2020: Den Stein ins Rollen bringen! – Eine Kolumne von Peter Grohmann

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2020: Den Stein ins Rollen bringen!

Eine Kolumne von Peter Grohmann

KONTEXT:Wochenzeitung vom 

Oder “alles vorbei, Tom Dooly”? Der Song vom armen Jungen, der morgen gehängt werden wird, ist nur den über 25jährigen bekannt – anders als Tom Buhrow: Der Sheriff des WDR will nicht, dass Kinder in einer Satire seine Oma eine alte Umweltsau nennen. Tom, altes Haus: Nicht mal im Spass darf man keinen Arsch in der Hose haben!

Meine Omi Glimbzsch in Zittau jedenfalls fährt im Hühnerstall Motorrad und mit Karacho ins Neue Jahr. Omi und ich wünschen euch im neuen Jahr Courage und Standvermögen und dass euch die Lust auf Kaffeekapseln vergeht.

Der ein oder andere mag entgegnen, dass es in nächster Zeit eben nicht um Billigflüge oder vegane Burger geht, sondern dass wir den Kommunismus brauchen, natürlich den echten, nicht den mit Mielke, Mao, Stalin, Sibirien, Uiguren, Slobodan Milošević, Dr. Baschar al-Assad und vielen weiteren Halunken. Ja, ich weiss, die anderen Christen würden Jesus jederzeit wieder ans Kreuz nageln. Ihre Vorliebe für kurze Prozesse und schnelle Kriege ist ungebrochen – so wie unsere auf die Straße. Und ja, wir sind immer noch draußen und fragen uns, wer wohl den 21-er-Käse zum Bahnhof gerollt hat. Inzwischen rechnen auch die seriöseren Kreise nicht mehr mit 3 oder 5 oder 7 oder 9, sondern 12 Milliarden Euro.

Die Welt lernt, mit ihrer Überforderung zu leben. Trump, Johnson, Putin, Erdoğan und Bolsonaro amüsieren das Publikum – Angst sieht anders aus. Angst haben die in Lesbos und tausend anderen Lagern, Angst vor der kalten Nacht. Wir könnten, wenn wir wollten, den Stein ins Rollen bringen, 2020. Eine Möglichkeit wäre, die Erklärung der Menschenrechte ernst zu nehmen. Wir könnten Robert Habeck die Telefonnummern von Winfried Kretschmann, Boris Palmer und Fritz Kuhn geben. Jedes Dorf ein Kind, wenn Sie wissen, was ich meine.

Wir könnten die vom Feuerwerk geblendete Zivilgesellschaft animieren, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen. Wir könnten in den Rathäusern Zoff machen, in Kirchen und Gewerkschaften und Sozialverbänden, Kulturschaffenden und Kindergärtnerinnen den Weg auf die Straße zeigen und den Bauern sagen, dass Nitrat nicht vom Himmel fällt. Wir könnten uns hinter bedrohte Journalisten stellen – oder wenigstens hinter die Bienen.

Momentan ist die Gesellschaft eher Mitnehm-Gesellschaft. Die verbilligte Kreuzfahrt ist da nicht das Problem, sondern die fehlende Lust, die Demokratie aus dem Schlamassel zu ziehen. Mitnehmen muss man da am wenigsten die, die sie abschaffen wollen, die ein ganz anderes Land wollen, eine andere Gesellschaft, in der für Leute wie uns kein Platz ist. Abwarten und Tee trinken geht nicht mehr.

Wir rechnen nicht dabei, dass es in absehbarer Zeit ein Tempolimit gibt. Aber wir rechnen mit Euch und Ihnen. Wir schaffen das.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter.
Die KONTEXT:Wochenzeitung ist eine Internet-Zeitung aus Stuttgart, die seit mehr als 7 Jahren wöchentlich mittwochs ins Netz gestellt wird. Zusätzlich liegt sie als Printausgabe der Wochenendausgabe der taz bei. Wir danken der Redaktion und Peter Grohmann für die Zustimmung zum Abdruck der Kolumne. Näheres unter:
https://www.kontextwochenzeitung.de/kolumne/457/wettern-1-6433.html

 

 

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