Steuern für den Kirchentag gerechtfertigt?

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Wertevergleiche verursachen Irritationen

Da wird die Kirchentagsveranstaltung in Dortmund mit dem auf den ersten Blick nachvollziehbaren Argument kritisiert,  Finanzmittel aus dem allgemeinen Steueraufkommen hätten nicht für diese Großveranstaltung eingesetzt werden dürfen. Obwohl die Größenordnung noch völlig unbekannt ist, Synergieeffekte nicht berücksichtigt werden, spricht man von 10 Mio. Euro. 

Leute bleibt auf dem Teppich! Eine bessere Eigenwerbung hätte die Stadt doch gar nicht hinbekommen können. 120.000 Gäste, alle friedlich gestimmt, tragen ein positives Bild unserer Heimatstadt in die Welt, das keine Werbeaktion mit ähnlicher Wirkung hätte erreichen können!

Viele derselben Kritiker haben offensichtlich nichts dagegen, dass bei BVB-Heimspielen auf Kosten der SteuerzahlerInnen durch randalierende, sog. „Ultras“ (und das sind immer nur einige Hundert) massive Schäden an öffentlichem Eigentum verursacht werden. Nur mit riesigem Polizeiaufgebot schafft man es, sie in ihren Aktionen zu behindern. Man darf gar nicht daran denken, wie teuer der Stadt eine BVB-Meisterfeier gekommen wäre.
Jeder mag sich einen weiteren Wertevergleich zu Gemüte führen: 10 Mio. für den Kirchentag sind zu viel, 40 Mio. für einen vielleicht gerade noch zwei Jahre für Borussia Dortmund antretenden Mats Hummels sind angemessen?

Wer würde denn mit uns tauschen wollen?
Die abgehobene Arroganz der Schicht der Superreichen Deutschlands dokumentiert sich schon in obiger Frage, die Susanne Klatten, Großaktionärin des Autoherstellers BMW in einem Interview gestellt hatte. Eine Milliarde Euro, eine Zahl mit 9 Nullen, kassiert sie mit ihrem Bruder Stefan Quandt allein in diesem Jahr an Dividenden.
Auch hier wieder ein Wertevergleich: Bei dem für 2019 in Deutschland festgesetzten Mindestlohn von 9,19 Euro benötigt man den Jahreslohn von 64.000 vollbeschäftigten Mitarbeiter/innen, um eine Äquivalenz abbilden zu können! Wer möchte von diesen wohl nicht mit den Milliardären tauschen?

150 Tote sind zu viel?
Eine Wertanalyse ganz besonderer Art leistete sich einmal mehr Donald Trump. Hier ging es nicht um Geld, sondern, noch viel schlimmer, um Menschenleben.
Als Reaktion auf den Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne hatte Trump angeordnet, 3 Ziele im Iran zu bombardieren. Glaubt man Pressestimmen, waren die Kampfjets schon in der Luft, als er von einem General darauf hingewiesen wurde, dass mit 150 Toten zu rechnen sei. Das wären dann doch zu viele gewesen meinte Amerikas oberster Kriegsherr und habe den Angriff in letzter Minute abgeblasen. 

Hier stellt sich natürlich für die hoffentlich nicht nachfolgenden Aktionen die Frage: Wieviel Tote wären hinnehmbar gewesen? 100, 50 oder gar nur einer? Oder gar keiner, da D.T. ja immer noch damit rechnet, den Friedensnobelpreis zu erhalten?

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