Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

BBSR-Studie: Mehrheit der Großstadtbewohne
ist mit ihrem Wohnumfeld zufrieden

 Die große Mehrheit der Menschen in deutschen Großstädten ist mit ihrem Wohnumfeld zufrieden. Rund 70 Prozent der Befragten bewerten ihr Wohngebiet als „eher gut“ oder „sehr gut“. Allerdings unterscheidet sich die Zufriedenheit deutlich zwischen einzelnen Stadtteilen und Bevölkerungsgruppen. Das zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Besonders groß sind die Unterschiede je nach sozialer Lage des Stadtteils. In Quartieren mit einer niedrigen SGB-II-Quote beurteilen 93 Prozent der Befragten ihr Wohngebiet positiv. In Stadtteilen mit einer hohen SGB-II-Quote trifft dies nur auf 47 Prozent zu. Auch eine hohe Fluktuation wirkt sich aus: In Stadtteilen mit wenigen Zu- und Fortzügen bewerten mehr als 80 Prozent ihr Wohnumfeld positiv. Bei mittlerer oder hoher Fluktuation sind es jeweils rund 70 Prozent.

„Die insgesamt hohe Zufriedenheit ist eine gute Nachricht. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lebensbedingungen innerhalb der Großstädte sehr unterschiedlich sind“, sagt BBSR-Leiter Peter Jakubowski. „Gerade in sozial benachteiligten Quartieren treffen häufig mehrere Belastungen zusammen. Wer dort lebt, hat auf dem Wohnungsmarkt oft weniger Wahlmöglichkeiten.“

Als Datengrundlage dienten Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2024. Das BBSR verknüpfte sie mit kommunalstatistischen Daten der Innerstädtischen Raumbeobachtung (IRB). Dadurch lassen sich die Einschätzungen der Befragten mit den sozialen, demografischen und baulichen Merkmalen ihrer Stadtteile in Beziehung setzen.

Zufriedenheit unterscheidet sich nach Einkommen und Wohnort

Neben dem Wohnort spielt die persönliche Lebenslage eine wichtige Rolle. Von den Befragten mit hohem Haushaltseinkommen bewerten 74 Prozent ihr Wohngebiet positiv. Bei mittleren Einkommen sind es 63 Prozent, bei niedrigen Einkommen 48 Prozent. Vergleichbare Unterschiede zeigen sich beim Bildungsabschluss. Dagegen fallen die Abweichungen zwischen den Altersgruppen sowie zwischen Frauen und Männern gering aus.

Auch die Bebauung steht mit der Zufriedenheit in Zusammenhang. In Gebieten mit freistehenden Einfamilienhäusern bewerten rund 90 Prozent der Befragten ihr Wohnumfeld positiv. In Mehrfamilienhausgebieten sind es knapp 62 Prozent, in Gebieten mit gemischter Bebauung rund 40 Prozent. Die fußläufige Erreichbarkeit von Geschäften und Hausarztpraxen macht in der deskriptiven Auswertung dagegen kaum einen Unterschied für die Bewertung des Wohnumfelds.

Große Unterschiede bei wahrgenommenen Umweltbelastungen und Zusammenhalt

 Deutlich wirken sich auch wahrgenommene Umweltbelastungen aus. Von den Befragten, die sich nicht oder nur gering durch Lärm beeinträchtigt fühlen, bewerten 71 Prozent ihr Wohngebiet positiv. Bei starker oder sehr starker Lärmbelastung sind es 46 Prozent. Bei einer starken Belastung durch Luftverschmutzung sinkt der Anteil auf 36 Prozent. Wer einen erheblichen Mangel an zugänglichen Grünflächen wahrnimmt, beurteilt sein Wohnumfeld ebenfalls deutlich seltener positiv.

Besonders deutlich hängt die Zufriedenheit mit dem sozialen Miteinander und dem Sicherheitsgefühl zusammen. Bei einem relativ engen Zusammenhalt in der Nachbarschaft bewerten 83 Prozent der Befragten ihr Wohngebiet positiv. Wo sich die Nachbarinnen und Nachbarn kaum kennen, sind es 49 Prozent. Wer sich in seinem Wohngebiet sicher fühlt, bewertet es deutlich häufiger positiv: Der Anteil liegt bei 73 Prozent. Unter denjenigen, die sich unsicher fühlen, sind es nur 27 Prozent.

„Ein gutes Wohnumfeld entscheidet sich nicht allein an Gebäuden und Straßen“, sagt Jakubowski. „Grünflächen, weniger Lärm, sichere öffentliche Räume und Orte für Begegnung prägen den Alltag der Menschen unmittelbar. Hier liegen konkrete Ansatzpunkte für eine soziale und kleinräumig ausgerichtete Stadtentwicklung.“

Nach Einschätzung des BBSR sollten Kommunen die Situation in einzelnen Quartieren kontinuierlich beobachten und die Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig befragen. In benachteiligten Stadtteilen könnten Investitionen in Grünflächen und öffentliche Räume, Maßnahmen zur Lärmminderung, die Erneuerung von Gebäuden sowie Quartiersmanagement und Nachbarschaftsinitiativen die Lebensbedingungen verbessern.

„Pauschale Lösungen werden der Vielfalt der Stadtteile nicht gerecht“, sagt Jakubowski. „Entscheidend ist, Belastungen kleinräumig zu erkennen und dort anzusetzen, wo mehrere Nachteile zusammenkommen. Städtebauförderung kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten – besonders dann, wenn auch finanzschwache Kommunen die Angebote nutzen können.“

Die Studie weist darauf hin, dass die Ergebnisse Zusammenhänge beschreiben, aber keine Aussagen über Ursache und Wirkung erlauben. Angaben zu Lärm, Luftverschmutzung, Grünflächen oder Sicherheit beruhen auf den persönlichen Einschätzungen der Befragten.

Die Studie „Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld in Großstädten – eine Frage des Wohnorts?“ steht auf der Website des BBSR zum Download bereit:

https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2026/zufriedenheit-wohnumfeld-grossstaedte.html