| Energiewende kann mit Aquathermie gelingen – Informationsveranstaltung von Emschergenossenschaft und Lippeverband zu Potenzialen der Wärmegewinnung |
| Duschen, Kochen, Putzen – alltägliche Vorgänge, bei denen jedes Mal Abwasser anfällt. Was dann in den unterirdischen Kanälen verschwindet und am Ende in der Kläranlage landet, ist weit mehr als ein Abfallprodukt: Der stetige Strom an Abwasser ist besonders aufgrund seiner konstant hohen Temperatur eine verlässliche Energiequelle. Bisher spielt Abwasser in der Debatte zur Energiewende noch eine untergeordnete Rolle. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Abwasser wird es immer geben. Es ist eine lokale, sichere, regenerative und langfristig verfügbare Energiequelle und unkompliziert nutzbar. Über all diese Vorteile der als Aquathermie bezeichneten Abwasserwärmenutzung informierten Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) am Mittwoch in Bochum unter anderem Vertreter*innen aus der Wohnungswirtschaft, der Politik sowie von Stadtwerken. |
| „Mit seiner hohen Bevölkerungsdichte und der daraus resultierenden Dichte des Kanalnetzes in Verbindung mit mehreren Großkläranlagen ist die Emscher-Lippe-Region wie keine andere Region in Deutschland dafür geeignet, mit Abwasserwärme zu heizen. Mehrere Hundert Kilometer dieses dichten Kanalnetzes gehören Emschergenossenschaft und Lippeverband – und jeder unserer Kanäle ist eine potenzielle Wärme-Autobahn. Wenn nur zehn Prozent der potenziellen Abwasserwärme genutzt würden, könnte unser Kanalnetz den Wärmebedarf einer mittelgroßen Stadt mit zirka 30.000 Einwohner*innen decken. Betrachtet man zusätzlich auch noch unsere rund 60 Kläranlagen, fällt das Wärmepotenzial noch einmal deutlich größer aus“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband.
Nicht nur ökologisch liegt hier also ein Schatz, den es zu heben gilt. Auch ökonomisch ist die Abwasserwärmenutzung eine ernst zu nehmende Alternative zu fossilen Energieträgern und liefert zuverlässig ein hohes Wärmepotenzial. Vor allem die Kommunen stehen aktuell vor dem Hintergrund hoher Energiepreise vor der Herausforderung, eine Wärmeplanung aufzustellen. Abwasserwärme kann einen nachhaltigen und effizienten Baustein eines ganzheitlich betrachteten, kommunalen Wärmekonzepts bilden. Insbesondere für Abnehmer wie Seniorenwohnheime, Bäderbetriebe oder Kläranlagenbetreiber ist Aquathermie eine sinnvolle Möglichkeit, sich von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen. Pilotprojekt im Schwimmbad in Bochum, weiteres Projekt im Seniorenheim in Dortmund Im Jahr 2018 wurde in Dortmund eine Aquathermie-Anlage zur Wärmeversorgung des Seniorenwohnsitzes Westholz in Betrieb genommen. Die Wärme wird hier aus dem Abwasserkanal Kirchderner Graben entzogen. Das Projekt wurde von der Betrem GmbH, einer Tochtergesellschaft der Emschergenossenschaft, gemeinsam mit der Städtischen Seniorenheime Dortmund GmbH umgesetzt. Das Haus deckt nun rund 70 Prozent seines Heizwärmebedarfes und rund 80 Prozent des Warmwasserbedarfes (bei 63 Prozent CO2-Einsparung) aus Abwasserwärmenutzung. Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und Gas – die nur endlich verfügbar sind und über ihre Verbrennung klimaschädliche Emissionen mit erheblichen Folgeschäden und -kosten erzeugen – ist Abwasser fast überall und dauerhaft verfügbar und hat selbst in den Wintermonaten relativ hohe und konstante Temperaturen. Die warme Dusche, das abgegossene Nudelwasser oder die Toilettenspülung – das alles mischt sich zu einem Abwasser, das die Haushalte mit einer Durchschnittstemperatur von 25 Grad verlässt. Fließt das Abwasser durch die unterirdischen Kanäle, hat es durch die gute Isolierung des Erdreichs eine Durchschnittstemperatur von rund 10 bis 15 Grad, je nach Jahreszeit. Wird ein Wärmetauscher im Kanalrohr oder idealerweise im Ablauf einer Kläranlage installiert, überträgt er die Wärme und macht diese in Kombination mit einer Wärmepumpe für den Heizkreislauf nutzbar. Wärmegewinnung auf der Kläranlage Soest Zum Hintergrund: Eine Vielzahl kommunaler Gebäude nördlich des Paradieser Weges in Soest steht vor umfangreichen energetischen Sanierungsmaßnahmen. Aus diesem Grund haben die Stadtwerke Soest gemeinsam mit der Stadt Soest und dem Kreis Soest vereinbart, die Umsetzung eines effizienten Wärmequartiers in diesem Gebiet zu prüfen. Entlang des Paradieser Weges könnte ein neues Wärmequartier entstehen, das einen bedeutenden Schritt für die Stadt Soest auf dem Weg zu einer klimaneutralen Kommune darstellen würde. Dieses Quartier könnte weitestgehend aus regenerativen Energien gespeist werden. Einen wesentlichen Baustein könnte dabei der Lippeverband liefern, indem auf seiner Kläranlage dem gereinigten – und konstant warmen – Abwasser vor der Einleitung in den Soestbach Wärme entzogen würde, die dann in einer Wärmezentrale aufbereitet und in das neue separate Nahwärmenetz des Wärmequartiers eingespeist würde. Federführend bei dem Gesamtprojekt – Projektierung und mögliche spätere Umsetzung – sind die Stadtwerke Soest. Konzept für das Klärwerk Die Installation der Aquathermie könnte der Lippeverband parallel zu den ohnehin vorgesehenen Ausbauarbeiten auf der Kläranlage Soest umsetzen, denn das Werk erhält eine sogenannte Vierte Reinigungsstufe zur gründlicheren Elimination von Mikroschadstoffen wie zum Beispiel Medikamentenresten im Abwasser. Mitte 2030, so sehen es die aktuellen Planungen vor, soll die weitergehende Klärstufe (Ozonierung mit nachgeschalteter biologisch aktiver Sandfiltration) in Betrieb gehen. Weitere Infos auf: www.eglv.de/aquathermie Emschergenossenschaft und Lippeverband
|