Gedicht der Woche

 Dem Löwenzahn zum Ruhme

von Heinz Kahlau*

Dem Löwenzahn zum Ruhme
Gibt es die Pusteblume.
Die Pusteblume ist sein Kind.
Wenn ihr nicht pustet,
Kommt der Wind.

Und pustet ihre Sterne.
Sie fliegen in die Ferne,
Und wo sie landen, seht’s euch an
Da wächst ein neuer Löwenzahn**.

*Heinz Kahlau (1931 bis 2012) studierte von 1953 bis 1956 an der Berliner Akademie der Künste, wo er unter anderem als Meisterschüler Bertolt Brechts unterrichtet wurde. Ab 1956 arbeitete er freischaffend. Er veröffentlichte Lyrik, Prosa und Lieder und war auch als Drehbuchautor tätig. Von 1970 bis 1980 leitete er als Präsident die P.E.N.-Sektion der DDR. Weiterhin engagierte er sich im Schriftstellerverband der DDR und arbeitete mit der Rockgruppe Karat zusammen. Er schrieb Agitprop-Lyrik im Sinne des DDR-Regimes, aber auch kritische Kommentare und sehnsuchtsvolle Liebesgedichte. Nach der Wiedervereinigung war er Mitglied der PDS und der Partei „Die Linke“.
**Während unser deutscher Name „Löwenzahn“ sich an den gezackten Blättern orientiert, haben die Franzosen den Namen aus seiner Wirkungsweise abgeleitet. Dort heisst er wegen seiner harntreibenden Wirkung ganz unverblümt „le pissenlit“, „der Bettpisser“.
Fotos: Diethelm Textoris
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