Hurra, Hurra, die Schule brennt – Eine Kolumne von Peter Grohmann

Hurra, Hurra, die Schule brennt

Von Peter Grohmann

„Hurra, hurra, die Schule brennt!“ sangen die Jungs von Extrabreit 1982 – und meine Omi Glimbzsch sang in Zittau illegalerweise mit, wenn sie mit der Schmalspurbahn von Zittau in ihren Geburtsort Oybin fuhr. Da war doch was! Grenznähe, frisches Gemüse und die DDR-Volkskammer hatte eben das „Gesetz zur Grenzsicherung“ verabschiedet: Scharfes Schießen auf Flüchtlinge legal. Kennt man. In Frankreich brennt’s angeblich an allen Ecken und Enden der Gesellschaft: Vermummt, verkatert, verraten und verkauft ruft die Republik um Hilfe. Niemand da. Ah, doch!

Republikanische Sicherheitskompanien, scharfe Hunde gegen Kinder! Tunichtgute, Links-semiten, Migrantinnen mit Schleier, Populisten und Faschisten geben sich ein Stelldichein vor den Schule, samt Stoßtrupps der extrême droite. Der eine oder die andre hier schnuppert schon die Luft der Revolution, die aus der Schule plaudert.
Doch wo auch immer sie seinerzeit ihrer Sache sicher und siegreich war, wurden oft und zuerst Außenseiter und Querdenker aus den eigenen Reihen kalt oder an die Wand gestellt.

Die Idee, dass das heutige demokratische System und die Republik und der ganze Laden hier wie dort viel besser sein müßten, ist ein alter Hut. Um den aufzusetzen, braucht ’s offenbar überzeugendere Antworten selbst auf dumme Fragen – und keine faulen Ausreden: „Wir wären gut, anstatt so roh, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so“ (Herr Peachum zu Herrn Brecht).

Überm großem Wasser sind die Gotteskrieger auf dem Vormarsch, sie machen die letzten Indianer mundtot. Die Demokratie prüft und prüft mit dem Rücken zur Wand, die bürgerliche Mitte starrt wie ein hypnotisiertes Huhn auf die Kometen der Neo-Nazis und richtet Kindergeburtstage aus. Der kleinere Rest vom Fest und alles, was nicht Mitte sein mag, will die ‚Faschisten schlagen, wo ihr sie trefft‘ und fragt treuherzig, was man denn um Gottes Willen (noch) alles tun muss. „Man“ ist sich im Grunde komplett uneinig in wichtigen Fragen, sprich: eher nicht bereit, mit liberalen Scheißern für „dieses Land“ auf die Straße zu gehen.

Soviel müßten wir aber von unseren Lehrkräften mitbekomme haben: Diese Haltung war (siehe Babylon) das Ende der Weimarer Republik. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, schrieb Bruno Balz 1939 den Nazis ins Stammbuch. Das Lied wurde der Hit für Diktatur und Krieg, ab ’42 sang man dann “Davon geht die Welt nicht unter…“. Baltz musste das Maul halten – er verschwand sang- und klanglos.