Musik im Amtshaus 
: „Dotown Wonder Bros“

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 Soul Classics und Motown-Titel im maßgeschneiderten Jazzgewand

„Musik im Amtshaus“ bedeutet Musik der Spitzenklasse. Das wissen die Musikfreunde in Mengede und Umgebung schon lange. So war auch das dritte Konzert in der siebten Staffel der Konzertreihe in kurzer Zeit ausverkauft. Wer trotzdem glaubte, an der Abendkasse noch eine Karte zu bekommen, musste mit einem Stehplatz auf dem Flur zufrieden sein. Aber auch dieses Angebot wurde angenommen.

Schon das Wortspiel des Bandnamens ist vielsagend: „Dotown Wonder Bros“. Das Do steht für Dortmund, denn da ist die Formation zu Hause. Das gesamt erste Wort weckt Assoziationen zum legendären Motown-Sound der 60er und frühen 70er Jahre. Die englische Abkürzung Bros. steht für „Brüder“ oder „Kumpels“. Wonder wiederum zieht Verbindungen zum berühmten Soul und Pop-Sänger Stevie Wonder, wonder ist aber auch der Beginn von wunderbar. Und auf außergewöhnliche Weise wunderbare Musik präsentierte das Quartett am Samstagabend im Festsaal des historischen Mengeder Verwaltungsgebäudes.

Benny Mokross, Wim Wollner, Ingo Senst und Holger Weber (von l.)

Bereits beim ersten Stück „Ain’t That Peculiar?“, einem der schönsten Titel von Marvin Gaye, zeigten die Solisten ihre musikalische Ausrichtung. Wim Wollner (Saxophon und Klarinette), Holger Weber (Gitarre), Ingo Senst (Kontrabass) und Benny Mokross (Percussion) covern nicht einfach die berühmten Songs. Sie transformieren sie in einen mal heißen, mal cooleren Jazz. Und bringen so ihre persönliche Note mit rein. Manchmal so gekonnt, dass man das Altbekannte erst beim zweiten Hinhören oder nach längerem Rätseln entdeckt. Apropos rätseln.
Frontmann Wim Wollner, von dem nahezu alle Arrangements stammten, testete bei seiner lockeren Moderation das Publikum zwischendurch mit Quizfragen. Bei den Antworten konnte er ein gutes Gehör und erstaunliches Musikwissen feststellen. So entdeckte eine Zuhörerin bei „Ain’t she lovely“ von Stevie Wonder schwer erkennbare Passagen von Michael Jackson. Denn das ist eine weitere Spezialität der Dortmunder Jazzprofis, in das ursprüngliche Stück andere Songs kunstvoll einzuflechten.

Wenn es verschiedene Versionen eines Liedes gab, präsentierten sie beide in einer bunten Mixtur. So wurde man bei „Summer in the City“ nicht nur an das Original der „Loving Spoonful“ aus dem Jahre 1965, sondern auch an Joe Cockers Variante von 1994 erinnert. Bei „Ain’t no Mountain high enough“ (ebenfalls von Marvin Gaye) versteckten sie Erinnerungen an die viel zu früh gestorbene Amy Winehouse mit „Tears dry on their own.“
Wenn auch die Soul- und Motown-Lieder von Marvin Gaye und Stevie Wonder den Schwerpunkt des Programms bildeten, so kleideten die Musiker doch auch andere Stücke in ein von ihnen maßgeschneidertes Jazzgewand. Beispiel: Tausendmal gehört, doch nie so wie am Samstagabend: „Satisfaction“ des Rolling Stones. Da übernahmen Saxophon, Gitarre und Kontrabass den Gesangspart von Mick Jagger und Co. Selbst Balladen wie Burt Bacharachs „Look of Love“ kamen ohne Text aus. Jeder der Musiker hatte immer wieder Gelegenheit, auch in Solopartien zu glänzen. Dann wieder gab es „Zwiegespräche“ zwischen Kontrabass und Gitarre, in das sich kurz darauf die Klarinette einmischte. Besonders beeindruckend war das viereinhalb Minuten lange Schlagzeugsolo von Benny Mokross bei „Pastime Paradise“.

Wenn akustische Instrumente so gekonnt gespielt werden wie von den Dotown Wonder Bros., dann verliert die elektronische und teilweise computerkomponierte Musik ihren Stellenwert. Das nahezu einzige elektronische Zugeständnis war an diesem Abend ein antiquierter Gitarrenverstärker. Häufiger Zwischenapplaus, ein berechtigt langer Schlussapplaus des begeisterten Publikums bewies, dass die Band den Zuhörern einen aufregend spannenden Hörgenuss gepaart mit einem mitreißenden Hörspaß geliefert hatte. Natürlich ließen die Zuhörer das Quartett nicht ohne Zugabe von der Bühne. Die wurde mit dem temporeich vorgetragenen „Papa’s got a brandnew bag“ von James Brown geliefert.

Besucher Klaus Roßdeutscher urteilte: „Wie immer bei MiA erlebten wir wieder ein außergewöhnliches und inhaltlich vielfältiges Konzert. Die Übertragung in den Jazz hat den Titeln gutgetan, denn schließlich haben Jazz, Blues und Soul artverwandte Wurzeln. Für mich taten sich dabei neue Klangerlebnisse auf. Die Älteren unter den Zuhörern sind jetzt vielleicht angeregt worden, ihre alten Vinyl-Platten mit dem Original Tamla-Motown- Sound mal wieder erklingen zu lassen.“

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