Kurz & bündig – Eine Kolumne von U. LANG *

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Wieviel Risse verträgt ein Kernkraftwerk und was hat diese Frage mit der
Betrugssoftware  der Autoindustrie zu tun?

Im augenblicklichen G 20 -Trubel geht völlig unter, dass es Ende Juni im Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland eine Demo gegen den Betrieb der Schrottkernkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 gab. Diese Meiler stehen vor allem wegen der Risse in ihren Reaktordruckbehältern in der Kritik. Anfangs wurden bei Ultraschalluntersuchungen Tausende feine wenige Millimeter große Risse an den Behältern entdeckt. Inzwischen sind Risse von bis zu 17,2 Zentimetern dokumentiert. Brände und Ausfälle von Kühlwasserpumpen haben mehrfach zur Notabschaltung der Reaktoren geführt.

Das alles ändert nichts: Die Kraftwerke gehen weiterhin ans Netz.
Mehr als 50.000 besorgte BürgerInnen haben kürzlich eine Menschenkette gebildet und die dauerhafte Abschaltung der Meiler gefordert. 50.000 hört sich zwar viel an, aber wenn man darüber nachdenkt, wer alles aus der näheren und weiteren Umgebung  dieser Kernkraftwerke bei einem Unfall betroffen sein  könnte,  dann ist diese Zahl im Grunde genommen lächerlich gering.

Es fehlt mir im Augenblick die Fantasie mir auszumalen, was im Ruhrgebiet passiert, wenn es in den belgischen Kernkraftwerken mal richtig knallen sollte.

Vielleicht hat das alles mit einer nicht erklärbaren Irrationalität im Umgang mit Technik zu tun. Das Auto z.B., das lieben die Deutschen über alles. Wenn das mal einen Kratzer bekommt, dann scheint bei vielen die Welt unter zu gehen. Mit diesem besorgten Umgang eines einfachen Gebrauchsgegenstandes ist eigentlich nicht die Gelassenheit zu vereinbaren, mit der die Bevölkerung auf die Betrugs-Software der Autoindustrie reagiert. Es ist schwer verständlich, dass über Jahre hinweg die Hersteller ihre Kunden betrogen und ausgetrickst haben. Das Kraftfahrt-Bundesamt hätte vom Gesetz her für Klarheit sorgen und den Betrug verhindern müssen.

Was ich sagen will: Das geringe Interesse der Öffentlichkeit an der Beseitigung der Missstände ist ärgerlich, aber die Untätigkeit des Staates als Kontrollinstanz ist nicht zu entschuldigen. Könnte es sein, dass die Politik mehrheitlich zunächst die Interessen der Wirtschaft im Auge hat und erst danach auf die Bedürfnisse der BürgerInnen reagiert. Wenn es so wäre und dafür spricht vieles, dann darf man sich über zunehmende Politikverdrossenheit nicht wundern.

*  Uli Lang ist Chef des Hotel-Restaurants Mengeder Volksgarten. Er war lange Jahre in Nette Inhaber der “Sportklause”, bevor er Anfang 2015 den Mengeder Volksgarten übernommen hat. Als Hotelier, aber vor allem als “Budiker” kommt er mit vielen Menschen zusammen, Menschen die meist auch eine Meinung zum Tagesgeschehen haben – egal, ob es sich um Kunst und Kultur, Sport oder Politik handelt. Wer soviel hört, weiß auch viel zu erzählen.
MENGEDE:InTakt! hat ihn gebeten, in unregelmäßigen Abständen unter der Überschrift: “Kurz & bündig” eine Kolumne zu verfassen.

 

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