Selbständigkeit in Zeiten des Coronavirus

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Wie gehen Selbständige  im Stadtbezirk Mengede mit dem Coronavirus um
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Foto: Dr. Ingo Herminghaus 

Für Selbständige – Handwerksbetriebe, freischaffende KünstlerInnen, Hoteliers und Gaststätten, Ärzte und Pflegeeinrichtungen und weitere Dienstleister- nur um einige zu nennen. Nach der ersten Schockstarre gibt es einzelne zaghafte Versuche, im Rahmen der  bestehenden Beschränkungen den Betrieb in Gang zu halten. MENGEDE:InTakt! hat sich im Stadtbezirk umgesehen und gefragt, welche Strategien die Verantwortlichen entwickeln bzw. entwickelt haben, um die wirtschaftlichen Folgen abzumildern.

 

Die Ergebnisse dieser Befragung haben wir am 24.3.  veröffentlicht. Wir haben heute, knapp 14 Tage später, noch einmal nachgefragt, ob sich die Lage verändert hat. Hier ist eine erste Zwischenbilanz:

Wir beginnen wieder mit den Corona – Unterstützungsaktionen für die Gaststätte „Im schönen Wiesengrund”. Wie Dolf Mehring – einer der Hauptakteure bei diesen Aktionen – mitteilt, sind die finanziellen Sorgen für den Wirt der Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“, Marijan Ribicic erheblich. Denn nachdem er im Jahr 2019 fast die ganze Sommersaison wegen der Kündigung durch den damaligen Vermieter verloren hatte und dadurch bedingt bereits im Vorjahr die Existenz des Wirtes und seiner Familie auf dem Spiel stand, sind nun in der Corona-Krise die finanziellen Sorgen natürlich allgegenwärtig.
Allerdings blieb der “Freundeskreis Wiesengrund-Westerfilde” nicht tatenlos, sondern unterstützte die von Marijan Ribicic entwickelten Alternativangebote als da sind:

 Speisenangebot – außer Haus Verkauf
Marijan Ribicic bietet täglich (außer montags) eine wechselnde Speisekarte auf seiner Website https://im-schoenen-wiesengrund-dortmund.beepworld.de/ an. Das Angebot wird nachgefragt, aber es ist noch „viel Luft nach oben!“ 

Gutscheinaktion
Mit dem Verkauf von Essensgutscheinen, die nach der Corona-Krise eingelöst werden können, wurde begonnen. Einige wenige Gutscheine sind auch bereits verkauft worden. Der Freundeskreis will diese Aktion vor Ostern noch einmal kräftig bewerben, denn es ist sicherlich auch ein attraktives Mitbringsel für den Osterhasen. Der Gutschein wird auf eine Klappkarte mit dem Motiv des Wiesengrundes angeboten. Das Aquarell dazu hat Freundeskreismitglied Horst Peters gemalt.

Grillaktion am Sonntag im Biergarten
Am Sonntag, 30.03.2020, eröffnete Marijan Ribicic die Grillsaison im Biergarten mit seinem leckeren „Grillschinken“ – natürlich im Corona-Modus zum Mitnehmen. Trotz schlechten Wetters – es graupelte zum Teil heftig – hielt die Schlange und der Grillschinken war schließlich ausverkauft. Am Sonntag, 05.04.2020, findet eine weitere Grillaktion im Biergarten ab 13.00 Uhr statt: Diesmal gibt es Gyros. Vorbestellungen sind erwünscht unter: 0231 371190.

Dolf Mehring zieht folgendes Zwischenfazit: “Die Unterstützungsaktionen des Freundeskreises haben mit dazu beigetragen, die Gaststätte ‘Im schönen Wiesengrund’ auch in dieser Krise zu stützen. Es reicht aber bisher nur ansatzweise, um die durch die Corona-Beschränkungen weggebrochenen Einnahmen zu kompensieren. Sollten die Beschränkungen weiter andauern, wird der Freundeskreis Wiesengrund-Westerfilde sein Engagement noch verstärken.”

Mit dem „Fensterverkauf“ haben sich Dortmunder Restaurants einen kreativen Weg ausgedacht, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern. Das  Speiselokal im Mengeder Burghof bietet seit dem 23.3. den sog. Festverkauf an. Der Verkauf findet täglich außer montags in der Zeit von 12.00 – 18.00 Uhr statt. Im Angebot gibt es Gerichte aus der Speisekarte und natürlich auch die polnischen Spezialitäten wie den Bigos.
Was ursprünglich erst einmal als Versuch angelegt war, hat sich inzwischen als dauerhafter Service entwickelt. Es empfiehlt sich, die Speisen telefonisch zu bestellen und dann zu einem vereinbarten Zeitpunkt abzuholen (Tel.: 0231 22 65 643); denn als es kürzlich mal Königsberger Klopse oder Reibeplätzchen gab, war die Küche bereits am frühen Nachmittag ausverkauft. Das ging übrigens
auch den Schweinsrouladen am letzten Sonntag so.
Kurzum: Die Chefin – A. Scheele – hat zusammen mit der Familie das Beste aus der Situation gemacht, hofft allerdings, das der normale Betrieb möglichst bald wieder stattfinden kann.
Erheblich komplizierter war es bereits für den Mengeder Zahnarzt Dr. Ingo Herminghaus.  Auf einen Fensterservice oder ähnlich kreative Angebote würden seine Patienten sich wohl schwerlich einlassen.
Es hat sich vor allem als notwenig erwiesen, den Service für die Patienten in der Praxis aus  Anlass der Corona-Krise  laufend den Umständen anzupassen.
Neben dem schon praktizierten Warten im Pkw, den Desinfektionsmaßnahmen beim Ein- und Auschecken und dem routinemäßigen Erfassen der Körpertemperatur wird nach Ostern zusätzliche  Leistungen angeboten:
  • Für Patienten aus der Risikoaltersgruppe über 70 wird eine  separate Sprechstunde eingerichtet.
  • Da auch in Krisenzeiten ein Zahnersatz kaputtgeht, soll mit Hausbesuchen im Rahmen der technischen Möglichkeiten versucht werden, Reparaturen vor Ort durchzuführen oder den Zahnersatz nach erfolgter Reparatur wieder dem Patienten nach Hause bringen.
  • Sollten zwingende Gründe für eine unaufschiebbare umfangreichere Behandlung vorliegen, besteht die Möglichkeit samstags zu einer Individualsprechstunde zu kommen, so dass nach erfolgter Reinigung und Desinfektion der Praxis am Vortag nur ein Patient an diesem Tag zur Behandlung kommt.

“Wir möchten versuchen, unseren Beitrag zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung zu leisten und die Menschen in Dortmund in der Krise zu unterstützen. Selbstvertändlich entstehen für die genannten Dienste keine zusätzlichen Kosten“, so Dr. Herminghaus.

Die Buchhandlung am Amtshaus ist immer noch für Publikumsverkehr geschlossen. Es hört sich intelligent an, wenn  Inhaber Nau und seine Mitarbeiterinnen die Losung ausgeben: “Wenn die Kunden nicht zu den Büchern kommen dürfen, dann kommen wir zu den Büchern“. Aber umgesetzt auf den täglichen Betrieb erforderlich das Motto schon erhebliche Anstrengungen, denn die Kunden können die Bücher nicht nur telefonisch bestellen, sie können sich auf telefonischem Wege auch telefonisch beraten lassen. Die bestellten Bücher werden vom Team der Buchhandlung zu den Kunden gebracht. Die Bezahlung erfolgt unbar per Überweisung bzw. Online. Von montags bis mittwochs und von donnerstags bis samstags ist jeweils ein Zweier-Team anwesend, dass sich um die gesamte Abwicklung einschließlich der notwendigen schriftlichen Arbeiten kümmert.
Nach wie vor ist das Team der Buchhandlung über die solidarische Unterstützung  der Kundschaft begeistert. Deswegen auch an dieser Stelle die Bitte um Geduld, wenn es manchmal dauert, bis jemand ans Telefon geht. (Tel.: 0231 33 99 66).
Bei Frau Wildner – seit 15 Jahren Inhaberin des Studio Glamour Line neben der früheren Kneipe Vahle in der Mengeder Straße 675  – ist die Situation noch hinreichend ungeklärt. Sie hat einen Antrag auf eine kurzfristige finanzielle Unterstützung  gestellt, der ist noch in Arbeit. Sie hofft auf den 15. 4.; an diesem Termin soll es verlässliche Informationen geben, ob und wann Geschäfte – wie sie eines betreibt – wieder öffnen dürfen. Ein verläßlicher Termin wäre für sie schon mal ein Licht im Dunkeln und würde die aktuelle Existenzangst reduzieren.
Die Kanzlei im Amtshaus hat vor allem  Maßnahmen zum Schutz aller MitarbeiterInnen ergriffen. Wir haben die Arbeitszeit der nichtjuristischen Mitarbeiterinnen um 50 % reduziert. So können wir in zwei vollständig getrennten Schichten arbeiten. Kontakt und Ansteckungsrisiko werden so verringert. Dadurch verlängert sich zwar die Bearbeitungszeit, was von den Mandanten aber durchgehend akzeptiert wird.
Bereits jetzt nehmen Mandate im Zusammenhang mit der Coronakrise zu, insbesondere im Arbeitsrecht und im Vertragsrecht.
Zum Abschluss dieses kurzen und natürlich nicht repräsentativen Überblicks gibt es auch eine sehr erfreuliche Nachricht zu vermelden. Wir hatten in unserem Beitrag am 24.3. darauf hingewiesen, dass über Robert Klemme, Chef des Steuerberaterbüro Robert Klemme, und seine Familie einige Tage vorher  nach Rückkehr von einem Spanien-Urlaub  und im Anschluss an eine profilaktische Kontrolle für die Familie Klemme eine 14-tägige Quarantäne verhängt wurde.
Glück im Unglück: Die Familie Klemme konnte die Quarantäne zu Hause verbringen, der Chef konnte sich mit Unterstützung eines Systemdienstleisters ein Home-Office einrichten, und das funktionierte auch dank einer exzellenten Teamleistung hervorragend.
Mit den derzeit üblichen Einschränkungen sind ab  kommendem Montag wieder “alle an Bord“.

 

 

 

 

 

 

 

 

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