Buchbesprechung – Biblio Berry

| Keine Kommentare

Valentina Wunderlich: Biblio Berry

Seit kurz vor Weihnachten  ist ein lesenswertes Buch auf dem Markt, dem wir uns an dieser Stelle mit besonderer Aufmerksamkeit widmen wollen. Es handelt sich um das Erstlingswerk von Valentina Wunderlich und  hat den Titel: Biblio Berry.  Im Klappentext heißt es dazu:

2091. In einer Bibliothek, eine der letzten Bastionen zum Schutz der Bücher. In einer Stadt, in der offiziell keine Bücher mehr existieren. In einer Welt, in der die Menschen kein eigenes Gedächtnis mehr haben, in der Wissen Macht ist. Hier sitzt Berry, aufgezogen vom bibliophilen Bibliothekar Vincent, in ihrem eigenen Universum und liest. Immer wenn sie ein Buch der Weltliteratur aufschlägt, verfärben sich ihre Augen von einem Dunkelbraun in leuchtendes Lila. Dann ist sie in ihrem Element, in ihrem Zuhause. Doch was passiert, wenn sie vom Leben außerhalb der Bücher erführe?

Valentina Wunderlich

Die Autorin des Buches – Valentina Wunderlich – ist in Mengede bestens bekannt. In der Buchhandlung am Amtshaus hat sie eine Lehre zur Buchhändlerin absolviert, nachdem sie vorher an der Uni Bochum den Master of Art in Germanistik und Geschichte erlangt hatte. Für MENGEDE:InTakt! hat sie wiederholt Gedichte geschrieben und Buchbesprechungen veröffentlicht – allerdings unter ihrem richtigen Namen: Gabriele Goßmann.
Für das vorliegende Buch hat sie das Pseudonym gewählt, weil sie  “einen ‚sprechenden‘ Namen für das Buch verwenden wollte, ein Name, der inhaltlich zum Buch passt, ohne ihn jedoch mit meinem echten Namen unmittelbar in Verbindung zu setzen, zumal die Autorin im Verlauf der Handlung selbst eine Rolle in der Geschichte einnimmt. Diese Person bin nicht ich, sondern eine weitere Figur, die ich erfunden habe, um meine Intention auszudrücken.”

MENGEDE:InTakt! hat mit der Autorin Valentina Wunderlich ein Interview geführt, das wir unseren LeserInnen nicht vorenthalten wollen:

Sie haben an dem Buch drei Jahre gearbeitet. Wie müssen wir uns das vorstellen: Ideensammlung – Entwurf – Endfassung – alles hintereinander weg?

Nein – der Roman ist aus vielen Bruchstücken entstanden. Schon gegen Ende meines Studiums hatte ich die Idee, eine Geschichte über das Leben in einer Bibliothek zu schreiben. In der Bibliothek zu lesen, zu arbeiten, einen Teil seiner Zeit zu verbringen ist ja normal, aber was ist, wenn jemand in einer Bibliothek aufwächst und diese nie verlässt? Wie sieht er die Dinge? Welches Verhältnis hat er dann zur Realität? Diese Fragen habe ich immer weiter ausgesponnen. Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich mich mit literarischen Texten beschäftigt – u.a. Umberto Ecos “Der Name der Rose” und  Cervantes  “Don Quijote” – die genau dieses Thema behandeln. Am Anfang habe ich ein konzeptionelles Gerüst entwickelt. Es war mir wichtig, nicht vom eigentlichen Ziel abzuschweifen. Anhand dieses Konzepts habe ich die Handlung entwickelt. Oft hatte ich nur einzelne Gedankenfetzen, die ich erst zum Schluss zu einem Ganzen zusammengefügt habe. Bis zuletzt konnte ich nicht daran glauben, dass die Geschichte je fertig werden würde. Erst als ich nach drei Jahren das Gefühl hatte, alle zentralen Ideen eingebaut zu haben, konnte ich mich an die Endfassung setzen. Dies ging wiederum relativ schnell.

Hat es Sie angespornt, an Ihrem Erstlingswerk zu schreiben oder eher gehemmt? Wie sind Sie mit Zweifeln umgegangen?

Es hat mich sowohl angespornt als auch gehemmt, Ersteres hat aber überwogen. Ich hatte den Anspruch, einen Roman zu schreiben, der anders ist als die üblichen Titel auf dem Buchmarkt. Die meisten Publikumsverlage trauen sich heutzutage nur noch sehr selten etwas; sie riskieren nichts mehr für einen qualitativ hochwertigen Roman. Sie trauen den Lesern nichts mehr zu. Ich möchte mit meinem Roman dieser Entwicklung entgegenwirken. Dieser Gedanke hat mich motiviert, den Roman zu Ende zu schreiben.
Gehemmt hat es mich in dem Sinne, dass ich mich oft gefragt habe, ob ich beim Schreiben alles richtig mache, weil ich zuvor noch nie ein Buch geschrieben habe, wenn dann nur Gedichte oder Kurzgeschichten, und auch keinen professionellen Schreibkurs belegt habe (abgesehen von einem Unikurs für kreatives Schreiben, in dem ich einen Pflasterstein beschreiben sollte). Allerdings habe ich einige Bücher darüber gelesen, wie man schreibt. Dies hat mir sehr geholfen.
Gehemmt hat mich zunächst auch der Gedanke daran, was geschieht, wenn das Buch fertig ist. Wenn es keiner liest. Wenn es scheitert. Ich konnte mich jedoch wieder motivieren, indem ich diese Zweifel irgendwann ausgeblendet habe. Schließlich konnte ich mich mit etwas beschäftigen, das mir viel bedeutet und das Sinn stiftend für mich ist, egal wie andere darüber denken.

Enthält das Buch autobiografische Abschnitte?

Meine Charaktere habe ich größtenteils an bereits existierende literarische Figuren angelehnt, wenngleich ich einen autobiografischen Anteil nicht abstreiten kann. In den drei Hauptcharakteren Vincent, Berry und Liliane finde ich mich wieder: in Vincents Bibliophilie, in Berrys Art und Weise, die Bücherwelten zu erkunden und, ja – als mittellose Literatin sehe ich mich auch. 
In der heutigen Zeit ist es noch schwieriger geworden, sich beruflich mit Literatur zu beschäftigen. Nur auf langen Umwegen konnte ich meine Ziele verwirklichen, und man glaubt gar nicht, mit welcherlei Vorwürfen man tagtäglich konfrontiert wird und für was man sich rechtfertigen muss. Aus diesem Grund habe ich eine weitere Thematik im Buch aufgegriffen, den Zwiespalt zwischen der Literatur- und der Naturwissenschaft. Mein Freund, der wie Equinox Informatiker ist, und ich, die sich der Bücherwelt verschrieben hat, haben in einigen Punkten eine komplett andere Sicht auf die Welt, weil schon allein unsere beruflichen Voraussetzungen völlig andere sind. Mit der Zeit ist mir jedoch klar geworden, dass durch eine Symbiose der beiden Welten noch so viel mehr erreicht werden kann, als wenn jeder auf seine einseitige Sichtweise fixiert bleibt.

Läßt sich das Buch einer der gängigen Gattungen – Zukunftsroman, Gesellschaftsroman o.ä – zuordnen?

Dank eines Literaturwettbewerbs für künstliche Intelligenz, an dem ich mit „Biblio Berry“ teilgenommen habe, kann ich ganz genau sagen, aus welchen Genres sich das Buch zusammensetzt: zu 100% aus Belletristik, zu 94% aus Fantasy und zu 4% aus Liebesroman. Meines Erachtens treffen außerdem Science-Fiction und Gesellschafts- und Entwicklungsroman auf die Geschichte zu. In erster Linie ist der Roman allerdings eine Dystopie. (Anm.: eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung mit negativem Ausgang – wikipedia.)
Meine Absicht war es, verschiedene Genres miteinander zu kombinieren. Darin liegt einerseits ein großes Problem, und zwar die dadurch nur schwierig zu identifizierende Zielgruppe zu finden. Leser klassischer Literatur lesen meistens wenig Fantasy und umgekehrt (wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt). Andererseits ergibt sich daraus auch das Potenzial, eine ganz bestimmte Zielgruppe anzusprechen, nämlich die bibliophilen Leser.

Planen Sie weitere Bücher? Wenn ja, haben Sie bereits ungefähre Vorstellungen?

Irgendwann möchte ich auf jeden Fall weitere (wunderliche) Bücher schreiben. Dazu habe ich auch schon einige Ideen. Ich möchte gerne einen Familienroman schreiben. Allerdings brauche ich jetzt erst einmal eine kleine Pause. Der Vertrieb und das Marketing von „Biblio Berry“ werden noch viel Energie kosten, da ich mich um alles selbst kümmere.

Zusätzliche Hinweise

Das Buch ist erschienen bei
TWENTYSIX – der Self-Publisching-Verlag;
ISBN – 978-3-7407-6270-4
Das Print-Buch hat 204 Seiten und kostet  18,99  Euro, das  E-Book kostet in den ersten vier Wochen seit Erscheinen 3,49 Euro.  Print-Buch und E-Book können im Buchhandel bestellt werden.
   Send article as PDF   

Schreibe einen Kommentar