Kontrollierter Teilrückbau des Kokslöschturms Süd-Mitte
Auf dem Gelände der Kokerei Hansa wird der Kokslöschturm Süd-Mitte teilweise zurückgebaut. Der hölzerne Turm steht zwar unter Denkmalschutz, weist jedoch ein so erhebliches Schadensbild auf, dass seine Standsicherheit nicht mehr nachgewiesen werden kann. Eine Sanierung oder Sicherung ist aufgrund des baulichen Zustands sowie der extrem beengten Lage zwischen bestehenden Anlagen technisch und wirtschaftlich nicht umsetzbar.
Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur verfolgt den Auftrag, bedeutende Industriedenkmäler zu übernehmen, zu erhalten, vor Gefahren zu schützen und sie, wenn möglich, dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu gehören neben Instandsetzung und Pflege auch die Gefahrenabwehr sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit der historischen Substanz.
Der Löschturm würde längerfristig ein Sicherheitsrisiko für Besucherwege und angrenzende Gebäude wie den Kohlenturm, die Sieberei und das Salzlager darstellen. Insofern handelt es sich um eine vorbeugende Maßnahme zur Gefahrenabwehr.
Der Teilrückbau erfolgt kontrolliert von oben nach unten mithilfe eines Autokrans und von Industriekletterern. Die entfernten Bauteile werden aufgrund der eingeschränkten Zugänglichkeit in den Hohlraum des Betonsockels verbracht. Der Turm wird nur so weit zurückgebaut, dass keine Gefährdung mehr für Menschen, Wege und Bausubstanz besteht.
Die untere Kubatur des Löschturms bleibt erhalten. Damit bleibt der Standort weiterhin räumlich und historisch ablesbar. Gleichzeitig können Besucherinnen und Besucher auch künftig über die Funktion der Löschtürme und die Herausforderungen im Umgang mit komplexen Industriedenkmälern informiert werden.
Der Teilrückbau erfolgt auf Grundlage mehrerer Gutachten und in enger Abstimmung mit den zuständigen Denkmalbehörden. Die Arbeiten haben am 12.01.2026 begonnen und werden voraussichtlich Ende Januar abgeschlossen sein.
Stiftung Industriedenkmalpflege und GeschichtskulturDie Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur wurde 1995 vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründet, um bedeutende Zeugnisse des Industriezeitalters vor dem Abriss zu bewahren. Ihre Aufgaben bestehen darin, die übernommenen Denkmale zu schützen, zu erhalten, wissenschaftlich zu erforschen, öffentlich zugänglich zu machen und sie so lange zu betreuen, bis sich eine neue Nutzung durch geeignete Träger:innen gefunden hat.
Bundesweit ist sie die erste und bislang einzige Stiftung, die sich explizit für den Erhalt von bedeutenden, vom Abriss bedrohten Industriedenkmalen aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen einsetzt. Durch Instandsetzungsmaßnahmen, Nutzungskonzepte und Öffentlichkeitsarbeit trägt sie dazu bei, diese Orte als lebendige Zeugnisse der Industriekultur zu erhalten.
Derzeit zählen zwölf Standorte in Nordrhein-Westfalen zum Bestand der Stiftung – darunter Relikte des Steinkohlenbergbaus, eine Kokerei, ein Denkmal der Energiewirtschaft sowie ein Hammerwerk als technikgeschichtliches Zeugnis.