Neue Gentechnik: Europaparlament lässt Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucher*innen im Stich
Die heutige Entscheidung im Europaparlament, Pflanzen aus Neuer Gentechniken zu deregulieren, kommentiert Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):
„Das Europaparlament lässt mit seiner heutigen Entscheidung Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucher*innen im Stich. Die beschlossene Verordnung lässt zentrale Fragen unbeantwortet.Unklar bleibt insbesondere, wie Umweltrisiken ohne vorherige Risikoprüfung ausgeschlossen werden sollen. Mit dieser Entscheidung können Verbraucher*innen nicht mehr erkennen, was auf ihren Teller kommt. Das ist inakzeptabel. Auch der Schutz der gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft ist unzureichend geregelt.
Besonders problematisch ist, dass der zunehmenden Patentierung von Saatgut – der Grundlage unserer Ernährung – kein Riegel vorgeschoben wird. Aus Sicht des Umwelt- und Verbraucher*innenschutzes sowie im Interesse der gentechnikfrei wirtschaftenden Lebensmittelunternehmen und landwirtschaftlichen Betriebe besteht weiterhin erheblicher Regelungsbedarf. Darum muss sich die Bundesregierung jetzt kümmern.“
Hintergrund:
Im Juli 2023 legte die EU-Kommission einen Vorschlag für eine Verordnung zur Deregulierung von Pflanzen aus Neuen Gentechniken (NGT) vor: Ein Großteil dieser Pflanzen soll ausgenommen werden von den strikten GVO-Zulassungsverfahren und der standardmäßigen Kennzeichnungspflicht für Endprodukte; lediglich das Saatgut muss deklariert werden. Das Europaparlament stimmte mit Änderungen für diesen Vorschlag und forderte unter anderem ein Verbot von Patenten auf NGT-Pflanzen sowie den Ausschluss von herbizidtoleranten Pflanzen aus der Kategorie 1 (NGT-1). Nach der politischen Einigung im Trilogverfahren zwischen Kommission, Europaparlament und Rat im Winter 2025 hat der EU-Rat die Verordnung im April 2026 offiziell angenommen. Am 17.06. stimmt das Europaparlament final über den Vorschlag ab. Zuvor musste es über 37 Änderungsanträge entscheiden, unter anderem zur Patentierbarkeit von Pflanzen mit Neuer Gentechnik.
Mehr Informationen:
- BUND-Forderungen zu Gentechnik
- Kontakt: Pia Voelker, Pia Voelker, BUND-Mitarbeiterin Gentechnik, Tel.: 030-27586-556, Mobil: 0151-44580182, Email: pia.voelker(at)bund.net
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Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit mehr als 676.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.