Pressemitteilung GRÜNE & Volt zum Weggang des Polizeipräsidenten

Weggang von Gregor Lange hinterlässt Spuren
Nachfolge muss verantwortungsvollen und dialogorientierten Kurs fortsetzen

Die Fraktion Grüne & Volt bedauert den Weggang von Polizeipräsident Gregor Lange nach Köln. Dort wird er neuer Regierungspräsident.

„Wir gratulieren Gregor Lange herzlich zu seiner neuen Aufgabe und freuen uns sehr für ihn persönlich. Auch wenn wir nicht immer mit ihm einer Meinung waren: Mit Gregor Lange verliert Dortmund einen engagierten Polizeipräsidenten, der immer Wert auf eine gute Kommunikation gelegt hat. Gregor Lange hat die Zusammenarbeit mit Politik und Zivilgesellschaft stets konstruktiv, offen, innovativ, ernst in der Sache, aber fair im Umgang und lösungsorientiert gestaltet. Sein großer Verdienst ist die konsequente Bekämpfung des Rechtsextremismus in unserer Stadt. Insbesondere die Einrichtung der Sonderkommission Rechts hat dazu geführt, dass die rechtsextreme Szene in Dorstfeld in ihren Handlungsmöglichkeiten stark beschränkt worden ist und rechtsextreme Aktionen und Übergriffe zurückgegangen sind. Auch deshalb haben sich ehemalige führende Köpfe der Dorstfelder Faschisten schon vor einigen Jahren aus Dortmund verabschiedet. Das ist insbesondere dem jahrelangen Einsatz vieler Menschen der Zivilgesellschaft zu verdanken, zu einem großen Teil aber auch den unterstützenden Aktivitäten des Polizeipräsidenten. Er hinterlässt hier deutliche Spuren“, äußert sich die Sprecherin der Fraktion GRÜNE & Volt, Katrin Lögering, zum Weggang von Gregor Lange.

Besonders erwähnenswert ist aus Sicht von GRÜNEN & Volt auch die gesellschaftspolitische Verantwortung, der sich der Polizeipräsident gestellt hat. Er hat öffentlich öfter angemahnt, dass gegen bestimmte Entwicklungen gerade bei jungen Menschen die ganze Gesellschaft entschieden gegensteuern und Verantwortung übernehmen muss. Sicherheit war für ihn eine gesamtgesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe, die nicht ordnungspolitisch lösbar ist.

Benjamin Beckmann, Ratsmitglied für GRÜNE & Volt:
„Diese Haltung ist ebenso wenig selbstverständlich wie die Tatsache, dass er Stellen für Antisemitismusbeauftragte in seinem Stab geschaffen hat. Dazu kommt die von ihm eingerichtete AG Dialog für das neue Kompetenzzentrum „Dialog und Vertrauensförderung mit einer diversen Gesellschaft“. Deutlich wurde auch immer wieder, dass Gregor Lange das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen ernst genommen hat. Gleichzeitig hat er auf die objektiv in vielen Teilen gute und über die Jahre verbesserte Sicherheitslage in der Stadt und eine im Vergleich sehr hohe Aufklärungsquote hingewiesen. Und auch die wirksame Maßnahme „Messertrageverbote“ sowie das Festhalten an den Jugendkontaktbeamt*innen zählen zu seinen Erfolgen.”

Wo viel Licht ist, ist allerdings auch Schatten. Festzuhalten bleibt deshalb auch, dass in seine Amtszeit die Fehler von Staatsschutz und Polizei beim Sturm der Dortmunder Nazis auf das Rathaus während der Wahlparty 2014 sowie der katastrophale Polizeieinsatz beim Tod von Mouhamed Dramé fallen. Auch hier ist Gregor Lange aber anschließend seiner Verantwortung als Polizeipräsident gerecht geworden, indem er unverzüglich Dialogverfahren mit vielen zurecht erschütterten und aufgebrachten Bewohner*innen der Nordstadt eingeleitet hat.  Das hat inzwischen zu einer gemeinsamen Kooperationsvereinbarung mit vielen migrantischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen geführt, um diese Verfahren fortzuschreiben.

„Grüne Grundsätze und Polizeiarbeit werden oft als Gegensätze wahrgenommen – insbesondere zum Beispiel bei der Bewertung von Videobeobachtung sowie des Einsatzes von Tasern gibt es die auch. Mit Gregor Lange haben wir jedoch erlebt, dass Deeskalation, Prävention, ein behutsames Vorgehen und der Mensch im Mittelpunkt keine Schlagworte bleiben müssen, sondern gelebte Praxis sein können. Viele unserer Ansichten konnten wir mit ihm fair und auf Augenhöhe diskutieren. Für Dortmund ist sein Weggang ein Verlust. Wir hoffen sehr, dass seine Nachfolge diesen verantwortungsvollen, konstruktiven und dialogorientierten Kurs fortsetzt.
Hier kommt es maßgeblich darauf an, wen der CDU-Innenminister dem CDU-Oberbürgermeister als Polizeipräsident an die Seite stellt. Insbesondere vor dem Hintergrund einiger Äußerungen des Oberbürgermeisters in den letzten Wochen zur Sicherheits- und Ordnungspolitik ist zu wünschen, dass es jemand vom Format von Gregor Lange ist“, so Katrin Lögering abschließend.