Geschichten aus dem Rosendschungel

Ein Bericht für Gartenfreunde und für solche, die es noch werden wollen.

 

Im Rosendschungel

Im Rosendschungel gibt es keine Königin…

Die Hundertblättrige, die Weltrose und eine falsche Kriegsheldin
Der Sommer startet im Garten immer mit einem Paukenschlag: Neben den Rosen blühen im Juni andere Sträucher und Bäume. Ausdauernde Stauden, dazu ein- und zweijähriges Kraut beginnen, ihre Farbfeuer anzuzünden. Dass der Himmel in den letzten Tagen das Gießen so großzügig übernahm, bekommt leider auch unwillkommenen Gartengästen wie Brennessel, Giersch und Zaunwinde. So wie in diesem beinahe zum Dschungel mutierten Stückchen Grün in Bodelschwingh.

Die dicken bonbonrosa Blütenbälle, die in Büscheln an bestachelten Zweigen sitzen, gehören seit Ende des 16. Jahrhunderts zum bevorzugten Garteninventar. Es sind Zentifolien, „hundertblättrige“ Rosen, eine Kreuzung, die damals in Holland aus drei Wildrosenarten und der bereits seit der Antike gezüchteten Damaszenerrose entstand. Sehen aus wie gemalt, nicht wahr? Der Eindruck liegt nahe. Kaum hatten die Niederländer es geschafft, diesen Typ zu kreieren, entdeckten die sehr erfolgreichen Maler des Landes ihn als Modell für ihre Stillleben.

Parfüm-Lieferantin

Parfüm-Lieferantin aus dem Bauerngarten: Die Hundertblättrige.

Darum heißen die Zentifolien auch „Malerrosen“. Der dritte Name lautet „Kohlrose“. Nicht zu leugnen, die Ähnlichkeit mit einem Rotkohlkopf. Der Duft ist allerdings nicht zu vergleichen. Zentifolien liefern bis heute den Rohstoff für die Parfümherstellung. Man könnte sogar Konfitüre aus den Blütenblättern machen, was allerdings mühselig sein soll.

Malermodell ähnelt einem Kohlkopf mit Parfümduft
Die äußerst robusten, kaum krankheitsanfälligen Hundertblättrigen, die man sogar aus Stecklingen vermehren kann und die eher zum Wuchern als zum Mickern neigen, fanden sehr früh den Weg in ländliche Gärten und waren im 19. Jahrhundert in vielen Bauerngärten zu finden. Eine zeitgenössische Bestsellerautorin, Eugenie Marlitt, beschreibt sie als Begleiterin für Kohl und Porree. Zu ihrer Zeit hatte man bereits mehrfach blühende Sorten gezüchtet, die im herrschaftlichen Ziergarten ihren Platz hatten. Die sonnenhungrige Zentifolie, wie auch andere historische Rosen, feiert ihr Blütenfest nur einmal im Jahr, jetzt, im Juni. Ein weiterer Nachteil sei nicht verschwiegen: ihre Schönheit leidet sehr unter heftigem Regen.

New Dawn

New Dawn – die Morgendämmerung: Edle Optik, aber Vorsicht!

Da hält sich eine andere Vertreterin der Gattung, seit 1930 im Handel, weit besser: Es ist die kletternde ‘New Dawn’ (Morgendämmerung), eine auf einer anderen Kultursorte entstandene Mutation, die sogar schattigere Plätze erträgt. Sie hat elegante, duftende Edelrosenblüten, die wie aus Porzellan modelliert aussehen, wird bis zu drei Meter hoch und blüht mehrfach im Jahr. In Bodelschwingh schenkte sie ihren Besitzern in den letzten Jahren sogar zu Weihnachten noch ein paar Röschen. Auch diese Sorte ist ebenso unverwüstlich wie hübsch anzusehen. Ein Aber gibt es: „Keine Rose ohne … Stacheln!“ So heißen sie nämlich, botanisch korrekt, die verletzungsträchtigen Waffen an den kräftigen Stielen der „Morgendämmerung“ (Dornröschen ist halt nur ein Märchen). Da dies aber das einzig Unangenehme an ihr ist, wurde sie zur „Weltrose“ gekürt.

Eine „Ente“ machte die hübsche Ghislaine zum Star
Auch die dritte Rosenzüchtung, die im Bodelschwingher Vorgarten zu Hause ist, gehört zur Prominenz der beliebten Gattung. Sie heißt ‘Ghislaine de Féligonde’, ist ebenfalls eine öfterblühende Kletterrose, stammt, was bei dem Namen nicht überrascht, aus Frankreich und wurde dort 1916 erstmals gezeigt. Im Gegensatz zur Vorgängerin hat sie kaum Stacheln. Ihre Blüten sind ungeheuer zahlreich, klein, gefüllt, duften und wechseln von der Knospe bis zum Verblühen gern die Farbe, von Gelb zu Lachs oder Apricot und schließlich Weiß. Auch sie verträgt etwas Halbschatten.

Ghislaine

Ghislaine: falscher Ruhm und verdientes Lob.

Was sie wirklich berühmt macht, ist die Geschichte ihrer Namensgeberin. Madame de Féligonde sei eine Heldin des Ersten Weltkriegs gewesen, so wird erzählt. Als ihr Mann verwundet zwischen den feindlichen Linien lag, sei sie zu ihm geeilt und habe ihn gerettet. Bevor jetzt Taschentücher rausgekramt werden: Die Geschichte ist falsch. In der Tat wurde ein Monsieur de Féligonde im Ersten Weltkrieg verwundet. Ja, er wurde auch gerettet. Aber auf keinen Fall von Ghislaine. Die war nämlich seine Tochter und noch ein Kleinkind, als die Rose benannt wurde. Die rührende Story hat jedenfalls den Bekanntheitsgrad der Sorte gesteigert,was kein Schaden ist, da sie viele gute Eigenschaften hat.

Selbst im Schatten sind Blütenwunder möglich
Außer der meist „Königin“ genannten Rose spielen viele andere Gattungen ihre Rollen im Gartenschauspiel. Und die sind genau so wichtig, wie in einer Republik nicht anders zu erwarten.

Polsterglockenblume

Polsterglockenblume vom Balkan wächst in Sonne und Schatten.

Die niedrigen Glockenblumen in Blauviolett, Hellblau, Weiß oder Rosa stammen vom Balkan. Es sind Stauden, also ausdauernde Gewächse, die jetzt ihre Hauptblüte haben. Aber auch diese flach wachsenden Polster schmücken sich mehrmals im Jahr, selbst im Schatten, bis in den November, mit Glöckchen. Diese sind genauso essbar wie Rosenblüten. Sie säen sich gern überall aus, vor allem an Wegrändern und in Steinfugen. Da, wo sie stören, sind sie schnell ausgezogen.

Ähnliche Eigenschaften außer essbaren Blüten hat auch der gelbe Scheinlerchensporn, von dem es noch eine weiße Unterart gibt. Sie zählen zu den am längsten blühenden Stauden in unseren Breiten.

Scheinlerchensporn

Scheinlerchensporn: Blüht und blüht und blüht…

Das kann schon im April losgehen und dauert bis in den November.

Färberkamille

Färberkamille: Blüht mehr als einen Sommer lang.

Die gelbe Färberkamille zeigt ihre Körbchen den ganzen Sommer über. Sie braucht allerdings einen Platz an der Sonne.

Die zarten weißen Dolden mit den einzelnen, größeren (Schein-)Blüten an einem Birkenstumpf gehören übrigens zu einer Hortensie, die klettert. Und das gern an den Stämmen größerer Bäume oder kahler Mauern an schattigen Plätzen. Ist nichts zum Klettern da, kriecht der Strauch mit seinen vielen Haftwurzeln über den Boden.

Kletterhortensie

Kletterhortensie für senk- und waagerechte Flächen im Schatten.

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