Tipps für nachhaltige Periodenprodukte
Für die Hälfte der Bevölkerung ist die Menstruation über Jahrzehnte hinweg Teil des Alltags. Dabei kommen tausende Tampons oder Binden im Laufe eines Lebens zusammen. Das Problem: Menstruationsprodukte können Schadstoffe enthalten. Luise Körner, Chemie-Expertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärt anlässlich des Weltmenstruationstags am 28. Mai, worauf Sie beim Kauf von Periodenprodukten achten sollten.
Menstruationsprodukte in Deutschland weitestgehend schadstofffrei
Körner: „Menstruationsprodukte werden rechtlich wie gewöhnliche Alltagsprodukte behandelt. Es gelten keine umfassenden spezifischen Grenzwerte oder Kennzeichnungspflichten wie etwa für Lebensmittel oder Kosmetika – obwohl diese Produkte regelmäßig, über lange Zeiträume und in direktem Kontakt mit Schleimhäuten verwendet werden.“
Die gute Nachricht: Die meisten getesteten Menstruationsprodukte in Deutschland waren nur gering mit Schadstoffen belastet. Tests von ÖKO-TEST und Stiftung Warentest haben in vielen Tampons kaum Schadstoffe gefunden. Einzelne Produkte wiesen jedoch Belastungen mit Schwermetallen auf. Bei Binden und Slipeinlagen wurden in europäischen Untersuchungen Phthalate, Organophosphatester sowie weitere Weichmacher gefunden. Insbesondere wiederverwendbare Binden und Slipeinlagen waren damit auffällig hoch belastet. Auch Menstruationsunterwäsche enthielt Schadstoffe. Einige dieser Stoffe stehen im Verdacht, in das menschliche Hormonsystem einzugreifen und zum Beispiel die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
So können Sie Schadstoffe in Periodenprodukte vermeiden:
- Tampons und Menstruationstassen schneiden in Tests meist besser ab als komplex aufgebaute Produkte wie Binden oder Periodenunterwäsche.
- Vermeiden Sie Produkte mit Duftstoffen, da diese die empfindlichen Schleimhäute reizen können.
- Zertifizierungen wie „OEKO-TEX Organic“ oder „GOTS“ können Orientierung bieten. Labels wie „Bio“, „Organic“ oder „Öko“ sind keine geschützten Bezeichnungen und bieten keine Sicherheit.
- Bei Tampons können Sie darauf achten, dass diese chlorfrei gebleicht wurden. Zudem sollten diese aus Baumwolle bestehen und keine Plastikanteile enthalten.
- In Menstruationsunterwäsche sowie in waschbaren Binden und Slipeinlagen wurden unter anderem Phthalate, Weichmacher und PFAS nachgewiesen. Achten Sie auf die Bezeichnung „PFAS-frei“ und fragen Sie beim Hersteller oder Händler mit der ToxFox-App nach, ob Schadstoffe enthalten sind.
„Bei Menstruationsprodukten kann eine Menge Müll anfallen. Wer das gerne reduzieren will, kann beim Kauf zum Beispiel auf weniger Einzelverpackungen achten“, so Körner.
So können Sie Müll bei Menstruationsprodukten reduzieren:
- Kaufen Sie seltener einzelverpackte Produkte.
- Achten Sie auf Verpackungen aus Papier statt Plastik.
- Verzichten Sie auf zusätzliche Plastikapplikatoren bei Tampons.
- Menstruationstassen aus medizinischem Silikon können bei langjähriger Nutzung den Ressourcenverbrauch enorm reduzieren.
BUND fordert Offenlegung der Inhaltsstoffe in Menstruationsprodukten
Der Weltmenstruationstag macht darauf aufmerksam, dass alle Menschen Zugang zu sicheren Menstruationsprodukten haben müssen. Dazu gehört für den BUND auch, dass Hersteller Angaben zu Inhaltsstoffen offenlegen, damit Verbraucher*innen nachvollziehen können, welchen Stoffen sie regelmäßig ausgesetzt sind.
„Nutzen Sie die BUND ToxFox-App, um direkt beim Hersteller oder Händler nachzufragen, ob ein Menstruationsprodukt Schadstoffe enthält. Die App scannt den Barcode auf der Verpackung von Tampons, Menstruationstasse, Binden oder wieder verwendbaren Slips und verschickt direkt die Giftfrage. Unternehmen sind dazu verpflichtet, Auskunft zu geben, wenn darin Schadstoffe enthalten sind“, empfiehlt Körner. „Je mehr Menschen mitmachen, umso eher merken Firmen: Wir wollen Menstruationsprodukte ohne Gift.“
Hintergrund:
Menstruationsprodukte gelten in der EU rechtlich meist als gewöhnliche Alltagsprodukte. Sie werden vor allem über die europäische Chemikalienverordnung REACH erfasst. Dabei kommen sie regelmäßig und über viele Stunden mit empfindlicher Haut und Schleimhäuten in Kontakt. Spezifische Grenzwerte oder umfassende Kennzeichnungspflichten fehlen bislang weitgehend. In Frankreich hat die Gesundheitsbehörde deshalb kürzlich erstmals konkrete Richtwerte für zahlreiche Schadstoffe in Menstruationsprodukten vorgeschlagen, die als Grundlage für zukünftige Regulierung dienen sollen.
Mehr Informationen:
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BUND zu Ewigkeitschemikalien PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen)
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ToxFox – der Produktcheck
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Kontakt: Luise Körner, Leiterin Chemieteam beim BUND, Tel.: +49 30 27586-510, luise.koerner(at)bund.net
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