Mit den Emscher-Guides das blaugrüne Leben erkunden

Geführte Touren zu besonderen Emscher-Orten sind nun buchbar

Emscher-Auen in Castrop-Rauxel/Dortmund
© Rupert Oberhäuser/EGLV

Gemeinsam mit mehreren Volkshochschulen hat die Emschergenossenschaft in speziellen Zertifikats-Lehrgängen Botschafterinnen und Botschafter des neuen blaugrünen Lebens an der Emscher ausgebildet. Die „Emscher-Guides“ zeigen nun auf geführten Touren, was es mittlerweile alles an dem einst offenen Schmutzwasserlauf zu erleben gibt: Zu Fuß erkunden die Teilnehmenden die

Renaturierungsprojekte entlang der Emscher und erfahren mehr über die Geschichte des Flusses und wie Hochwasserschutz, Artenvielfalt und Bildungsangebote mit naturnahen Erholungsmöglichkeiten von der Emschergenossenschaft und ihren Partnern in Einklang miteinander gebracht werden. Die Touren können ab sofort gebucht werden – sie dauern etwa 90 Minuten und finden an folgenden Standorten statt: am Phoenix See (Dortmund-Hörde), an den Emscher-Auen (Dortmund-Mengede/Castrop-Rauxel-Ickern), im Natur- und Wasser-Erlebnis-Park „Emscherland“ (Castrop-Rauxel/Recklinghausen) und an der neuen Emscher-Mündung in den Rhein (Dinslaken/Voerde).

Die Touren mit den Emscher-Guides sind für Gruppen von 10 bis 25 Personen über den Besucher*innen-Service der Emschergenossenschaft buchbar – möglich ist dies auf www.eglv.de/besucherbetreuung. Zusätzlich gibt es an ausgewählten Terminen Führungen mit den Emscher-Guides an der Emscher-Mündung und im Natur- und Wasser-Erlebnis-Park „Emscherland“ für Einzelpersonen. Die Anmeldung hierfür erfolgt direkt über die jeweiligen Tourismusbüros: Die Tour „Die neue Emscher-Mündung entdecken“ kann über das Tourismusbüro Dinslaken (www.dinslaken.de/wirtschaft-freizeit/tourismus/stadtfuehrungen/natur-pur) angefragt werden, die Tour „Blaugrünes Emscherland: vom Emscher-Umbau zum Natur- und Wasser-Erlebnis-Park“ über das Tourismusbüro Recklinghausen (www.recklinghausen-tourismus.de/stadtfuehrungen – ab Ende April 2026).

Der Phoenix See (Dortmund)
Der Bau des 24 Hektar großen Phoenix Sees auf dem Gelände eines abgebauten Stahlwerks in Dortmund-Hörde ist maßgeblich durch den Umbau der Emscher inspiriert worden. Der See hat ein Fassungsvermögen von 600.000 Kubikmetern und dient der Emscher als Hochwasserrückhaltebecken. Im Extremwetterfall kann er zusätzliches Wasser aufnehmen und somit insgesamt rund 840.000 Kubikmeter fassen. Dadurch schützt er die flussabwärts liegende Wohn- und Gewerbebebauung am Ufer der Emscher vor Hochwasser. Die Emscher floss über 150 Jahre lang unterirdisch verrohrt unter dem ehemaligen Stahlwerk. Erst im Zuge des Emscher-Umbaus wurde das Gewässer wieder offengelegt. Die neue Trasse nördlich des Sees wurde 2009 geflutet und anschließend ökologisch entwickelt. Am Ufer der Emscher am Phoenix See wird heute sogar wieder Wein angebaut – als Symbol der neuen Lebens und Aufenthaltsqualität an der einstigen „Köttelbecke“.

Die Emscher-Auen (Dortmund und Castrop-Rauxel)
Die idyllisch anmutenden Emscher-Auen sind wie der Phoenix See ein Hochwasserrückhaltebecken der Emschergenossenschaft und umfassen eine Fläche von 33 Hektar. Das entspricht der Größe von 46 Fußballfeldern. In Dortmund-Mengede und Castrop-Rauxel-Ickern gelegen, also im Osten der Emscher-Region, erzielt das Becken auch im Westen einen erheblichen Effekt. Denn das Prinzip dabei ist: Was in Quellnähe an Wasser zurückgehalten werden kann, kommt erst gar nicht an der Mündung an – kann dort also nicht für Überflutungen sorgen. 1,1 Millionen Kubikmeter Fassungsvolumen besitzen die Emscher-Auen. Sie können im Hochwasserfall den Inhalt von sieben Millionen Badewannen aufnehmen. Das Areal rund um die Emscher-Auen ist ein bei Tourist*innen beliebter Ort. Der Hof Emscher-Auen mit seinem Café lädt zum Rasten und Verweilen ein. Sogar übernachtet werden kann an den Emscher-Auen – und das in Kanalrohren (!) in „dasparkhotel_inside-outsite“ (www.dasparkhotel.net).

Natur- und Wasser-Erlebnis-Park „Emscherland“ (Castrop-Rauxel und Recklinghausen)
An der Stadtgrenze zwischen Castrop-Rauxel und Recklinghausen ist eine blaugrüne Oase mitten im Revier entstanden: Hier hat die Emschergenossenschaft gemeinsam mit den beteiligten Kommunen (neben Castrop-Rauxel und Recklinghausen auch Herne und Herten) und dem Regionalverband Ruhr (RVR) im Rahmen des Emscher-Umbaus das Projekt „Emscherland“ umgesetzt. Zu den darin enthaltenen Projektbausteinen gehören unter anderem der Natur- und Wasser-Erlebnis-Park, die Emscher-Promenade und ein Blaues Klassenzimmer. Gefördert wurden diese Maßnahmen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Ebenfalls zum „Emscherland“ gehört der Bau der Brücke „Sprung über die Emscher“, der im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ vom Bundesbauministerium gefördert wurde. Das wasserwirtschaftliche Highlight im Natur- und Wasser-Erlebnis-Park ist die renaturierte Emscher, die hier naturnah mäandern darf.

Die neue Emscher-Mündung (Dinslaken und Voerde)
Einst floss die Emscher schnurgerade und in einem Korsett aus Steinplatten gefangen in Richtung des nahezu monumentalen Absturzbauwerks, über das sich der zentrale Fluss des Ruhrgebietes in den Rhein ergoss. Das gehört heute der Vergangenheit an! Nachdem die Emschergenossenschaft bereits im November 2022 die neue, um rund 500 Meter nach Norden verlegte Mündung der Emscher in den Rhein einweihen konnte, sind im Sommer 2025 auch die letzten Arbeiten an der neuen Aue abgeschlossen worden. Das Großprojekt, bei dem der Wasserwirtschaftsverband rund 85 Millionen Euro in die Verbesserung des Hochwasserschutzes und die Förderung der Artenvielfalt investierte, beinhaltete nicht nur die Verlegung der Mündung – vielmehr ist ein komplett neues, blaugrünes Emscher-Delta entstanden. Ein Natur-Idyll, das längst im umfangreichen Maße zur Wiederbesiedelung der Emscher mit Fischen aus dem Rhein beigetragen hat.

Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de