Modellprojekt schafft Arbeitsplätze und sorgt zugleich für eine lebenswerte Umwelt

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Am Dortmund-Ems-Kanal – und anderswo – soll es wieder schöner werden

Wer in letzter Zeit am Dortmund-Ems-Kanal entlang – zu Fuß oder per Fahrrad – unterwegs war, dem wird aufgefallen sein, dass die Uferböschungen, die Aufenthaltsplätze sowie die Rad- und Fußwege einen ausgesprochen gepflegten Eindruck hinterließen. Das war nicht immer so.Noch im letzten Sommer machte Anja Hubert – Mitglied der Mengeder Bezirksvertretung – ihrem Ärger auf MENGEDE:InTakt! Luft. Als Groppenbrucherin geht sie regelmäßig am Kanal spazieren und ärgerte sich: „Am Abend eines Sommertages sieht es hier fürchterlich aus. Man sollte meinen: Was ich dort hinbringe, nehme ich  auch wieder mit – ist doch ganz einfach! Das schaffen viele aber nicht, sie sammeln den Müll zwar ein, hängen die Mülltüte dann aber in einen Baum (wieso?), manche lassen aber gleich alles liegen (weil sie noch mal wiederkommen, oder was ist der Grund?). Ich kann es nicht verstehen.“   

Das wird manch einer/m ähnlich gegangen sein. Seit einiger Zeit jedoch besteht keine Grund zur Klage – zumindest was die Sauberkeit des Kanalgeländes anbetrifft. Denn seit Beginn der Badesaison am Kanal gibt es ein Team, das von montags bis freitags auf der Strecke von Deusen bis zur Stadtgrenze nach Waltrop – die beginnt kurz hinter der Brücke Königsheide – dafür sorgt, dass die Hinterlassenschaften der Badegäste weggeräumt werden.

Die Sauberhaltung der Kanalflächen erfolgt im Rahmen eines Förderprojektes für langzeitarbeitslose Menschen. Für Dortmund sind vom Land NRW 6,9 Mio. € für dieses Projekt bewilligt worden, das sind 80% der Gesamtkosten. Das Projekt ist zunächst einmal auf 18 Monate begrenzt. Inzwischen haben 42 MitarbeiterInnen eine Anstellung gefunden.

Das Modellprojekt mit dem Namen „Ästhetische Wildkrautbekämpfung in Dortmund“ wurde am 22.03.2018 durch den Rat der Stadt Dortmund auf den Weg gebracht. Zwischen Stadt und der DOLOG (Dortmunder Logistik- und Objektbaugesellschaft) wurde eine entsprechende Projektvereinbarung abgeschlossen, die die Grundlage für die Durchführung des Projektes bildet.

Die insgesamt 42 Mitarbeiterinnen sind natürlich nicht alle am Kanal tätig. Vielmehr sorgen sie im gesamten Dortmunder Stadtgebiet auf Straßen, Bürgersteigen und Plätzen dafür, dass Unkraut, kleine Büsche, u.a. entfernt werden. Wer in letzter Zeit aufmerksam durch den Stadtbezirk gegangen ist, wird an verschiedenen Stellen eines dieser Arbeitsteams in Aktion gesehen haben.

v.l.n.r:Betriebsrat Ertan Yildrim, Mitglied des Aufsichtsrates der Hafen AG Dirk Gossmann, Betriebsleiter der Dolog Thomas Steffen, Ratsvertreter Torsten Heymann.

Für Torsten Heymann, der als Mitglied der SPD-Ratsfraktion im Ausschuss für Wirtschafts-, Beschäftigungsförderung, Europa, Wissenschaft und Forschung das Vorhaben mit auf den Weg gebracht hat, ist das Modellprojekt „bereits nach der bisherigen kurzen Laufzeit ein Erfolg. Die Arbeit der verschiedenen Teams stößt bei der Bevölkerung auf große Zustimmung“.
Und natürlich, so wird man hinzufügen können, bekommen 42 Menschen erst einmal für 18 Monate eine Arbeit, in der sie sich hoffentlich weiterqualifizieren und ihre Chance nach einer Festanstellung erhöhen können.

Die Ergebnisse des Teams für den Dortmund-Emskanal am Montagmorgen können sich sehen lassen. Der übliche Unrat von Grillveranstaltungen wurde eingesammelt: Verpackungsmüll, Essensreste, Plastik- und Glasflaschen; dazu – was nicht alle Tage anfällt: ein Satz Autoreifen und drei Einkaufswagen.

Fette Beute – Es hat sich gelohnt!

Am Ende eines solchen Berichtes werden der/m ein oder anderen Gedanken durch den Kopf gehen, möglicherweise die folgenden:

  • Es gab mal Zeiten, da bestand die öffentliche Daseinsvorsorge auch in der Erledigung solch einfacher Arbeiten. Mit den Ideen vom schlanken Staat und zusätzlich dem Streben nach der „Schwarzen Null“ wurden massiv Stellen auf allen staatlichen Ebenen eingespart. Die Ergebnisse sind bekannt: Bezogen auf das vorliegende Problem ist ein latentes Verkommen des öffentlichen Raums festzustellen.
  • Was passiert nach 18 Monaten mit den 42 Menschen? Gibt es eine Anschlussfinanzierung bzw. werden die MitarbeiterInnen der Teams in feste Anstellungen übernommen?
  • Muss man sich an den Gedanken gewöhnen, dass es immer mehr Menschen gibt, die ihren Müll auf öffentlichen Plätzen ablegen oder liegenlassen? Das fängt an mit dem Wegwerfen von Zigarettenkippen und endet mit dem Ablegen von Autoteilen und Möbelstücken in der Natur?
  • Schlimm genug diese Vorstellung, aber wir sollten uns nicht von wesentlich schlimmeren   Vergehen ablenken lassen. Schlimmer als die im Beitrag beschriebene Sorglosigkeit einiger Dreckfinken ist die Tatsache, dass die Bosse der Automobilunternehmen durch ihre betrügerischen Manipulationen der Abgassoftware die Umwelt verpestet und den Tod tausender vom Mitmenschen verursacht haben, ohne dass sie bisher dafür zur Rechenschaft gezogen worden sind.
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