Bodendenkmäler im Stadtbezirk – Wachgeküsst aus dem Dornenschlaf

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Haus Mengede Juni 2015

Haus Mengede an der Emscher ist Denkmal des Monats September

Wer heute von der Siegenstraße zur Schaphusstraße – oder umgekehrt – am Südufer der Emscher spazieren geht oder fährt, kommt zwangsläufig an einem besonderen Grundstück vorbei. Hier sind noch die Mauerreste der im 13. Jahrhundert gebauten Burg Haus Mengede zu sehen. Das Gebäude bestand bis zum Jahr 1968, ehe es aus heutiger Sicht aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgerissen wurde.

Offensichtlich hat dabei fehlendes Bewusstsein für den Erhalt derart geschichtsträchtiger Gebäude eine Rolle gespielt,

Haus Mengede 1992 Foto: Denkmalbehörde

vermutlich aber auch der damalige Wahn, das an das Widum angrenzende Gelände um die evgl. St. Remigius Kirche und damit um den alten Mengeder Ortskern auf keinen Fall aufzuwerten.

In der Zwischenzeit sah man dem Grundstück an, dass sich niemand dafür verantwortlich fühlte. Die verbliebene Bauruine verfiel zusehends, Birken und Sträuchern breiteten sich dort aus.

Doch inzwischen wurden große Teile des Bodendenkmals restauriert, zusätzlich wurden Pläne für die Sicherung und Nutzung entwickelt und diskutiert – für die Denkmalbehörde Dortmund ein geeigneter Anlass, das Haus Mengede als Denkmal des Monats September vorzustellen. In dem Bericht, den die Denkmalbehörde aus diesem Anlass herausgegeben hat, ist folgendes zu lesen:

Knöterich und Trinkgelage
„Bereits Mitte der 1990er Jahre waren die historischen Mauern von Haus Mengede schon einmal restauriert worden. Doch in den folgenden zwei Jahrzehnten verfiel die Burgruine wieder“, erinnert Dr. Henriette Brink-Kloke, Leiterin der Denkmalbehörde Dortmund. Brombeerranken bedeckten die Mauern, japanischer Knöterich und Birken nahmen die Innenräume in Besitz. Auch andere Gäste setzten dem Bodendenkmal erheblich zu. Die historischen Mauern wurden regelmäßig als Treffpunkt genutzt. Lockere Mauersteine dienten als neue Steinwälle oder begrenzten Feuerstätten. Der Zustand des Bodendenkmals verschlechterte sich schnell. Große Teile des Natursteinmauerwerks waren abgebrochen, die Steine lagen verstreut zwischen den ursprünglich aufgehenden Mauern, Laibungen und Stürze von Maueröffnungen fehlten, und die Mauerkronen wiesen Risse und Abplatzungen auf.

Die Herren von Mengede
Etwa 750 Jahr zuvor gehörten diese Mauern zu einer Burg, die an einem strategisch wichtigen Emscherübergang lag. Denn dort querte eine von Dortmund nach Münster führende Hauptstraße die Emscher. Die Anlage bestand aus einer Haupt- und einer Vorburg in einem 120 x 80 Meter großen Hausteich. Im Schutz der Burg, die als Lehen der Grafen von Limburg an die Herren von Mengede ging, erfolgte um die alte St. Remigiuskirche die erste Ansiedlung. Unter märkischer Lehnshoheit erfuhr Mengede eine gewisse städtische Freiheit, und Haus Mengede wurde Reichshof mit Gerichtsherrschaft. Die Herren von Mengede bestimmten die Geschicke des Ortes.

Die Zeiten ändern sich
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, der Rittersitz befand sich mittlerweile im Besitz der Herren von Büren, erfuhr die Burg umfangreiche Änderungen. „Die Mauern des mittelalterlichen Bauwerks erfüllten nicht mehr den fortifikatorischen Zweck, und die kleinen Butzenscheiben waren nicht mehr en vogue. Stattdessen leistete sich mancher Adliger große, helle Fensterverglasungen, die die barocke Pracht der Wohnräume, die Gemälde und Wandtapeten, die Teppiche und das feine Porzellan zur Geltung brachten“, erläutert die Leiterin der Dortmunder Denkmalbehörde die Veränderungen. So wurden die alten Schießscharten zugemauert und große Fenster in die Mauern gebrochen, die Licht und Luft ins Innere ließen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts, der Rittersitz hatte abermals den Besitzer gewechselt, wurde er von bäuerlichen Pächtern bewirtschaftet, und die Schlossgräben wurden zugeschüttet. In den folgenden zwei Jahrhunderten fanden zahlreiche Umbaumaßnahmen statt, die im Jahr 1968 in dem Abriss des ehemaligen Herrenhauses gipfelten. Heute lässt sich die Ausdehnung der gesamten Wasserburg in der Örtlichkeit nur noch schwer nachvollziehen.

Frischer Mörtel und grauer Schotter für alte Mauern
Die kaum aufragenden Mauerreste, die bis vor einigen Jahren noch den Grundriss des Herrenhauses und stellenweise auch eine Innengliederung erahnen ließen, hatten durch Vandalismus, Witterung und Wildwuchs einen erheblichen Substanzverlust erlitten.
Es musste eine Lösung gefunden werden, um die Grundmauern des Bodendenkmals vor dem endgültigen Verfall zu schützen. Eine erste Sicherungsmaßnahme stellte die Einzäunung des Bodendenkmals dar. Nun konnte die aufwendige Restaurierung der Ruine geplant und umgesetzt werden. Bereits in den Jahren 2015-2017 waren in mehreren Abschnitten große Teile der Ruine von der Vegetation befreit und die beschädigten Mauern durch geschulte Restauratoren wieder zusammengesetzt worden. Dabei nutzten die Fachleute die herausgebrochenen Steine zur Aufmauerung. Fehlstellen wurden durch material- und farbgleiche Sandsteine ergänzt. Denkmalgerechter weicher, kalkgebundener Mörtel schließt nun die Fugen und Mauerkronen.

Neben der Restaurierung der Mauern forderte die wildwachsende Vegetation innerhalb und außerhalb der Burgruine eine Lösung, denn auch mehrmals im Jahr stattfindende Rodungsarbeiten konnten nicht verhindern, dass die Mauern mit Brombeeren und japanischem Knöterich durchdrungen wurden. In den vergangenen Wochen wurden daher verrottete Baumstümpfe und Buschwerk vorsichtig aus dem Bodendenkmal entfernt und ein wurzelhemmendes Vlies im Innenraum und entlang der Außenmauern angebracht. Grauer Schotter auf dem Vlies wirkt als betonender Kontrast für die historischen Mauern und hebt sie von der Umgebung ab.

Schafe als Denkmalpfleger?
Fast sind die Arbeiten an Haus Mengede abgeschlossen. Nur noch ein kleiner Bauabschnitt steht aus, in dem die Mauern wieder hergestellt und neu verfugt werden müssen. „Damit in Zukunft die Vegetation nicht mehr zur einer wilden Heide heranwachsen kann, sollen in regemäßigen Abständen kleine Schafe als ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger tätig werden und das frische Grün stutzen“, kündigt Dr. Brink-Kloke an. Führungen, neue Schilder und Infotafeln sollen den Besucher über den geschichtsträchtigen Ort informieren und einen Blick in die Vergangenheit geben. Denkbar ist zudem ein kleiner themengebundener Spielplatz neben dem Bodendenkmal, wo die kleinsten Besucher in die Vergangenheit klettern und rutschen können.

So sieht das Gelände heute aus:

  

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