Züricher Modell für Dortmund prüfen –
Drei Fraktionen wollen Sozialambulanz nach SIP-Vorbild entwickeln
„Wie viel Züricher Modell braucht Dortmund?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der Ratsfraktionen von SPD sowie GRÜNE & Volt am vergangenen Dienstag im Rathaus. Mehr als 120 Teilnehmende aus Stadtgesellschaft, Verbänden und Organisationen diskutierten dabei intensiv das Züricher Modell der Drogen- und Suchthilfe sowie der Unterstützung für obdach- und wohnungslose Menschen. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere das Zusammenspiel von sozialer Unterstützung, aufsuchender Hilfe und Ordnungspolitik. Gemeinsam mit der Fraktion DIE LINKE & Tierschutzpartei greifen SPD und GRÜNE & Volt die dort gewonnenen Impulse nun unmittelbar auf und bringen bereits in der kommenden Woche einen ersten Antrag dazu in die Beratung des Sozialausschusses ein.„Wir haben die Aufforderung der Teilnehmer*innen unserer Veranstaltung verstanden, jetzt auch ins politische Handeln zu kommen und dabei das Züricher Modell als Grundlage zu nehmen. Zürich zeigt, dass ein abgestimmtes und gut ausgestattetes Konzept allen zugutekommt: den hilfsbedürftigen Menschen, aber auch denjenigen, die wie der Handel und die Gastronomie insbesondere in der Innenstadt mit den Begleitumständen von Drogensucht und Obdachlosigkeit zu tun haben. Unser Antrag hinsichtlich einer Sozialambulanz nach Züricher Vorbild ist dabei der erste Schritt“, erläutern der Sprecher der Fraktion GRÜNE & Volt, Christoph Neumann, sowie die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Worth.
Als ein zentraler Baustein des Züricher Modells wurde am Dienstag die Sozialambulanz SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) von der Züricher Teamleiterin Alexandra Neumann vorgestellt. Die 60 Mitarbeitenden der SIP arbeiten aufsuchend, vermitteln in Hilfesysteme, unterstützen in Krisen und tragen zur Deeskalation im öffentlichen Raum bei. In ihrem Antrag für den Sozialausschuss wollen die drei Fraktionen daher die Verwaltung beauftragen, ein Konzept für eine Dortmunder Sozialambulanz nach SIP-Vorbild zu entwickeln. Dabei sollen bestehende Strukturen wie Streetwork und Umfeldmanagement weiterentwickelt oder ergänzt werden.
„Stadtpolitik darf soziale Hilfen und Ordnungspolitik nicht gegeneinander ausspielen“, betont Daniela Worth (SPD). „Menschen müssen besser erreicht und Konflikte im öffentlichen Raum konstruktiv gelöst werden. Dafür braucht es eine zügige Entwicklung der Sozialambulanz. Dafür geben wir nun mit unserem Antrag den Anstoß.“
„Die Verwaltung hat zuletzt vor allem auf ordnungspolitische Maßnahmen gegen obdachlose und suchtkranke Menschen gesetzt. Zürich zeigt, dass es als eine Säule für eine nachhaltige Verbesserung eine stärkere sozialpolitische Ausrichtung braucht“, so Christoph Neumann (GRÜNE & Volt). „Nur so lassen sich Konflikte früh erkennen und Menschen schneller in passende Hilfen vermitteln.“
„Soziale Probleme lassen sich nicht wegordnen. Stattdessen muss aufsuchende Sozialarbeit deutlich gestärkt werden,“, sagt Fatma Karacakurtoglu (DIE LINKE & Tierschutzpartei). „Dortmund braucht ein niedrigschwelliges Hilfesystem nach SIP-Vorbild, das konsequent auf Unterstützung statt Verdrängung setzt.“
Mit dem Antrag setzen die Fraktionen den in der Veranstaltung begonnenen Austausch fort und überführen die Impulse in konkrete politische Arbeit.