der eingeplanten Pause hatte die gastgebende Buchhandlung zur Freude der Gäste ein kaltes Bier und leckere Pizzabrötchen kredenzt. Redelings kündigte an, die zweite Halbzeit in Erinnerung an Ahlenfelders Bremer Fauxpas auf exakt 32 Minuten terminieren zu wollen. Das gelang ihm aber dann doch nicht, da ihm bei seiner Plauderei immer noch eine weitere lustige Episode einfiel.

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