Corona-Quarantäne und “Stubenarrest”(3)

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Was machen Mengeder in Zeiten der Krise?

Wir haben uns umgehört und eine kleine – nicht repräsentative – Umfrage gestartet. Wir bekamen Antworten, wie die Menschen in unserem Stadtbezirk mit dieser ungewöhnlichen Situation umgehen. In einer kurzen Serie stellen wir unseren Lesern ihre Reaktionen vor.

Nach einem Jahr Stillstand wird die neue Wäschespinne endlich einbetoniert.

Heute mit: Diethelm Textoris

Trotz Kontaktsperre: „Stubenarrest“ muss nicht sein.
Es gibt Alternativen. 

Jetzt bin ich 75 Jahre alt geworden. Doch Zeiten wie diese habe ich noch nicht erlebt. Zeiten, für die es mir schwerfällt, ein passendes Adjektiv zu finden. Gewiss, der Zweite Weltkrieg und die Jahre danach waren auch schlimm. Aber ich erinnere mich nicht mehr daran, kenne sie nur aus den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern.

Doch im Augenblick gibt es täglich neue Schreckensmeldungen, und die sind noch schrecklicher als die vom Vortag. Besonders schlimm ist, dass niemand weiß, ob und wie das alles enden wird. Innerhalb weniger Wochen ist die Zukunft schwerer planbar geworden. 

Langeweile muss nicht sein

Da finde ich es gut, dass unsere Politiker schnell und entschlossen Maßnahmen ergriffen haben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen oder noch besser zu stoppen. Da halte ich auch das Kontaktsperre Gesetz und dessen Einhaltung für unbedingt notwendig. Auf viele eingefahrene Verhaltensweisen muss man, hoffentlich nur für kurze Zeit, augenblicklich verzichten, sein tägliches Tun überdenken. Was macht man also, wenn man, wie ich, in normalen Zeiten mindestens einmal in der Woche einen Theatertermin hat und über die Aufführungen berichtet, wenn man Vorträge hält, Wanderungen für die VHS und den Heimatverein organisiert und durchführt, und wenn dann all diese Aktivitäten für die nächsten Wochen ausfallen müssen? Muss sich dann nicht sehr schnell gähnende Langeweile einstellen? 

Keine 500 Meter von der Haustür entfernt, und schon beginnt “Mutter Natur”.

Bei mir ist das bisher nicht der Fall. Zunächst habe ich die Situation als so etwas wie eine angeordnete Entschleunigung empfunden. Dann habe ich geschaut, was möglich ist und was mir davon Spaß macht. Da ist zunächst der Garten. In jedem Frühjahr verlangt er einen noch intensiveren Einsatz als im übrigen Jahresverlauf. Ich kann nicht sagen, dass ich ein begeisterter Gärtner bin, aber inzwischen sind die Pflegeschnitte der Sträucher erledigt, der Rasen ist zum ersten Mal geschnitten und der Nutzgarten ist schon umgegraben. Viel früher als in den vergangenen Jahren. Auch die Regenrinnen von Balkon und Garten habe ich gereinigt.

Nicht in Spanien, sondern in Niedernette.

Dann habe ich zu meiner eigenen Überraschung noch verborgene handwerkliche Fähigkeiten freigesetzt. Die letzten starken Stürme hatten die Dachpappe des Gartenhauses total zerfetzt. Jetzt hat das Haus eine neue Abdeckung von mir verpasst bekommen, wobei für die Dichtigkeitsprüfung noch der nächste Starkregen abgewartet werden muss. Ein Jahr lag die neue Wäschespinne auf der Terrasse. In dieser Woche habe ich die Halterung einbetoniert und jetzt ist das Trockengerät voll einsetzbar. 

Allein, mit Hund oder zu zweit die nahe Umgebung neu entdecken

Mit Cooper am Emscherweg.

Da mir von allen Aktivitäten die Spaziergänge mit Hund Cooper am meisten Spaß machen, habe ich die über das normale zeitliche Maß ausgedehnt. Drei Stunden am Tag sind keine Seltenheit, und oft werden sogar richtige Wanderungen daraus. Ohne Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel geht es schon an der Haustür los und es wird ein Rundkurs daraus. Es ist erstaunlich, was es in unserer Nähe alles wieder zu entdecken gibt. Mengeder Volksgarten, Mengeder Heidewald (der übrigens zu Castrop gehört), Gut Königsmühle und Emscherweg liegen noch im „Schlappenbereich“.

Haus Westhusen ist heute eine “Seniorenresidenz”.

Meine längste und auch abwechslungsreichste Nahbereichswanderung machte ich vor einer guten Woche. Da drehte ich mit Cooper eine große Runde im Mengeder Nordwesten. Hochwasserrückhaltebecken, Naturschutzgebiet Beerenbruch mit dem Brunosee, Deininghausen, Bodelschwingh, Westerfilde, Ober- und Niedernette lagen an der Strecke, auch die ehemalige Bonanza, die Disco Erinnerungen wach werden ließ. Und auch drei Herrenhäuser: Haus Dorloh, Schloss Bodelschwingh und Haus Westhusen.

Schloss Bodelschwingh.

Als sich der Kreis geschlossen hatte und ich am späten Nachmittag wieder zu Hause war, hatte ich 28  Kilometer zurückgelegt und viele Frühlingsimpressionen eingefangen. Für die gesamte Woche zählte mein „Bewegungsmelder“ 145.834 Schritte, das ist eine recht stolze Bilanz. 

Für die nächsten Tage und vielleicht Wochen habe ich mir weitere Rundwege vorgenommen. Ich freue mich darauf, und Cooper auch. Trotzdem hoffe ich, dass bald wieder normale Zeiten sein werden. Aber vielleicht wird dann das Eine oder Andere, was ich mir jetzt aus der Notsituation ausdenke, in mein Alltagleben übernommen.

Diethelm Textoris

Hinweise:

  • Spaziergänge und Wanderungen von maximal 2 Personen (Hunde haben zwar eine Seele, zählen aber nicht als Person) sind nicht verboten, werden sogar zur Aufrechterhaltung der Gesundheit empfohlen.
  • Spaziergänge möglichst an der eigenen Haustür beginnen und enden lassen. Sollte eine Anfahrt zu einer Wanderung nötig sein, bitte jetzt per Auto anreisen, auch wenn ich in normalen Zeiten immer die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfehle.
  • Rucksackverpflegung und genügend Flüssigkeit für sich und den Hund mitnehmen, da Restaurants am Wege ja augenblicklich geschlossen sind.
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