Winterliche Wanderung des Heimatvereins Mengede

Bodelschwingh – Schwerin – Deininghausen

Von Diethelm Textoris 

Für die Wandergruppe des Heimatvereins Mengede beginnt die Saison am 1. Januar und endet am 31. Dezember. Lediglich amtliche Unwetterwarnungen und Krankheit der Wanderführer können schon mal zu einer Absage führen. Sonst gibt es für sie kein schlechtes Wetter, solange die Laune gut bleibt. Und die ist Dauergast bei den Exkursionen in den heimischen Gefilden und der weiteren Umgebung. 

So ließen sich die 15 Wanderbegeisterten am Donnerstag , 19.2., auch nicht durch den in der Nacht gefallenen Schnee und die weiterhin fallenden Flocken von ihrem Vorhaben abbringen, den Bereich zwischen Mengede, Bodelschwingh, Schwerin und Deininghausen per Pedes zu erkunden. Sie begrüßten vielmehr die Gelegenheit, bei einer Winterwanderung endlich auch mal die dazugehörende zünftige weiße Kulisse zu haben. Der vom Wanderführer kredenzte Remigiustropfen als „Schnaps für den Weg“ tat sein Übriges und der (Wein)Geist des Heiligen sorgte für ein warmes Gefühl im Magen.

Der Weg führte zunächst über den Emscherweg zum Mengeder Bahnhof, nach der Unterführung folgte die Gruppe dem Emscherpark-Weg. Es ging vorbei an den Gebäuden der ehemaligen Zeche Adolf von Hansemann, beeindruckend wegen ihrer historisierenden Bergbauarchitektur in Anlehnung an die Formen der historischen Backsteingotik.
Heute unvorstellbar, dass vor etwa 60  Jahren ein Abriss ernsthaft diskutiert wurde. Im angrenzenden Hansemann-Park versammelte sich die Gruppe vor dem ehemaligen Förderrad mit der winterlichen Kulisse des Parks im Hintergrund für ein Erinnerungsfoto.

Über die Breisenbachstraße ging es nach Bodelschwingh, vorbei an der denkmalgeschützten Schlosskirche aus dem 14. Jahrhundert, das eingerüstete Schloss links liegen lassend weiter mit dem Weg „Zur Hunnenboke“ in den Bodelschwingher Wald. Ein kleiner Anstieg führte zum „Tempel der Ruhe“, der Begräbnisstätte der Familie von Bodelschwingh.
Etwa 30 Minuten später erreichte die Gruppe mit dem „Hainfriedhof Westerfilde“ eine weitere Begräbnisstätte, idyllisch gelegenen mit einem Bestand an großen alten Bäumen. Bei normalen Wetterverhältnissen bietet sich hier wegen der exponierten Höhenlage ein Ausblick auf die Stadt Dortmund mit Hochhaus-Silhouette,  Reinoldi-Kirche, Florianturm und dem im Volksmund immer noch so genannten Westfalenstadion. Doch jetzt herrschte dichtes Schneetreiben und man konnte gerade den Rand von Westerfilde mit dem Restaurant „Tante Amanda“  ausmachen.

Auf einen Pfad oberhalb der „Mosselde“ wurde es ein wenig abenteuerlich, denn der war schmal und matschig. Als dann noch ein umgestürzter Baum den Weg versperrte, dessen Überwindung Bücken und körperliche Verrenkungen erforderte, umging ein Teil der Gruppe das Hindernis auf einen Steilabstieg zur Straße. Der Rest, so auch der 86-jährige Günther, stellte sich mit gegenseitiger Hilfe der Herausforderung und überwand so die Barriere. Wobei bei einigen die Frage laut wurde, ob man auf einer Wanderung oder einem Survival-Training sei.
Zu der Vergangenheit des Hauses an der Ecke Bodelschwingher Straße/Funkestraße konnte angeblich keiner der mitwandernden Herren etwas sagen, so dass er Wanderführer selbst die „Aufklärung“ übernahm: „Hier befand sich vor etwa 50 Jahren die berühmte und auch berüchtigte Bar ‚Onkel Heinz‘, eine Rotlicht-Lokalität und ein beliebter ‚Ausflugsort‘ für männliche Nachtschwärmer aus Castrop-Rauxel, Mengede und der weiteren Umgebung.“  

 Über eine steile Treppe, die wegen des Schnees Achtsamkeit erforderte, erreichte die Wandergruppe die Landmarke  „Sonnenuhr“ auf der 150 m hohen Halde Schwerin, die begehbare Kunstinstallation des Bildhauers Jan Bormann aus dem Jahre 1993. Denkmalexperte Hartmut gab den Wanderern detaillierte Informationen zu dem Kunstwerk, zu dem von der Höhe auszumachenden Hammerkopfturm der ehemaligen Zeche Graf Schwerin und den sich in der Nähe befindlichen „Wassertempel“.
Da es auf der Höhe sehr zugig war, wurde das geplante Picknick verschoben und wegen vorher fehlender Sitzgelegenheit erst nach einer Stunde am Deininghauser Bach nachgeholt. Von hier aus war es, vorbei am idyllischen Brunosee, nicht mehr weit zur Bushaltestelle an der Stadtgrenze Castrop/Dortmund, von der ein Bus der Linie 482 die Gruppe nach kurzer Wartezeit zurück zum Mengeder Ortskern brachte. Zurückgelegt hatte sie 16 Kilometer in einer reinen Wanderzeit von 4,5 Stunden. 

Fotos: Heimatverein Mengede