Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus: Emschergenossenschaft und Lippeverband gedenken der Opfer des Nationalsozialismus
„Demokratie lebt vom Mitmachen – und als EGLV schaffen wir dafür bewusst Räume: als Arbeitgeber, Verbände und Teil der Region. Unsere Aufgabe ist eine demokratisch geprägte Wasserwirtschaft, die gesellschaftliche Teilhabe fördert, Verantwortung in der Region übernimmt und damit das Vertrauen in demokratische Institutionen nachhaltig stärkt“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband.
Historische Forschungen im Auftrag von EGLV haben gezeigt, dass beide Wasserwirtschaftsverbände Teil des menschenverachtenden nationalsozialistischen Systems waren: Sie entließen Mitarbeitende jüdischen Glaubens oder sozialdemokratischer Überzeugung und beschäftigten über ihre Auftragnehmer*innen indirekt Zwangsarbeiter*innen auf ihren Baustellen. Aus dieser historischen Verantwortung leiten EGLV heute einen klaren Auftrag ab: Demokratie zu fördern – nach innen wie nach außen.
Diese Verantwortung ist heute aktueller denn je. Das Ruhrgebiet steht vor sozialen und ökonomischen Herausforderungen: überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, geringere Bildungschancen und eine vielerorts defizitäre Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund sinkt das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Wahlergebnisse zeigen, dass insbesondere in strukturell benachteiligten Städten etablierte Parteien an Zustimmung verlieren, während extreme Kräfte erstarken. In diesem Spannungsfeld verstehen EGLV ihre Rolle nicht nur als Dienstleister, sondern auch als aktiver Teil der demokratischen Zivilgesellschaft.
Demokratieförderung auf mehreren Ebenen – intern wie extern
Demokratieförderung ist dabei auf mehreren Ebenen verankert. Intern soll der Fokus auf der Sensibilisierung und Beteiligung der Beschäftigten liegen. Zum Beispiel gehören kurzfristige Maßnahmen dazu wie Mini-Umfragen zur Einübung demokratischer Prozesse im Arbeitsalltag oder die Integration demokratischer Inhalte in bestehende Weiterbildungsangebote. Mittelfristig sollen Schulungsformate zu Mitbestimmung und Antidiskriminierung etabliert werden.
Extern setzen EGLV auf gelebte Partizipation und Transparenz. Bürger*innen, Mitglieder und Partner sollen aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. So entsteht eine Verantwortungsgemeinschaft, die Hand in Hand mit der Zivilgesellschaft und allen demokratischen Akteuren die Region gestaltet. Projekte wie die Mitgestaltung der Blauen Klassenzimmer bieten Bürger*innen die Möglichkeit, sich direkt einzubringen und basisdemokratische Werte praktisch zu erfahren. Gleichzeitig werden Projektleiter*innen geschult, um Beteiligungsprozesse systematisch in ihren Vorhaben zu verankern. Kooperationen mit Schulen und Hochschulen tragen dazu bei, junge Menschen für demokratische Prozesse und Themen der Wasserwirtschaft zu sensibilisieren.
Emschergenossenschaft und Lippeverband
Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) sind öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen, die als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip leben. Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 2.000 Beschäftigte und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken (rund 782 Kilometer Wasserläufe, rund 1533 Kilometer Abwasserkanäle, mehr als 500 Pumpwerke und 59 Kläranlagen).
