Huthis, Hass & Hoffnung
Von Peter Grohmann
Der Bürger als solcher ist dieser Tage ganz schön irritiert: Eben noch konnte er über verdammt hohe Spritpreise jammern, über die vielen Faulenzer und Schmarotzer, die den Staat ausplündern, über Merz oder kriminelle Migration und das bissel Krieg, da tauchen die Huthis aus dem Nichts auf und die vergessenen Terroristen! Gott sei Dank nur in Frankreich. Als ob ich’s geahnt hätte! Und alles vorOstern!Wir wissen: Das iranische Regime leugnet den Holocaust und das Existenzrecht Israels und fordert stattdessen einen palästinensischen Staat, andererseits mehren sich in Israel die Stimmen rechts von Rechts und fordern kein Brot und kein Wasser in Gaza. Oft schlagen die Leut‘ die Händ‘ überm Kopf zusammen, wenn man sie beim abendlichen Frühschoppen im Fernsehen mit „diesen Gräuel da“ in Be’eri, Kfar Aza oder Nir Oz belästigt: Nichts wie wegsehen!
Dass unsere deutschen Großväter zwischen ’33 und ’45 ebenso gemeingefährlich und brutal mit den Menschen umgegangen sind und die Vernichtung der Juden zur Staatsräson gehörte – nee, echt jetzt? Wann soll das gewesen sein? Kein guter Grund, jetzt die Etats für Demokratie- und Allgemeinbildung zusammenzustreichen.
Und jetzt? Donalds Trump hat einen Irankrieg entfesselt, dessen Folgen die ganze Welt tragen muss, aber sie glaubt’s noch nicht. Die Märkte sind durchgeschüttelt, die Energiepreise hoch, das Risiko, dass einem der Osterurlaubs verdorben wir, ist hoch. Ich kann’s noch nicht glauben, dass die guten Zeiten vorbei sind.
Beim Klimawandel wussten wir wenigstens, dass es eine Katastrophe wird. Wenn Ihnen das alles zu resignativ ist – bitte: Noch haben Sie die Chance, sich einzumischen, ganz praktisch und täglich. „Sej a Mensch“, wie meine Omi Glimbzsch aus Zittau oft sagt.