Verband Region Stuttgart zu Gast bei der Emschergenossenschaft
Klimaresiliente Stadtentwicklung und Hochwasserschutz gehen bei der Emschergenossenschaft Hand in Hand, wie Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft) und Andreas Giga (Leiter der Zukunftsinitiative Klima.Werk bei der Emschergenossenschaft) beispielhaft an der ersten Station der Exkursion erläuterten: Der Phoenix See in Dortmund-Hörde ist das wohl schönste und dennoch unbekannteste Hochwasserrückhaltebecken in der Emscher-Region – es schützt einen ganzen Stadtteil vor Hochwasser.
Nach einer kurzen Einführung in die Historie der Emscher und ihrer Transformation von einer „Köttelbecke“ zum abwasserfreien und naturnahen Fluss informierte die Emschergenossenschaft bei einem Rundgang über die gemeinsam mit der Stadt Dortmund erfolgte Planung und Umsetzung des Phoenix Sees. Das Gelände ist stark von seiner Vergangenheit geprägt: Wo heute die Seelandschaft begeistert, befand sich noch vor wenigen Jahrzehnten ein Stahlwerk. Gemeinsam entwickelten die Stadt Dortmund und die Emschergenossenschaft für diese Fläche eine blaugrüne Vision, die mit der Flutung des ausgehobenen Seegeländes im Jahr 2010 ihren Höhepunkt erlebte.
Darüber hinaus war das Genossenschaftsprinzip des Wasserwirtschaftsverbandes Thema des Austauschs: Als selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts wird die Emschergenossenschaft von ihren Mitgliedern getragen und finanziert, die über Versammlungen und Verbandsräte demokratisch an Entscheidungen mitwirken. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Wasserwirtschaft weit über Abwasserreinigung und Flussbewirtschaftung hinausgeht: Am Phoenix See ist ein Ort entstanden, der eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität mit Hochwasserschutz sowie der Förderung von Artenvielfalt und Gesundheit verbindet.
Zweite Station: Weiteres Vorzeigeprojekt an der Emscher
Mit dem zweiten Stopp der Exkursion, dem Natur- und Wasser-Erlebnis-Park „Emscherland“ an der Stadtgrenze zwischen Castrop-Rauxel und Recklinghausen, besuchte der Verband Region Stuttgart ein weiteres Vorzeigeprojekt von Emschergenossenschaft, Kommunen (Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne und Herten) und dem Regionalverband Ruhr. Auch der Park bringt Wasserwirtschaft, Naherholung und ökologische Aufwertung auf beispielhafte Weise zusammen: von der mäandrierenden Emscher über einen Weinberg und den Emscher-Strand bis hin zur Emscher-Promenade. Gefördert wurden diese Maßnahmen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des NRW-Umweltministeriums. Als zentraler Erfolgsfaktor gilt der gemeinschaftliche Ansatz des Projektes. Eine großflächige blaugrüne Oase mitten im Ruhrgebiet kann nur durch enge Zusammenarbeit gelingen: fachbereichs- und städteübergreifend sowie unter aktiver Beteiligung der Bürger*innen der Region.
Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de
