Trotz trockenem Juni: Starkregen an sechs Tagen

Auswertung von Niederschlagsdaten durch Emschergenossenschaft und Lippeverband
Emscher-Lippe-Region. Nach der Auswertung der Temperaturdaten für den vergangenen Monat, die den gefühlten Eindruck der „Wüstenhitze“ an Emscher und Lippe bestätigte, haben die regionalen Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) nun auch die Niederschlagsdaten des Juni 2026 ausgewertet. Wie erwartet lagen die Gebietsmittel der Regenmengen in den Einzugsgebieten von Emscher und Lippe im Juni deutlich unter den 130-jährigen Mitteln – im Emscher-Gebiet stärker als im Lippe-Gebiet. Trotz der geringen Gesamtmengen hat es dennoch im Schnitt an 15 von 30 Tagen geregnet. An sechs Tagen haben EGLV sogar Starkregenereignisse registriert.
Im Emscher-Gebiet fielen im Mittel 39,6 mm Niederschlag (130-jähriges Mittel = 74 mm; ein Millimeter entspricht einem Liter pro Quadratmeter). Im Lippe-Gebiet liegt das Gebietsmittel über 20 mm höher. Trotzdem bleibt die Menge deutlich unter dem langjährigen Mittel. Dort fielen im Juni 61,2 mm Niederschlag (130-jähriges Mittel = 71 mm). Die Gewitterlagen trafen das Lippe-Gebiet öfter und kräftiger als das Emscher-Gebiet. Insgesamt registrierten Emschergenossenschaft und Lippeverband im Juni an sechs Tagen Starkregenereignisse.

Die Monatsmengen liegen in den Verbandsgebieten zwischen 31,3 mm Niederschlag an der Station Pumpwerk Bottrop-Eigen und 80,8 mm an der Station Kläranlage Haltern-Mitte in der Stadt Haltern am See. Die großen Unterschiede ergeben sich durch die lokalen Gewitter. Die höchste Tagessumme wurde im Juni am 20.6. erreicht. An diesem Tag fiel an der Station Kläranlage Haltern-Mitte eine Niederschlagsmenge von 28,7 mm. Die höchste Tagesmenge im Emscher-Gebiet wurde in Duisburg-Aldenrade erreicht: Am 4.6. fiel an der Station Pumpwerk Duisburg-Hülsermanngraben eine Tagessumme von 15,4 mm.

Auswertung der Temperaturdaten
Emschergenossenschaft und Lippeverband erfassen permanent nicht nur die Niederschlagsdaten und Wasserstände in ihren Gewässern, sondern auch die Temperaturen in ihren Einzugsgebieten. Ganz aktuell haben die Wasserwirtschaftler*innen von EGLV die Daten aus der zweiten Hälfte des Juni 2026 unter die Lupe genommen und konkret auf Sommertage, heiße Tage und Wüstentage heruntergebrochen. Der beobachtete Zeitraum war von einer äußerst intensiven Hitzephase geprägt.

Im Betrachtungszeitraum vom 15. bis zum 30 Juni lag seit dem 16. Juni die tägliche maximale Lufttemperatur über 25 Grad Celsius, was der allgemeinen Definition nach sogenannten „Sommertagen“ entsprach.

Im Zeitraum zwischen dem 18. Juni und dem 28. Juni – und damit an gleich elf Tagen in Folge – betrug die tägliche maximale Lufttemperatur mindestens 30 Grad Celsius, meistens aber sogar noch deutlich mehr. Diese Werte werden als „heiße Tage“ definiert. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kann bereits ab drei aufeinanderfolgenden heißen Tagen von einer „Hitzewelle“ gesprochen werden – bei elf solcher heißen Tage war die Hitzewelle damit mehr als belegt.

Zwischen dem 24. Juni. und dem 27. Juni betrug die tägliche maximale Lufttemperatur sogar entweder mindestens 35 Grad Celsius oder mehr – diese Werte definieren einen „extrem heißen Tag“ bzw. „Wüstentag“.

Als absolutes Temperaturmaximum wurden am 26. Juni gleich an vier Stationen von Emschergenossenschaft und Lippeverband – und zwar in Bottrop, Dinslaken, Dülmen und Hamm – ein Wert von 39,4 Grad Celsius erreicht. Dieser Wert ist der höchste Juni-Wert, den EGLV an ihren Stationen bisher aufgezeichnet haben. Insgesamt betrachtet handelt es sich um den dritthöchsten Maximalwert nach 41,4 Grad Celsius am 25. Juli 2019 und 39,7 Grad Celsius am 8. August 2003.

Hohe Temperaturen können negative Folgen für Böden und Gewässer haben. In Flüssen und Bächen kann es durch die Gefahr von Niedrigwasserständen zu einer Reduzierung des Sauerstoffgehaltes kommen, was aquatische Lebewesen beeinträchtigen könnte. Eine Austrocknung von Böden kann wiederum zur Folge haben, dass diese bei plötzlich auftretendem Starkregen kein Wasser aufnehmen können, wodurch die Überflutungsgefahr steigt. Die nun im Juni beobachteten – und ohne Zweifel auch gefühlten – Temperaturentwicklungen bekräftigen einmal mehr die Erfordernis, das Schwammstadt-Prinzip in der Region umzusetzen und die Städte und Kreise in der Emscher-Lippe-Region klimaresilient zu gestalten. Wenn es einmal regnet, dann sollte dieses Wasser nicht in der Schmutzwasserkanalisation landen, sondern vor Ort versickern oder in Gewässer abgeleitet werden. Auf diese Weise würden die Wasserkörper (Grundwasser, Flüsse und Bäche) und Böden gestärkt und an die Folgen des Klimawandels angepasst – sie wären künftig resilienter und weniger anfällig bei heißeren Temperaturen.

Zahlreiche Projekte für ein nachhaltiges Regenwassermanagement setzen Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit ihren Mitgliedskommunen unter dem Dach der Zukunftsinitiative Klima.Werk um. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.klima-werk.de.

Emschergenossenschaft und Lippeverband
Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) sind öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen, die als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip leben. Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 2.000 Beschäftigte und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken (rund 782 Kilometer Wasserläufe, rund 1533 Kilometer Abwasserkanäle, mehr als 500 Pumpwerke und 59 Kläranlagen). www.eglv.de