Meine Leihmutter
Von Peter Grohmann
Jede ist ihres Glückes Schmied. Das könnte eine Chance für Sozialhilfe- oder Bürgerkriegs-Empfängerinnen sein, die naturgemäß links vom Wohlstand stehen. Die wg. der maroden Finanzen gekürzten Leistungen ließen sich bei einer Leihmutterschaft erfolgreich kompensieren – ganz abgesehen davon, dass frau ja nicht nur einmal als Leihmutter auftreten muss.
Die Leihmutterschaft als Geschäftsmodell erfreut sich daher etwa in der Ukraine großer Beliebtheit, gefolgt von Georgien und Mexico.
Ich selbst hatte ja schon mit acht Jahren eine vielversprechende eigene Leihmutter: Meine leibliche Mutter war für ’nen Teller Suppe und ein Bröckele Brot 1945 als Trümmerfrau zwangsverpflichtet unterwegs. Nach dem Steinekloppen musste sie für meinen Bruder Ingo (3Jahre) und mich was zu Futtern organisieren. Da wir den lieben langen Tag ja nicht mutterseelenallein bleiben konnten (Tote und Trümmer, Russen, Juden, Nazis, Flüchtlinge, Kriminelle und Kälte von früh bis spät), hatte meine Mutti eine bissel humpelnde Frau aus der übriggebliebenen Nachbarschaft engagiert, mit Nummer auf’m Arm.
Tante Gilla durften wir sagen. Es war wie eine echte Wertegemeinschaft. Die Tante passte „für ein‘ Appel und ’n Ei“ tagsüber auf uns und die Wohnung auf, wegen Räubern. Und damit das Feuer nicht ausging. Manchmal brachte Tante Gilla bissel Holz mit und wenn wir Glück hatten ein Renftel. Es war hundekalt. Wenn dann die Mutti abends heime kam, packte sie aus und teilte. „Dassde nich vergißt, Peta: Teilen lohnt sich. Und tauschen,“ sagte sie – ganz die Omi Glimbzsch aus Zittau!
Sie hatte halt so ihre Erfahrungen. Eine Handvoll Kartoffeln, ein-zwei Zwiebeln, ein halbes Pfund Grütze (vom Russen), Talg, wenn’s hochkommt. Salz hatten wir selber. Geht doch! Tagsüber erzählte uns Gilla von der Judenschule und wie’s da zugeht und von Buchenwald – machmal sang sie für uns das Lied von den zwei Katzen auf Polnisch und weinte und wir mussten Gilla trösten. Ich war doch erst acht.
In Ceuta haben die Katholischen ja dieser Tage das übriggebliebene Brot in Sicherheit bringen müssen, als die Flüchtlingsflut kam. Und anschließend sah es in den Ceuta furchtbar aus.
Überall Dreck. Naja, und die Einheimischen.