Zahlreiche Projekte von Emschergenossenschaft und Lippeverband profitieren von finanzieller Unterstützung der Europäischen Union
„Die Entwicklung der Emscher-Lippe-Region profitiert maßgeblich von Förderprogrammen auf europäischer, nationaler und Landesebene. Sie ermöglichen kommunale und interkommunale Projekte, bei denen Wasserwirtschaft und Städtebau Hand in Hand miteinander gehen – mit deutlichen Mehrwerten für die Menschen in der Region“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von EGLV.
Am 9. Mai erinnert der Europa-Tag an die besondere Bedeutung von Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenarbeit in der EU. Parallel dazu steht der Tag der Städtebauförderung im Zeichen des gemeinsamen Handelns von Bund, Ländern und Kommunen. Für EGLV sind Förderprogramme von EU, Bund und Land mitunter eine wesentliche Unterstützung, um kostenintensive Projekte umzusetzen und die blaugrüne Infrastruktur in der Region weiter ausbauen zu können. Ein besonders bedeutsames Förderinstrument ist dabei der „Europäische Fonds für Regionale Entwicklung“ (EFRE), der durch die nordrhein-westfälische Landesregierung verwaltet und aufgestockt wird. Im Zeitraum der vergangenen fünf Jahre wurden aus EU-Fördertöpfen insgesamt über 33 Millionen Euro für Projekte von EGLV bewilligt.
Europa an Emscher und Lippe
Ein Beispiel für ein von der EU und dem Land NRW gefördertes Projekt ist die aktuell stattfindende Renaturierung der Aspelflötte in Bottrop. Im Rahmen des interkommunalen Stadtentwicklungsprojektes „Freiheit Emscher“ wird das Gewässer ökologisch umgestaltet. Die Emschergenossenschaft schafft hier neue Gewässerstrukturen, legt verrohrte Abschnitte offen und schafft begleitende Fuß- und Radwege, die die zukünftige Landschaft erlebbar machen. Gemeinsam mit der Stadt Bottrop, der RAG Aktiengesellschaft und der Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbH wurde Anfang des Jahres der symbolische Spatenstich gesetzt. Die Kosten für die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen liegen bei 24,1 Millionen Euro, wovon etwa 16,3 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln über den Just Transition Fonds (JTF) stammen. Einen entsprechenden Förderbescheid übergab das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen im Januar an die Kooperationspartner.
Auch der Heerener Mühlbach in Kamen steht für den Wandel von belasteten Gewässern hin zu naturnahen Lebensräumen. Zwischen 2011 und 2013 wurde der einst offene Schmutzwasserlauf im Rahmen des EU-Projektes „Future Cities “ ökologisch umgestaltet. Das Programm vernetzte Städte und Organisationen in Nordwesteuropa mit dem Ziel, klimaresiliente urbane Räume zu entwickeln. Bezuschusst wurde die Maßnahme durch das Förderprogramm INTERREG IV B mit 50 Prozent der Gesamtkosten, die sich auf rund vier Millionen Euro beliefen.
Neben klassischen Förderprogrammen profitieren EGLV zudem von einem langfristigen Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB). Ein im Januar 2026 gewährtes Förderdarlehen in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro fließt in Maßnahmen zur Renaturierung von Gewässern, Ertüchtigung von Deichen sowie zur Sanierung von Pumpwerken. Die so gegebene Finanzierungsgrundlage ermöglicht vor allem eine zeitnahe Umsetzung und somit den ganzheitlichen Schutz von Menschen, Natur und Infrastruktur. Der konkrete finanzielle Vorteil für die Bürger*innen: Die Darlehen haben eine Laufzeit von 30 Jahren und tragen mit ihren günstigen Zinskonditionen trotz der hohen Investitionen in den Bereichen Klimaanpassung und Hochwasserschutz erheblich zur Gebührenverträglichkeit in der Region bei.
Städtebauförderung
Parallel zur EU-Förderung zeigt auch die Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie des Bundes Wirkung in der Emscher-Lippe-Region – sie zählt zu den wichtigsten Instrumenten in der Stadtentwicklung. Wie aus einem einstigen Meideraum ein echtes Naherholungsgebiet wurde, symbolisiert die von der Emschergenossenschaft und der Stadt Castrop-Rauxel gebaute Brücke „Sprung über die Emscher“. Dank ihrer einzigartigen Optik ist sie nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern auch ein Wahrzeichen für den Strukturwandel, den die Region durch den Emscher-Umbau erlebt. Die 2024 nahe des Natur- und Wasser-Erlebnis-Parks „Emscherland“ in Castrop-Rauxel eröffnete Brücke wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen mit acht Millionen Euro gefördert. Seit 2014 werden damit jährlich Vorhaben mit besonderer nationaler und internationaler Wahrnehmbarkeit unterstützt.
Der Natur- und Wasser-Erlebnis-Park entstand übrigens mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des NRW-Umweltministeriums.
Auch kommunale Mitmachprojekte zeigen die Breite der Städtebauförderung. Im Rahmen der Kooperation „Gemeinsam für Emscher und Lippe“ entstehen unter anderem Blaue Klassenzimmer, Streuobstwiesen oder urbane Gärten. Die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen, EGLV und den Emscher- und Lippe-Kommunen wurde im September 2023 unterzeichnet. Die Finanzierung der Projekte erfolgt zu 80 Prozent aus Städtebaufördermitteln des Landes und des Bundes, die restlichen 20 Prozent übernehmen EGLV. Die Maßnahmen verfolgen das Ziel, die Lebens- und Aufenthaltsqualität an den neugeschaffenen blaugrünen Lebensräumen für die Menschen vor Ort zu verbessern – eine Gemeinsamkeit, die alle EGLV-Projekte teilen.
Emschergenossenschaft und Lippeverband
Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) sind öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen, die als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip leben. Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 2.000 Beschäftigte und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken (rund 782 Kilometer Wasserläufe, rund 1533 Kilometer Abwasserkanäle, mehr als 500 Pumpwerke und 59 Kläranlagen). www.eglv.de
