Was macht eigentlich …

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Manfred Riechert

Obige Frage impliziert einen Fehler! Denn richtiger wäre es, wenn man fragen würde: „Was macht eigentlich Manfred Riechert nicht?“ So vielfältig sind seine Interessen, seine Aufgaben und seine selbstauferlegten Pflichten, dass es schwer fällt, sie alle aufzuzählen. So wie sie Weltbevölkerung fast zwei Erden bräuchte, damit die Ökosysteme sich regenerieren können, benötigte Manfred Riechert mindestens drei Leben, um den hochgesteckten Ansprüchen an sich selbst gerecht zu werden. Was ist bei ihm Arbeit, was Hobby, was Pflicht, was uneigennützige Hilfsbereitschaft? Die Abgrenzung ist kompliziert und die Wertung ebenfalls.

Alter ist für Manfred kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Da ist natürlich der Sport, dem er sich seit seiner Jugend hingegeben hat. Als aktiver Handballer begann er beim BVB, dann aber, nach seinem beruflich bedingten Wechsel zum Sozialamt ins Mengeder Amtshaus, fand er seine sportliche Heimat im TV Mengede. Seine Aufgeschlossenheit machte es ihm leicht, zügig mit den neuen Sportkameraden engere Kontakte zu knüpfen. Kontakte, die sich recht bald in Freundschaften vertieften. So war es zum Beispiel üblich, dass er in seiner Funktion als stellvertretender Standesbeamter auch am Samstag das Amtshaus aufschloss, um je nach Erfordernis mit salbungsvollen Ansprachen seinen heiratswilligen Schützlingen das Ja-Wort abzunehmen.

Als Abwehrspezialist war er im Handballteam natürlich hochwillkommen. Später, nach seiner erfolgreichen Ausbildung zum Übungsleiter, betreute er zunächst mit großem Erfolg die Vereinsjugend, ehe er dann mit der 1. Herren-Mannschaft bis in die Landesliga aufsteigen konnte.

Aufstieg in die Landesliga

Seine Handball-Begeisterung teilt er mit seiner Familie, die mit ihm ihren geografischen Lebensmittelpunkt in der Mengeder Heide gefunden hatte. Thea, seine Ehefrau, gehört als ehemalige Auswahlspielerin zu den Gründerinnen des TVM-Damenteams, Sohn Dirk war in seiner aktiven Phase wichtiger Akteur bei den Handball-Herren und auch für Tochter Silke kam als Sportart nur das Spiel mit dem kleineren Lederball infrage. Dass sie, inzwischen wohnhaft in Schleswig-Holstein, mit Uwe einen Handballer des TV Mengede heiratete, darüber hinaus ihre Tochter Anne ebenfalls mit dem Handball-Gen infizierte, macht Opa Manfred mächtig stolz.

Manfred Riechert hielt sich selbst mit langen Wald-und Geländeläufen fit und noch heute, im immerhin 83. Lebensjahr, ist er der älteste aktive Teilnehmer beim Lauf in Mengede. Auch in der Riege aller Übungsleiter im TV Mengede ist er schon lange der Älteste. Auf sein Kommando hören die Mitglieder einer Sportgruppe mit der schmeichelhaften Bezeichnung „Männer über 50“. Schmeichelhaft deswegen, weil die meisten von ihnen auch schon lange die 60, 70 oder 80 überschritten haben. Sie folgen ihm, der als einziger ohne weiche Turnmatte auf dem harten Parkett agiert, mehr oder weniger willig und haben Mühe, den von ihm vorgegebenen Körperverbiegungen adäquat Folge zu leisten. An der endlos langen Treppenanlage am Deusen-Berg kommt er nicht vorbei, ohne einmal hochzulaufen. Sogar die Kletterwand in Huckarde steht demnächst auf seinem Fitness-Programm.

Sport in seiner passiven Form liefert ihm der BVB. Im Kreise seiner Nachbarn (natürlich alle in Schwarz-Gelb) geht es hoch her, wenn ein Borussen-Spiel im Fernsehen übertragen wird. 

Manfred Riechert ist ein begeisterter Schachspieler. Im Abstand von jeweils 14 Tagen brütet er in der städt. Seniorenbegegnungsstätte  über dem 64teiligen Spielfeld gegen seine gleichgesinnten Senioren, um sie ins „Matt“ zu bugsieren.

Ein großes Hobby von ihm ist seine über Jahrzehnte entstandene Film-, Ton und Musiksammlung. Ob Klassik, Schlager oder sogar wichtige Sportreportagen, alles ist bei ihm auf zahllosen Tonbändern, Kassetten und CDs verzeichnet und in Akten und Karteikästen katalogisiert. So hätte er keine Mühe, auf Anforderung zügig zum Beispiel die Hörfunk-Reportage von Kurt Brumme über das sog. „Jahrhundertspiel“ vom 17. Juni 1970 zu Gehör zu bringen (WM in Mexiko, Halbfinale, Deutschland verlor gegen Italien 3:4 nach Verlängerung).

Über seine politischen Präferenzen macht er keinen Hehl. Er ist Sozialdemokrat und im SPD-Ortsverein Bodelschwingh, wo er viele Jahre das Amt des Schriftführers bekleidete, hat sein Wort immer noch Gewicht.

2015 Lauf in Mengede

Die Pflege seines Wohnhauses und des riesengroßen Gartens reichte eigentlich allein schon aus, um ein Rentnerleben auszufüllen. Pflanzarbeiten im Frühjahr, Rasenschnitt und Gießaktionen im Sommer, Baumschnitt und Ernte im Herbst, daneben die Pflege des Gartenteichs und Brennholzbeschaffung, damit sein Gartenhaus an den Winterabenden schön warm ist, bestimmen seinen Tagesablauf. Und er verrät, dass sein insgeheimes Projekt, das weite Areal in eine Kunstausstellung zu verwandeln, wohl erst in seinem zweiten Leben zur Vollendung kommen wird. Einige Objekte sind aber bereits platziert und viele weitere warten noch auf ihre Restauration.

M. Riechert am Schliersee

Trotzdem hat er für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen immer ein offenes Ohr. Und hier liegt auch seine wichtigste Lebensleistung. Mit Empathie für seine Zeitgenossen findet er Muße, sie im Krankheitsfall zu besuchen, zu beraten und auch, wenn es erforderlich ist, zu trösten. Nachbarschaftshilfe wird bei ihm groß geschrieben. Dafür lässt er in seinem Bereich alles liegen, um jemanden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und es ist typisch für ihn, dass es ihn Überwindung kostet, um Hilfe zu bitten, wenn er selbst einmal die Tatkraft anderer benötigen sollte.

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