Die letzten Rosen

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Eine melancholische Betrachtung zum Herbst

Wenn der Sommer sich im September verabschiedet, beginnen viele Rosensorten noch einmal kräftig zu blühen. So, als wollten sie vor dem bald einsetzenden Frost noch einmal alle in ihr steckenden Kräfte mobilisieren. Wer in diesen Tagen in die Vorgärten schaut, wird diese Blütenpracht entdecken.

Und doch, man weiß ja, sie wird bald vorbei sein. So stellt sich beim Betrachten der noch blühenden Blumen auch immer ein Hauch von Sentimentalität ein. Bei einem Spaziergang durch die Mengeder Heide konnte ich mit einigen Aufnahmen ein wenig von dem Zauber festhalten. Und mir fiel ein Lied ein, das, zugegebenermaßen sehr melancholisch, diesen Zustand beschreibt.
Herbert von Karajan bezeichnete es während eines Konzerts bei den Salzburger Pfingstfestspielen im Jahre 1970 als „das schönste deutsche Volkslied des Jahrhunderts.“ Er bedankte sich bei dem anwesenden Textdichter Bruno Balz und dem Komponisten Robert Stolz für das gemeinsame Kunstwerk. Schon Jahre vorher hatte Stolz in einem Brief an Balz geschrieben hat: „Ich glaube, dieses Lied wird bleiben, auch wenn wir beide nicht mehr sind.“ Er sollte Recht behalten.

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen

von Bruno Balz

Versunken ist die Frühlingszeit,

kein Vogel singt im Lindenhain.

Die Welt verliert ihr Blütenkleid
und,
bald wird Winter sein.

Verlassen ist der Holderstrauch,

an dem ich einst geküsst.

Es blieb ein Duft, der wie ein Hauch

aus fernen Tagen ist

.

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen.

Braune Blätter fallen müd’ vom Baum

und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen.

Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum.

Möcht’ einmal noch ein Mädel kosen,

möcht’ vom Frühling träumen und vom Glück.

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen.

Ach, die Jugendzeit kehrt nie zurück.



Noch immer hör’ ich jenes Lied,

das einst die Nachtigall uns sang.

Wenn auch mein Herz, wie einst noch glüht,

mir wird zum Abschied bang.

Wenn ich mich auch zu trösten weiß

mit Lachen und Humor.

Aus meinem Aug’ da fließt ganz leis’

ein kleines Tränchen vor.



Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen.

Braune Blätter fallen müd’ vom Baum

und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen.
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum.

Möcht’ einmal noch ein Mädel kosen,

möcht’ vom Frühling träumen und vom Glück.

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen.

Ach, die Jugendzeit kehrt nie zurück.



Holde Jugend, holde Jugend

kämst du einmal noch zu mir zurück.

 

Bruno Balz (1902 bis 1988) war einer der erfolgreichsten Textschreiber des vergangen Jahrhunderts. Er schrieb Lieder wie „Das machen nur die Beine von Dolores“ für Gerhard Wendland, „Kleine Möwe, flieg nach Helgoland“ für Hans Albers und für Heidi Brühl den Eurovisons-Schlager „Wir wollen niemals auseinander gehn.“ Bereits mit 17 Jahren „outete“ er sich gegenüber dem Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld als homosexuell.
Balz engagierte sich in der Homosexuellenbewegung der 20er Jahre und wurde Mitglied im Bund für Menschenrecht. Während der NS-Zeit zweimal Opfer der schwulenfeindlichen Gesetzgebung. So wurde er 1936 während einer Razzia verhaftet und verbrachte mehrere Monate im Gefängnis. Auf Geheiß des Regimes musste er Selma Pett, eine linientreue Bäuerin aus Pommern, heiraten. Im Jahre 1941 wurde Bruno Balz erneut von der Gestapo verhaftet, nachdem er in kompromittierender Situation mit einem jungen Mann ertappt worden war. Nach tagelanger Folter im Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße drohte ihm der Weg ins Konzentrationslager. Nach einer Intervention des Komponisten Michael Jary, der ihn für einen Film brauchte, kam er frei. Noch während der Gefangenschaft oder kurz darauf schrieb er einen seiner größten Erfolge: „Davon geht die Welt nicht unter.“ Die Nazis setzten es als Durchhaltelied gegen den Bombenhagel ein, Oppositionelle bezogen es auf das menschenverachtende NS-Regime.
Auch nach dem Krieg hatte Bruno Balz unter den Folgen der nach wie vor herrschenden Homophobie zu leiden, der unter den Nationalsozialisten verschärfte § 175 des Strafgesetzbuches blieb in dieser Form bis 1969 erhalten. Von den Tantiemen seines Millionenerfolges „Mama“ in der Version von Heintje ließ Balz ein SOS Kinderdorf bauen.

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