Pilotprojekt verbessert die Sicherheit auf dem Schulweg in Brackel

Für Autofahrer*innen ist die Ampel im Normalfall Rot – aber in der Praxis entstehen keine langen Wartezeiten, weil Grünlicht bereits 75 Meter vor der Ampel angefordert wird.
© Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Jeden Morgen um kurz vor 8 Uhr wird es drubbelig an der Oesterstraße: Dann reisen die Schüler*innen der Geschwister-Scholl-Gesamtschule an, viele Kinder der nahe gelegenen Erich-Kästner-Schule kommen zu Fuß oder mit dem Bus, und auch die Minis der FABIDO-Kita an der Oesterstraße werden von ihren Eltern gebracht. Nach Schulschluss oder wenn im Hallenbad oder beim SV Brackel Veranstaltungen stattfinden, ist dort auch immer viel los. Für das Tiefbauamt eignet sich die Ampel an der Oesterstraße daher perfekt für ein Pilotprojekt, das die Sicherheit von Fußgänger*innen erhöhen soll.
„Ab jetzt zeigt die Ampel im Normalzustand Grün für Fußgänger und Rot für Autofahrer. Normalerweise ist es genau umgekehrt. Hier drehen wir das Prinzip um, damit es vor allem die Kinder im Straßenverkehr leichter haben“, erklärt Hendrik Seiffert von der Verkehrstechnik im Tiefbauamt. „Den Standort haben wir bewusst gewählt, eine ganze Reihe von Kriterien musste stimmen. An der Oesterstraße kommt zusammen, dass die baulichen Voraussetzungen stimmen, es gilt Tempo 30 und viele Kinder sind hier unterwegs.“
Autofahrer müssen nichts aktiv tun. Die Fahrzeuge werden mithilfe von Kameras rund 75 Meter vor der Ampel detektiert, Grün wird automatisch angefordert. „75 Meter klingen nach einer langen Strecke – die ist aber wichtig, damit bei Tempo 30 der Verkehr nicht unnötig ausgebremst wird“, so Seiffert. Für Fahrzeuge, die zum Beispiel vom Hallenbad-Parkplatz ausfahren, gibt es eine zweite Detektion an der Haltelinie. So fällt niemand durchs Raster – natürlich auch die Radfahrenden nicht, die mithilfe einer Wärmebildkamera erkannt werden.
Die neue Technik soll konkret vermeiden, dass Fußgänger*innen über Rot laufen und sich und andere in Gefahr bringen – zum Beispiel, weil gerade der Bus einfährt oder die Schulglocke schon läutet. Es handelt sich um ein Pilotprojekt
Pulk-Erkennung an der Weingartenschule am See
Die smarte Ampeltechnik in Brackel ist nicht das erste Pilotprojekt: Seit einigen Wochen ist die Ampel an der Weingartenschule in Hörde mit einer so genannten Pulk-Erkennung ausgestattet. Zwei Kameras erkennen dort mithilfe künstlicher Intelligenz sich nähernde Fußgängergruppen und lösen automatisch ein Grünsignal aus. Kommen noch weitere Fußgänger*innen hinzu, verlängert die Ampel die Grünphase bis zu einem bestimmten Zeitfenster. So können alle entspannt die Straße queren, und die Wartezeiten für die Kinder verringern sich deutlich. Zusätzlich wird es nicht mehr so eng auf dem Gehweg.
Und auch sonst setzt Dortmund auf schlaue Technik: An vielen Standorten im Stadtgebiet gibt es die so genannte Radverkehrsbeschleunigung. Die Ampeln fordern automatisch Grün für Radfahrerinnen und Radfahrer an, sodass diese im Idealfall nicht an der Ampel halten müssen.