Frauenpower im Stadtbezirk (13) – Monika Hohmann

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Heute:

Monika Hohmann –
Ein Gesicht Westerfildes

Westerfilde hat viele Gesichter – häufig flüchtige und vorübergehende Erscheinungen, aber natürlich auch andere, die den Ortsteil nachhaltig prägen. In der Regel bewegen die letzteren sich im politischen Raum,  sind in Vereinen, Jugendorganisationen, als Angehörige der Kirchen bzw. Glaubensgemeinschaften oder im Gesundheitswesen tätig.

All das trifft auf die Interviewpartnerin nicht zu, die wir heute den LeserInnen von MENGEDE:InTakt! vorstellen. Gleichwohl kommt – wer sich mit der Entwicklung des Ortsteils Westerfilde in den letzten Jahren beschäftigt – an ihr nicht vorbei. Monika Hohmann, um die es sich beim vorliegenden Interview handelt, ist ausgebildete  pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte und hat viele Jahre in der Schloss Apotheke in Bodelschwingh gearbeitet. Schon durch diese Tätigkeit war sie zahlreichen Menschen in Westerfilde und Bodelschwingh bekannt, bevor sie sich in den letzten Jahren durch ihr Engagement für MieterInnen in Westerfilde auch einen überörtlichen Bekanntheitsgrad erworben hat.

Doch zunächst noch etwas weiter zurückgeschaut. Monika Hohmann  kennt ihre Heimat wie ihre eigene Einkaufstasche. In der Region ist sie praktisch groß geworden und lebt auch heute noch gerne hier.
Ihre Großeltern wohnten in Mengede in der Herkulesstraße, soll heißen, sie hatte schon von klein an einen Bezug zum Dortmunder Nordwesten. Aufgewachsen ist sie in Huckarde am Rahmer Wald und in Bövinghausen.

Seit 1969 wohnt sie in Westerfilde und seit 1980 ist der Kiepeweg ihr Zuhause, d.h. seit nunmehr fünfzig Jahren lebt sie hier und hat vor allem das Auf und Ab der Wohn- und Mietsituation und damit verbunden auch die Entwicklung Westerfildes in dieser Zeit hautnah miterlebt.

Es ist hilfreich, sich die wesentlichen Daten in Erinnerung zu rufen, an denen sich aufzeigen lässt, warum ganze Stadtviertel relativ schnell einem Wandel unterzogen waren – nicht immer zum Guten. 

Ursprünglich gehörten die sog. „Zechenhäuser“ in Mengede, Nette und Westerfilde der Westfälischen Wohnstätten AG – einem Immobilienunternehmen im Ruhrgebiet. Die größte Beteiligung an diesem Unternehmen besaß zwischenzeitlich die Gelsenkirchener Bergwerks AG, Essen.
Im Jahre 1974 erfolgte  der Zusammenschluss einiger Wohnungsunternehmen – Westdeutsche Wohnhäuser AG, Rheinisch-Westfälische Wohnstätten AG, Westfälische Wohnstätten AG und Ruhrwohnungsbau zur Unternehmensgruppe Wohnstätten, später VEBA Immobilien. 1998 wurden die Veba Immobilien und die Raab Karcher AG zur Viterra AG verschmolzen.
Diese wurde 2005 von der Deutsche Annington Immobilien AG übernommen;  seit 2015 heißt das Unternehmen Vonovia.

In dieser wechselvollen Zeit haben alle neuen Eigentümer nach der Prämisse gehandelt: Nichts investieren, dennoch möglichst hohe Mieterträge erzielen und dann wieder alles mit Gewinn verscherbeln. Das muss sich für die Kapitaleigner gelohnt haben. Zu welchen Ergebnissen dieses Verhalten geführt hat, konnte in Westerfilde beobachtet werden: Die AltmieterInnen wurden herausgeekelt oder verließen freiwillig das Quartier. Eine Pflege des Wohnbestandes fand nicht statt, mit erheblichen Folgen für die Entwicklung des Ortsteils: Ein ehemals sozial intaktes Wohnquartier drohte auseinander zu fallen.

Da musste die Notbremse gezogen werden. Mit Hilfe von Programmen des Bundes und des Landes – unter dem Stichwort  „soziale Stadt“ – wurde gegengesteuert. Seit gut zwei Jahren gibt es in Westerfilde diverse Aktivitäten, die zum Ziel haben, den Zusammenhalt im Quartier und das soziale miteinander zu fördern und zu aktivieren und dabei nachhaltige Strukturen zu schaffen. Es werden unterschiedliche Projekte entwickelt, Initiativen aufgebaut, Gleichgesinnte für Aktionen zusammengebracht und für all die Aktivitäten müssen Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

Dabei spielt die Wohnungssituation natürlich eine entscheidende Rolle. Die Stadtspitze selbst kümmert sich in Gesprächen mit den Wohnungsunternehmen darum, diese „mit ins Boot“ zu holen. Ob die vielfältigen Aktivitäten nachhaltig erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall lässt sich als Zwischenfazit festhalten: Alles ist auf einem guten Weg!

Allerdings besteht Einvernehmen, dass alle Anstrengungen sicher ins Leere liefen, wenn es im Ortsteil Westerfilde & Bodelschwingh nicht Menschen wie Monika Hohmann geben würde.

Trotz ihrer langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit im Mieterbeirat Westerfilde – die ohne die qualifizierte Unterstützung des Mietervereins nicht möglich gewesen wäre –  und trotz der vielfältigen häufig negativen Erfahrungen, die sie als Betroffene aber auch als Beraterin in Auseinandersetzungen mit den Wohnungsunternehmen gemacht hat, ist sie optimistisch, dass sich die derzeitigen gemeinsamen Anstrengungen lohnen werden. 

Die negative Entwicklung des Quartiers, in dem sie ja seit 50 Jahren wohnt, liegt nach ihrer Überzeugung an einem grundsätzlichen Übel:  Die bedingungslose Überlassung des Wohnungsmarktes an die auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wohnungskonzerne.

Um grundsätzliche Verbesserungen erzielen zu können, müssten sich die Kommunen nach ihrer Meinung wieder stärker in kommunalen Wohnungsunternehmen engagieren. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, eine soziale Mietpolitik umzusetzen; durch ein kommunales Vorkaufsrecht könnten spekulative Wohnungsverkäufe verhindert und der öffentliche Wohnungsbestand gestärkt werden. Zudem müsste der Verkauf öffentlicher Grundstücke an Wohnungskonzerne gestoppt werden.
Dies alles würde  aus ihrer Sicht einfacher und erfolgreicher zum Ziel führen, als eine derzeit im politischen Raum diskutierte Enteignung der Immobilienkonzerne.

Eine andere Politik ist aus ihrer Sicht möglich und Dortmund scheint nach ihrer vorsichtigen Einschätzung auf einem guten Weg zu sein.
Sollten die derzeitigen Ansätze konsequent weiterverfolgt werden, ist das sicher auch ein Verdienst von Menschen im Quartier, die sich wie Monika Hohmann hartnäckig und unbeirrt für ein soziales Miteinander einsetzen.

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MENGEDE:InTakt!​ hat Monika Hohmann gebeten, den (aktualisierten) Fragebogen von ​Marcel Proust*​ auszufüllen. Hier ist das Ergebnis:
Ihr Motto/Leitspruch?
Jeder Tag bringt auch was gutes Neues
Ihr Hauptcharakterzug?
Beharrlichkeit
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Gedanken lesen
Was verabscheuen Sie am meisten?
Taktieren, hinhalten
Ihr Interesse an Politik?
Gross, bilde mir dann meine eigene Meinung
Glauben Sie Gott sei eine Erfindung des Menschen?
Nein
Welche Reform/Erfindung bewundern Sie am meisten?
Krebsforschung
Mit wem möchten Sie an einer Hotelbar ein Glas Wein trinken und dabei worüber reden?
Ralf Rossa, Ballett
3 Dinge, die Sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden?
Mann, Hund, Bücher
Sommer oder Winter?
Beides
Ihre Hobbies?
Lesen, Camping
Film oder Buch?
Buch
Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Gegen die Angst
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Kristin Lavranstochter
Ihre Lieblingsmusik?
Pete Wyoming Bender
Ihre Lieblingsblume?
Akelei
Ihr Lieblingstier?
Enzo, mein Hund
Essen & Trinken hält Leib und Seele zusammen – auch bei Ihnen? Wenn ja, was ist es?Kartoffelsalat, Bratkartoffeln
* Der Fragebogen von Marcel Proust
Was denken und fühlen bekannte Zeitgenossen? Diese Fragen faszinierten die Menschen schon immer. Vorbild für diese Fragen ist der wohl bekannteste Fragebogen, der den Namen des französischen Schriftstellers Marcel Proust (1871-1922) trägt. Dieser hat ihn aber nicht entworfen, sondern nur ausgefüllt, das heisst, genau genommen sogar zweimal: Einmal als 13-jähriger auf einer Geburtstagsparty. Dann im Alter von etwa 20 Jahren einen ähnlichen Fragebogen, dem er selber den Titel «Marcel Proust par lui-même» («Marcel Proust über sich selbst») gab. Berühmt wurden die Fragen durch Publikationen z. B. in der FAZ. MENGEDE:InTakt! hat den Fragebogen etwas aktualisiert.
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