Musik im Amtshaus – Opportunity

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Die Band Opportunity begeistert das Publikum im Mengeder Amtshaus

Beim vierten Konzert in der diesjährigen Reihe „Musik im Amtshaus“ am vergangen Samstag gab es

Michael Konrad

vor Konzertbeginn erst einmal eine schlechte Nachricht. „Axel Nagel von der Band Opportunity ist erkrankt“, teilte Michael Konrad vom Stadtbezirksmarketing dem Publikum im Festsaal des ausverkauften historischen Verwaltungsgebäudes mit.

 

 

„Ich könnte jetzt sagen, schön dass Sie gekommen sind, und sie dann nach Hause schicken. Machen wir aber nicht“, meinte Konrad. Und dann folgte die gute Nachricht. Nach dem Motto „The Show must go on“, hatten Marie Fontana und Gaz Brodbeck mit Wolfgang Rosner (Schlagzeug) und Klaus Dietrich (Keyboard) gleich zwei hervorragende Ersatzmusiker mitgebracht, die allerdings noch nie mit ihnen zusammen musiziert hatten. Nach nur drei Stunden Probezeit am Nachmittag zeigten sich als Meister in dem abendlichen Konzert. „Ich weiß zwar nicht, wie Axel geklungen hätte, aber vermisst habe ich ihn nicht“, resümierte  Zuhörerin Rita Heppner bereits in der Pause und sprach damit das aus, was viele dachten.

Die Solisten Marie Fofana, Wolfgang Rosner, Steve Baker, Klaus Dietrich und Gaz Dordbeck. (v.li)

Als Einstieg wählte die Gruppe „That’s not love“, das in verschiedenen Versionen existiert, der die Formation, wie bei allen folgenden Titeln, aber ihren eigenen Stempel aufdrückte. Beim zweiten Titel „How do you stop“ ergab sich das automatisch, weil ja statt der männlichen Stimme von James Brown die warme weibliche von Marie Fofana erklang. So ging es weiter, die Musiker warteten immer mit eigenen Arrangements und eigenständigen Interpretationen auf. Mit „Already home“ ertönte ein Heimat und Heimweh-Blues, ein Sehnsuchtsgefühl, das besonders in der seufzenden Harp von Steve Baker seinen Ausdruck fand. Das Lied „I don’t need no doctor“, ursprünglich von Ray Charles gesungen, hier von Gaz Brodbeck intoniert, widmeten die Musiker ihrem erkrankten, augenblicklich an Stimmverlust leidenden Vokalisten Axel, dem dank moderner Technik direkt aus dem Amtshaus ein audiovisueller Gute-Besserungs-Gruß des Publikums geschickt wurde. Mit einem Augenzwinkern präsentierte Marie Fofana „50 Ways to leave you Lover“, enthielt das Lied doch Vorschläge, von seinem oder seiner Geliebten wegzukommen mit jeder Menge skurrile Ideen und Reimspielen und einem trauermarschähnlichen Ausklang. Ganz nebenbei hatte einer der Solisten sich für den Titel auch ein sinnveränderndes Wortspiel ausgedacht: „50 Ways to love my liver“. Unter die Haut gehend war Maries Interpretation von „Time after Time“ von Cindy Lauper. Doch sie war nicht nur Sängerin, mit einfachen Percussion-Instrumenten gelangen ihr immer wieder überraschende Klangeffekte.

Für die Überraschung des Abends sorgte der Special Guest Steve Baker. Dass er einer der renommiertesten Harp-Spieler Europas ist, das war manchem im Publikum bekannt und das war auch wieder mal zu hören. In Mengede glänzte er darüber hinaus als hervorragender Gesangs-Interpret seiner jüngst erschienen Solo CD- „Perfect Getaway“. Er bot von ihm getextete und komponierte Lieder, wobei er den Vortrag zwischen den Gesangspartien immer mit Harp-Sequenzen anreicherte. Als autobiographisch beschreibt er in „Hustle on Down“ sein Auswanderungslied: „Ich habe den Brexit vor 43 Jahren schon geahnt und deshalb rechtzeitig die Koffer gepackt.“

Das Gesamtprogramm war äußerst vielseitig. Da gab es nach der Pause „The Wind cries Mary“ von Jimmy Hendricks, „Walk on the Wild side“ von Lou Reed, “Unchain my heart” von Joe Cocker und „Man in the Mirror“ von Michael Jackson. Es war eine Freude zu hören, wie gut die „Ersatzmusiker“ integriert waren, wie reibungslos der Dialog zwischen der Bassgitarre von Gaz Brodbeck und dem Keyboard von Klaus Dietrich funktionierte. Aber auch der Dialog mit den Zuhörern klappte, auch in nonverbaler Kommunikationsform. Immer wieder spürte man Bewegung in den Sitzreihen,  da wurde mitgeklatscht, Texte mitgesungen und Füße rhythmisch bewegt. Erst nach mehreren Zugaben konnten die Solisten die Bühne verlassen. 

„Trotz der individuellen Interpretationen hatten die Titel für mich einen hohen Wiedererkennungswert.“, urteilte Zuhörer Dietmar Siepmann, „Ich bin mit hohen Erwartungen heute zum Konzert gekommen. Die wurden voll erfüllt. Beeindruckt haben mich auch der ausgezeichnete Klang und die intime Atmosphäre nah bei den Solisten.“

Drei Fragen an Steve Baker

Wieviele Harps, wir Deutschen sagen ja etwas abwertend „Mundharmonikas“, haben Sie diesmal mit nach Mengede gebracht?

Normalerweise habe ich 56 im Gepäck, da ich aber mit dem Zug anreisen musste, habe ich mich auf gut zwei Dutzend beschränkt.

Steve Baker im Gespräch mit MENGEDE: InTakt!

Bei dem heutigen Konzert haben Sie uns als Sänger, Texter und Komponist überrascht. Wie kam es zu diesem neuen Betätigungsfeld?

Das ergab sich eher zufällig. Nach über 40 Jahren als reiner Musikant habe ich vor einem Jahr diese neue produktive Seite meiner Künstlerlaufbahn begonnen, meine zweite Karriere im Rentneralter.  Sie gibt mir neue Motivationen  und macht unheimlich Spaß.

Und wie arbeiten Sie?        

Immer, wenn mir etwas textlich oder musikalisch einfällt, halte ich das sofort fest, meistens auf dem Handy. Da ruht es dann eine ganze Zeit. Irgendwann wird es wieder lebendig und alles läuft zusammen.

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