Aktuelle Projekte zeigen den Fortschritt bei Hochwasserschutz und Gewässerumbau
„Ein wirksamer Hochwasserschutz ist für unsere Region von zentraler Bedeutung – er schützt Menschen, Infrastruktur und damit auch die Lebensqualität in der gesamten Region. Gerade in einer dicht besiedelten Industrieregion wie dem Emscher-Gebiet sind vorausschauende Maßnahmen dringend geboten, um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Mit Blick auf die zunehmenden Extremwetterereignisse gewinnen Investitionen in den Hochwasserschutz und in die ökologische Verbesserung der Gewässer zusätzlich an Bedeutung“, sagt Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Genossenschaftsrates der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Herne.
Der Genossenschaftsrat der Emschergenossenschaft ist das Aufsichtsgremium des Wasserwirtschaftsverbandes und wird alle fünf Jahre von den Mitgliedern demokratisch gewählt. Er setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedskommunen sowie weiterer institutioneller Mitglieder zusammen.
Ertüchtigung der Emscher-Deiche
Mit dem Deichertüchtigungsprogramm der Emschergenossenschaft ist nach dem Emscher-Umbau ein weiteres Generationenprojekt an den Start gegangen. Als Auftakt des Programmes erfolgte in diesem Frühjahr der Baustart in Oberhausen-Eisenheim. Dieser erste Abschnitt gilt als Pilotprojekt für die folgenden Abschnitte entlang der Emscher. Auf Höhe des Gasometers wird der Deich aktuell auf einer Länge von 300 Metern saniert, um diesen auch zukünftig widerstandsfähig zu machen.
Die Notwendigkeit für die Sanierung eines Deichabschnittes bestimmen vor allem das fortschreitende Alter der Emscher-Deiche sowie zunehmende Extremwetterereignisse, denen die Emschergenossenschaft mit einer Erhöhung der Anlagen um einen Klimawandelfolgenzuschlag von 20 Zentimetern präventiv begegnet. Voraussichtlich werden die Arbeiten in Oberhausen-Eisenheim Ende 2027 abgeschlossen. Das Gesamtvorhaben ist Teil der „Roadmap Krisenhochwasser“, mit der Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) den Hochwasserschutz in der Region weiter verbessern wollen.
Renaturierung des Hörder Bachs
Gemeinsam mit der Stadt Dortmund arbeitet die Emschergenossenschaft darüber hinaus aktuell an der ökologischen Verbesserung des letzten, zirka 600 Meter langen Abschnitts des Hörder Bachs in Dortmund-Hörde. Hier werden bis Ende dieses Jahres Betonsohlschalen zurückgebaut und naturnahe Ufer hergestellt. Sowohl der Hörder Bach als auch der städtische Marksbach – dieser ist ebenfalls mit einem kleinen Abschnitt Teil der ökologischen Verbesserung – werden damit an das bereits renaturierte Emscher-System „angeschlossen“. Rund 850.000 Euro investieren Emschergenossenschaft und die Stadt Dortmund in das Gesamtprojekt der blaugrünen Bachrevitalisierung. 70 Prozent der Kosten trägt die Emschergenossenschaft, die Stadt Dortmund übernimmt 30 Prozent. Im Rahmen der Förderrichtlinie „Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie“ durch das Land Nordrhein-Westfalen erhält die Emschergenossenschaft für ihren Anteil eine 70-prozentige Förderung, die Stadt Dortmund erhält 80 Prozent Förderung.
Ökologische Verbesserung der Aspelflötte
In Bottrop laufen derweil die Arbeiten zur ökologischen Verbesserung der Aspelflötte. Diese sind ein Teilprojekt des interkommunalen Stadtentwicklungsprojektes „Freiheit Emscher“. Auf einer Länge von zirka 930 Metern wird das Gewässer im aktuellen Bestand von Betonsohlschalen befreit und naturnah umgestaltet, während es auf einer Länge von insgesamt zirka 1265 Metern komplett neu angelegt und modelliert wird. Insgesamt investiert der Wasserwirtschaftsverband 24,1 Millionen Euro in das Projekt, davon gefördert werden zirka 16,3 Millionen Euro aus dem Just Transition Fonds (JTF) des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union. Die Stadt Bottrop und die RAG beteiligen sich mit einem Eigenanteil von jeweils rund 2,7 Millionen Euro, die Emschergenossenschaft übernimmt rund 2,4 Millionen Euro.
Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de
