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BVB – Schalke: DAS Derby zum ersten Mal ohne Publikum

Es ist entschieden. Am kommenden Samstag um 15:30 Uhr nimmt die Bundesliga nach 10-wöchiger Corona-Pause wieder ihren Spielbetrieb auf.

So sieht’s Samstag im Stadion aus

Highlight des 26. Spieltags ist zweifellos eine Partie, die nicht nur die Fußballfans im Ruhrgebiet in ihren Bann zieht, sondern auch viele Fußballfreunde in anderen Teilen Deutschlands: Borussia Dortmund empfängt im heimischen Stadion den FC Schalke 04.

Es ist DAS Derby im deutschen Fußball. Ein Spiel, welches auch bedingt durch die räumliche Nähe beider Vereine, in beiden Fanlagern schon seit Jahrzehnten für Vorfreude, restlos ausverkaufte Stadien und –  je nach Ergebnis – für Jubel oder Traurigkeit, in jedem Fall aber immer für jede Menge Emotionen sorgte.

„Sorgte“?

 Ja, „sorgte“ Und hier ist bewusst die Vergangenheitsform gewählt. Denn aufgrund der aktuellen Corona-Regeln wird dieses Derby im Signal-Iduna-Park, in dem über 81.000 Zuschauer Platz finden, als Geisterspiel vor leeren Rängen stattfinden. Und leere Ränge bedeuten: kein Anfeuern, keine Pfiffe, keine Torschreie. Nichts als absolute Stille. Ausnahmen dürften lediglich die Rufe der Spieler und Trainer sowie die Tritte vor den Ball sein, die diese gespenstische Atmosphäre unterbrechen werden. Auch bei den Fans beider Vereine herrscht in den Tagen vor der Partie eine nie gekannte Ruhe. Man spürt beinahe so etwas wie Desinteresse am Spiel der beiden großen Rivalen. Stattdessen wird fast ausschließlich über Hygiene- und Quarantänemaßnahmen oder die von den Vereinen dringend benötigten TV-Gelder diskutiert.

Trotz dieser ungewöhnlichen Rahmenbedingungen wird dieses Spiel von der Stadt Dortmund, der Polizei und dem BVB sehr ernst genommen.

Appell an die Vernunft der Fußballfans

In einem Pressegespräch am Mittwoch dieser Woche nahmen Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Polizeipräsident Gregor Lange und Dr. Christian Hockenjos, als beim BVB verantwortlicher Direktor für Organisation und Verwaltung, Stellung zum aktuellen Stand rund um das Derby. „Diese Veranstaltung ist in erster Linie als ein Appell an die Vernunft der Fußballfans zu sehen“, betonte Ullrich Sierau bereits zu Beginn der Veranstaltung. Die Einhaltung der vorliegenden Regeln zur Wahrung der Gesundheit muss auch am Derbytag oberstes Gebot sein. Dazu gehöre der Verzicht auf Treffs in größeren Gruppen zum gemeinsamen Derbygucken im TV, aber auch das Verbot, sich in Stadionnähe oder auf Plätzen in der Innenstadt zu versammeln. Das Geisterspiel Mönchengladbach – Köln im März, bei dem sich Hunderte von Fußballfans vor dem Stadion trafen, um den Gladbacher Sieg zu feiern, als gäbe es überhaupt keine Ansteckungsgefahr durch Corona, dürfe sich nie wiederholen. Aktuell liegt allen Verantwortlichen eine Erklärung der Dortmunder Fanorganisation „Bündnis Südtribüne“ vor, die noch einmal bestätigt, dass sich deren Mitglieder am Tag des Derbys nicht in der Gegend des Stadions aufhalten werden. 

OB Ullrich Sierau mit Gregor Lange (Mitte) und Dr. Christian Hockenjos (links)

Polizeipräsident Gregor Lange wies darauf hin, dass die polizeilichen Vorbereitungen für das Geisterspiel durchaus denen eines normalen Revierderbys mit Zuschauern entsprechen. Die Polizei muss an mehreren Stellen präsent sein, um bei sämtlichen denkbaren Zwischenfällen schnell und flexibel reagieren zu können. Dazu gehört natürlich das Verhindern eines möglichen Aufeinandertreffens von Dortmunder und Schalker Fangruppierungen. Aber auch die Möglichkeit, dass „Verharmloser“ der Virengefahr oder sog. „Kämpfer für den Erhalt der Demokratie“, das Derby zu groß angelegten Protestveranstaltungen nutzen könnten, darf seitens der Polizei nicht ausgeschlossen werden. Die Polizei wird vorbereitet sein und konsequent gegen Verstöße vorgehen. Lange sieht den Revierschlager darüber hinaus aber auch als eine Chance für alle Fans und TV-Zuschauer, gleich welcher Trikotfarben: „Die Fußballfans haben am Samstag die Chance zu beweisen, dass die Entscheidung, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, kein Fehler war. Die Entscheidung ist ein Vertrauensvorschuss, dem Fans und Zuschauer nun gerecht werden müssen.“

Die Bundesligavereine müssen nie gekannte Auflagen erfüllen

Dr. Christian Hockenjos bestätigte noch einmal die volle Übereinstimmung des BVB mit allen aufgezählten Punkten hinsichtlich Gesundheit und Sicherheit. Innerhalb kürzester Zeit musste Borussia Dortmund Aufgaben bewältigen, die dem Verein in dieser Form vor Ausbruch der Corona-Pandemie völlig unbekannt waren. Zu nennen sind unter anderem: Schaffung von zusätzlichen Umkleidekabinen für Ersatzspieler, Verteilung der 321 (!) zugelassenen Zuschauer in drei Stadionzonen für Spieler/Betreuer, Journalisten und Ordnungsdienst, Abstellung eines „Hygienebeauftragten“ und Sicherstellung der ärztlichen Versorgung.

Ullrich Sierau fasste die Hoffnungen und Erwartungen aller Beteiligten vor dem Derby zum Ende der Veranstaltung noch einmal anschaulich zusammen: „Bleiben wir doch lieber alle im kleinen familiären Umfeld zu Hause und freuen uns dort über ein hoffentlich spannendes Derby!“ Oder um den früheren Schalker Trainer Huub Stevens zu zitieren: „Die „Null“ muss stehen. Auf keinen Fall hinsichtlich der Tore für den BVB, aber bei neuen Infektionen.“

Welcher Mannschaft die Mehrheit der Leser von MENGEDE:InTakt! am kommenden Samstag die Daumen drückt, dürfte kein Geheimnis sein. Es mag Ausnahmen geben, aber einen schwarzgelben Sieg wünschen sich die Meisten. Zwei Wünsche dürften dagegen alle Fans haben, gleich ob schwarzgelb oder königsblau: das Geisterspiel bleibt hoffentlich auch außerhalb des Stadions friedlich und führt nicht zu Neuansteckungen.

Und, ganz wichtig: es ist hoffentlich das erste und gleichzeitig auch letzte Derby in einem leeren Stadion.

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