Pressemitteilung GRÜNE & Volt: Verwaltung kritisiert Konzept der Schulministerin

 Verpflichtendes letztes Kitajahr statt ABC-Klassen

NRW-Schulministerin Feller hat vor wenigen Wochen die Pläne für die Einführung sogenannter ABC-Klassen vorgestellt. Kinder, die nicht über die notwendigen deutschen Sprachkenntnisse verfügen, sollen im Schuljahr vor ihrer Einschulung zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden verpflichtend eine ABC-Klasse in einer Grundschule besuchen. Die ersten verpflichtenden ABC-Klassen sollen im Schuljahr 2028/29 beginnen.

Die Fraktion GRÜNE & Volt hatte mit einer Anfrage im Schulausschuss die Verwaltung um eine Bewertung und Einschätzung der Einführung der ABC-Klassen gebeten. Die Antwort liegt nun vor.

„Der Fachbereich Schule teilt zwar das Ziel, durch eine frühzeitige und verbindliche Sprachförderung die Voraussetzung für einen erfolgreichen Schulstart zu verbessern und Bildungsbenachteiligungen möglichst frühzeitig zu reduzieren. Das ABC-Klassen-Konzept der Schulministerin wird diesem Ziel allerdings laut Verwaltung an verschiedenen Stellen nicht gerecht“, erläutert Fatime Şahin, Mitglied der Fraktion GRÜNE & Volt im Schulausschuss.

Insbesondere kritisiert die Verwaltung, dass einerseits die Gelder für Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen reduziert werden, während anderseits dadurch entstehende Defizite später durch kostenintensive ABC-Klassen kompensiert werden sollen. Dazu kommt, dass die Einführung der ABC-Klassen erhebliche zusätzliche Aufgaben für Verwaltung und Schulen bringt. Das betrifft insbesondere die dafür benötigten zusätzlichen Räume an eh schon vollen Schulen, die Organisation der Beförderung von Kindern aus Kitas zu den jeweiligen Grundschulen sowie insgesamt die Koordination zwischen Schulen, Schulaufsicht, Kindertageseinrichtungen, Schulen und Schulträgern. Dazu kommt die Vorverlagerung der Schulanmeldung und der schulischen Sprachstandsfeststellung.

„Aus Sicht der Verwaltung wäre es besser, die benötigten Gelder für die ABC-Klassen in die schon bestehende Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen und in Brückenprojekte für Kinder ohne Schulplatz zu investieren. Und damit jedes Kind davon profitieren kann, sollte es für Kinder mit Sprachförderbedarf ein verpflichtendes letztes Kitajahr geben. Denn noch immer besucht nicht jedes Kind vor der Schule eine Kita. Diesen Forderungen schließen wir uns an“, so Fatime Şahin abschließend.

Quelle: Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN & Volt