Sommertour 2026 – GRÜNE & Volt besuchen Kinderschutzambulanz

„Kinderschutz ist eine Investition in die Zukunft“ 

Die Sommertour der Ratsfraktion GRÜNE & Volt hat begonnen. Wie immer in den Sommerferien besucht die Fraktion auch dieses Jahr wieder Einrichtungen, Organisationen und Initiativen in der Stadt, um sich vor Ort ein Bild der jeweiligen Arbeit zu machen.

Erste Station am vergangenen Montag war die Kinderschutzambulanz des Dortmunder Klinikums. Die Ambulanz gehört zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und ist die Anlaufstelle des Klinikums für Kinder und Jugendliche, Eltern, Angehörige, Kinderarztpraxen und Jugendämter bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Das betrifft alle Formen von Gewalt und Vernachlässigung. Dabei sind die Fallzahlen steigend, insbesondere der Vernachlässigung, emotionaler und sexualisierter Gewalt. Laut einer aktuellen Zahl des Bundeskriminalamtes registrierte die Polizei im vergangenen Jahr bundesweit 17.126 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch. Das waren 772 mehr als im Vorjahr und rund 1.600 mehr als im Jahr 2021.

„Weit über 300.000 Kinder in Deutschland sind von Kindeswohlgefährdung betroffen. Das ist ein großes Problem, das nicht ignoriert werden darf. Der Schutz der Kinder steht für uns in der Ambulanz an erster Stelle und ist eine Investition in die Zukunft. Es ist wichtig, die Gefahren für die Entwicklung eines Kindes oder eines Jugendlichen zu erkennen, abzuwenden und aufzuklären. Deshalb darf an der Diagnostik und Behandlung nicht gespart werden. Denn an den Folgen der negativen Kindheitserfahrungen leidet ein Kind meist ein Leben lang“, erläuterte Prof. Dr. Dominik Schneider, Leiter der Kinderklinik Dortmund, während des Besuchs die Bedeutung der Kinderschutzambulanz, die inzwischen die zweitgrößte nach der Ambulanz in Datteln ist.

Die Kinderschutzambulanz versteht sich als Kinderschutzeinrichtung unter ärztlicher Leitung mit einem multiprofessionellen und interdisziplinären Team. In der Einrichtung arbeiten medizinische Fachkräfte, Psycholog*innen sowie Sozialarbeiter*innen, allerdings auf zu wenig vollzeitverrechneten Stellen. Denn die Zahlen der betroffenen Kinder steigen. Neben den in der Ambulanz behandelten Kinder gibt es darüber hinaus ein großes Dunkelfeld.

Dr. Linda Schonger ist die leitende Oberärztin der Kinderklinik: „In unserer Arbeit führen wir zunächst eine multiprofessionelle, möglichst ambulante Diagnostik durch. Dabei ist für uns ein klarer Grundsatz, dass wir alles ernst nehmen, was die Kinder während der Diagnostik berichten. Wann immer möglich, werden die Sorgeberechtigten dabei mit einbezogen. Wenn Kinder Gewalt, Misshandlung, Missbrauch, Vernachlässigung oder emotionale Misshandlung erleben, brauchen sie und ihre Familien und Angehörigen Hilfe. Neben der unmittelbaren Hilfe und dem Schutz des Kindes steht bei uns deshalb auch eine weiterführende Beratung und Anbindung im Vordergrund.“

Ein großes Problem sind aus Sicht der Kinderschutzambulanz allerdings oft die aus den Diagnosen resultierenden fehlenden Konsequenzen. Ein Grund dafür sind oft mangelnde Ressourcen, insbesondere auch bei der therapeutischen Anbindung und den Möglichkeiten pädagogischer Unterstützungsmaßnahmen für die Familien.

„Eine große und wichtige Rolle spielt dabei auch die Arbeit der Jugendhilfedienste. Wir wissen um die schwierige und belastende Arbeit der dort arbeitenden Kolleg*innen und die personell sehr angespannte Situation. Es darf aber nicht sein, dass die Zukunft der betroffenen Kinder an einer mangelnden Ausstattung der notwendigen Hilfen Schaden nimmt. Da müssen und wollen wir politisch noch mal genauer hinschauen, wie das verändert werden kann“, bewertet Christoph Neumann, Sprecher der Fraktion GRÜNE & Volt, die Situation.

Positiv ist, dass sich absehbar in den kommenden Jahren die räumliche Situation der Kinderklinik deutlich verbessern wird. Denn im Frühjahr des kommenden Jahres soll der lange geplante und notwendige Neubau der Klinik beginnen. Christoph Neumann: „Als Fraktion unterstützen wir diese Entscheidung sehr und freuen uns über diese große Investition in die Zukunft der Dortmunder Kinder. Finanziert wird der Neubau der Kinderklinik mit 50 Millionen Euro der Stadt sowie rund 70 Millionen Euro aus Landesmitteln. Der verbleibende Anteil soll mit Eigenmitteln und Spenden gedeckt werden. Dortmund erhält dann eine Kinderklinik nach modernstem Standard.“

Problematisch bleibt allerdings die Gesamtfinanzierung der Kliniken. Durch das aktuelle GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz der Bundesregierung wird sich die Situation weiter verschärfen. Dabei werden auch gravierende Auswirkungen im Bereich der psycho-therapeutischen Versorgung und bei den Krankenhäusern erwartet. Es ist zu befürchten, dass bundesweit über 100 Kliniken schließen müssen. Das Dortmunder Klinikum erwartet für das kommende Jahr ein Defizit von 25 Millionen Euro.

Prof. Dr. Dominik Schneider wird als Leiter der Kinder- und Jugendklinik gegen Ende des Jahres die Einrichtung verlassen und den Neubau nicht mehr in Dortmund erleben.

„Unser Leitbild aber bleibt: Jedes Kind hat ein Recht auf ein gewaltfreies, sicheres und geschütztes Leben. Und ihre Rechte müssen dabei weiter gestärkt werden. Deshalb würde ich mir insbesondere auch als Kinderarzt wünschen, dass endlich alle gesellschaftlichen Prozesse aus Sicht der Kinder gesehen und Kinderrechte wie ihr Schutz, ihre Förderung und ihre Beteiligungsmöglichkeiten ins Grundgesetz aufgenommen werden“, so Dominik Schneider abschließend während des Besuchs von GRÜNE & Volt.